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Die neue Generation Freier : Sie sind jung, sie haben Geld und sie zahlen gerne für Sex

Aurel Marx will die Rotlicht-Szene modernisieren.

Aurel Marx will die Rotlicht-Szene modernisieren.

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Marx

Berlin -

Wer in ein Bordell geht, um Sex zu haben, ist entweder einsam, hässlich oder pervers, so die landläufige Meinung über den klassischen Freier. Und auch im engsten Freundeskreis würden wohl nur die wenigsten Männer offen zugeben, dass sie gelegentlich für ein bisschen Sex bezahlen. Zumindest in der Generation der über 40-Jährigen. „Die neue Generation junger Männer ist anders“, ist der Berliner Aurel Johannes Marx überzeugt. Und hat eine ganz neue Freier-Klientel entdeckt: Hipster. „Die sind jung, haben Geld und sie zahlen ohne zu murren für Sex.“

Der Mann, der das sagt, trägt einen lustigen Schnauzer zu seinem Vollbart, dazu ein schickes weißes Hemd und eine eng anliegende Hose. So, wie unzählige junge Berliner, vor allem in den Szenekiezen wie Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain durch die Straßen ziehen. Doch die Hipster-Generation hat neben ihrem Kleidungsstil auch „einen Zeitgeist in dieser Stadt entwickelt, den man als sexuelle Revolution bezeichnen muss“, sagt Marx. Mit Berlins erstem Hipster-Bordell und einer eigenen App will der frühere Waldorfschüler das Sex-Geschäft gründlich modernisieren.

Schneller und unkomplizierter Sex wird normal

Der Mann weiß, wovon er spricht: Seit über 20 Jahren verdient er sein Geld im Berliner Rotlichtmilieu, betrieb jahrelang ein Bordell. Jetzt hat er mit seinen Partnern einen neuen Laden eröffnet: „Berlins ersten Hipster-Puff, zwischen East Side Gallery und Kotti“, wie Marx sagt. „Bei uns gibt es keine Plastikpalme, keine Tigergardine und keinen versifften Samt. Unsere Zimmer sehen so aus, wie Hipster wohnen.“ Das eigentliche Prinzip beschreibt der Mann mit dem Zirkusdirektoren-Schnauzer so: „Es ist ganz einfach: Du suchst dir ein Mädchen bei uns aus, sie kommt, du kommst. Und dann kannst du dich tiefenentspannt ins Berliner Nachtleben stürzen.“

Aber ist das Nachtleben nicht genau dafür da? Um jemanden kennenzulernen, mit der Option auf mehr? Und überhaupt: Weshalb sollte ein junger Mann es überhaupt nötig haben, in ein Bordell gehen? „Das ist ja das Ding: Die neue Generation hat keine Lust auf anstrengende Nummern mit viel Bla-Bla. Ein Beispiel: In einem Club gibst du fünf verschiedenen Frauen einen Drink aus. Und gehst mit Pech trotzdem allein nach Hause. Die junge Generation denkt sich: Hey, dann gehe ich halt gleich für Geld vögeln.“ Vor allem in Berlin, „wo inzwischen jeder Zweite schon mal im Kit-Kat-Club war“, sei es mittlerweile „absolut normal, schnellen und unkomplizierten Sex zu haben“.

Neuer InhalDer Raum sieht aus wie ein Hotelzimmer in einem hippen Hotel in Friedrichshain.

Der Raum sieht aus wie ein Hotelzimmer in einem hippen Hotel in Friedrichshain, ist aber ein Liebesnest in Berlins erstem Hipster-Puff. 

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Das sehe man auch „am Erfolg von solchen Apps wie Tinder, bei denen es nicht darum geht, die Liebe fürs Leben zu finden“. Auch im Rotlicht, ist Marx überzeugt, werden Apps zunehmend eine Rolle spielen – und hat mit seiner Firma Cronosignum Deutschlands erste „Puff-App“ entwickelt. Sein Hipster-Bordell dient quasi als Vorzeigebetrieb. Mit der App können Bordellbetreiber in Kombination mit Türsensoren „in Echtzeit verfolgen, welche Räume wann wie lange belegt sind“, sagt Marx. Damit könne man „genau die Daten sammeln, die wertvoll sind: Belegungen, saisonale Trends, Umsatzwahrscheinlichkeiten.“ Zudem könne man die seit 2018 zum Schutz der Huren vom Gesetzgeber vorgeschriebenen und tagesaktuellen Abrechnungen in Bordellen per Knopfdruck erstellen.

„Man muss eben mit der Zeit gehen“, sagt Marx. Das alte „Schmuddel-Rotlicht“, ist er sicher, stirbt aus. „Das Bordell der Zukunft ist sauber, modern und cool. Hip eben.“