Lärm, Müll, Wildpinkeln und Rauch. Der Grillplatz Neuer Hain sorgt seit langer Zeit für Ärger. Vor allem an warmen Tagen scheint die Lage außer Kontrolle. Tiefpunkt: Am 1. Mai wurde ein Polizist von einer rund zehnköpfigen Menschengruppe angegriffen und verletzt. Auslöser war ein Streit um unerlaubtes Grillen.
Anwohner schicken Brandbrief an Bürgermeisterin
Anwohner haben daher einen Brandbrief verfasst, der an Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) gerichtet ist. Ihre Forderung: Der Grillplatz soll geschlossen werden. Ulrike von Rekowsky von der CDU Friedrichshain‑Kreuzberg zur Situation: „Jeder macht, was er will. Wenn der Bezirk nicht einschreitet, verselbstständigt sich das. Ich habe gesehen, dass Menschen ganze Sofa‑Garnituren dorthin schleppen. Das sind Zustände, die nicht mehr ertragbar sind.“
Donnerstagabend kam das Thema auf der BVV Friedrichshain‑Kreuzberg erneut auf die Agenda – auf Initiative der CDU. „Wir sind nicht gegen das Grillen. Aber wenn sich die Leute nicht an die Regeln halten, muss man irgendwann sagen: So geht es nicht mehr“, sagt von Rekowsky.
Dass die Menschenmassen Richtung Friedrichshain strömen, ist kein Zufall: Berlin hat schlichtweg zu wenig öffentliche Grillplätze. Von Rekowsky: „Es ist ein Grill-Tourismus entstanden.“

Bezirksstadträtin Annika Gerold (Grüne) auf der BVV: „Es gibt in den meisten Bezirken gar keine legalen Grillmöglichkeiten. In Treptow‑Köpenick ist mir keine bekannt, in Charlottenburg‑Wilmersdorf ist mir keine bekannt. Es gibt vereinzelte Flächen in anderen Bezirken, beispielsweise im Mauerpark und im Monbijoupark in Mitte. Und es gibt natürlich das Tempelhofer Feld. Aber insbesondere in den Außenbezirken sind mir keine legalen Grillflächen bekannt.“
Sind Vermüllung und Lärm einen generelles Park-Problem in der Hauptstadt?
Gerold weiter: „Ich bin auch nicht über die Situation zufrieden, dass es offensichtlich dazu führt, dass die halbe Stadt ein erhebliches Interesse daran hat, bei uns im Bezirk dieser Tätigkeit nachzukommen.“
Dass es besonders im Volkspark Friedrichshain brennt, sieht Gerold nicht so: „Vermüllung und Lärm sind bei uns grundsätzlich leider in jeder innerstädtischen Grünanlage ein Problem. Es ist keine Besonderheit dieser Grillfläche. Mich erreichen jeden Tag zahlreiche Hinweise auf die Situation in Grünanlagen mit überquellenden Müllbehältern und dergleichen, beispielsweise aus dem Viktoriapark.“

Die Kontrollen dürften in den nächsten Wochen verschärft werden. Von Rekowsky wünscht sich zudem eine höhere Polizeipräsenz: „Das Ordnungsamt ist gehemmt – das berichten mir Anwohner, und das habe ich auch selbst erlebt. Ich würde da auch nicht hingehen und einer Gruppe von 30 Personen, die gerade einen Grill aufbaut, sagen: ‚Können Sie das bitte ausmachen?‘“




