Bizarrer Fall vor Gericht

Spritzen-Spiel endet tödlich – Dominas schweigen

Ein Sex-Experiment endet tödlich: In einem Domina-Studio in Charlottenburg kollabiert ein Mann nach mehreren Spritzen. Nun stehen zwei Frauen vor Gericht.

Author - Tanja Tal
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Die Angeklagte Lora B. am Montag vor Gericht
Die Angeklagte Lora B. am Montag vor GerichtOlaf Wagner

Im „Klinikzimmer“ gab es Spritzen aus der Hand einer Domina, im „Latexzimmer“ kollabierte der Mann. Ein Sex-Experiment endete tödlich. Zwei Frauen sitzen nun auf der Anklagebank: Irina Z. (41) und Lora B. (42).  Als Dominas „Lady V.“ und „Lady A.“ empfingen sie ihre Gäste in Lack, Leder, Latex und mit Peitsche.

Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge

Im Gerichtssaal sitzen sie in biederen Blusen und Jeans. Die eine ist Steuerfachgehilfin, die andere gelernte Kosmetikerin. Domina war für beide ein Nebenjob. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge. Beide hätten „grob sorgfaltswidrig“ gehandelt, trotz der erheblichen Risiken für die Gesundheit und das Leben des Mannes das Lokalanästhetikum Procain verabreicht.

Er nannte sich Mike. Ein stattlicher Typ, 1,90 Meter groß, oft auf Dienstreisen. Mike und Lady V. lernten sich Anfang 2024 kennen: „Er war mein Gast.“ Er rief dann immer wieder an. „Mit privater Absicht“, so die Domina. Regelmäßig hätten sie sich im Hotel getroffen, er habe von ihren beiden Kindern und ihrem Leben gewusst.

Mann wollte Sadomaso unter Betäubung ausprobieren

Das tödliche Treffen fand am 9. April 2024 in einem Domina-Studio in Charlottenburg statt. Dort war Lady V. wohl erstmals, Lady A. aber häufiger. „Sklave“ Mike und „Herrin“ V. hatten bizarren Sex verabredet. Und Mike wollte Sadomaso unter lokaler Betäubung ausprobieren. „Um die körperlichen Grenzen durch Dämpfung der Schmerzempfindlichkeit zu lindern“, so die Anklage.

Die Angeklagte Irina Z. (r.) mit ihrem Anwalt
Die Angeklagte Irina Z. (r.) mit ihrem AnwaltOlaf Wagner

Um 16 Uhr im „Klinikzimmer“ die erste Spritze. Weil Lady V. keine Erfahrungen damit hatte, soll sie Lady A. um Unterstützung gebeten haben. In eine Vene in der linken Armbeuge wurde gespritzt.

Eine zweiprozentige Procain-Lösung sei es gewesen. Das Mittel wird beispielsweise beim Zahnarzt eingesetzt. Es folgten weitere Injektionen. Gegen 17 Uhr ging es ins „Latexzimmer“ zur weiteren „Behandlung“. Beim Sex auf dem Gyn-Stuhl aber verlor Mike das Bewusstsein.

Hilferufe folgten um 17.52 Uhr. Der Gast atmete nicht mehr. Reanimation begonnen, Notarzt gerufen. Doch um 19.19 Uhr wurde im Krankenhaus der Tod des Mannes festgestellt.

Beide Frauen schweigen nun zu den Vorwürfen. Lady A. war laut Anklage bei Spritzen dabei, aber nicht im „Latexzimmer“. Ihr Verteidiger: „Der Mann suchte das Studio gezielt auf, das Mittel wollte er, es war sein Wunsch. Er wirkte orientiert und entschlossen, als er das Klinikzimmer verließ.“ Es habe keine Anhaltspunkte für Lebensgefahr gegeben.

Lady A. ist nach dem Todesfall als Domina ausgestiegen. „Sie schlägt sich inzwischen als Pflegehelferin durch.“ Urteil: Voraussichtlich am 21. Juli.

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