Direkt gegenüber der weltberühmten Museumsinsel eskaliert ein Problem, das viele Berliner seit Jahren beschäftigt: Der Monbijoupark in Berlin Mitte – ein Ort, der eigentlich Kultur, Geschichte und Erholung vereinen soll – versinkt zunehmend im Müll, Grillrauch und einer Rattenplage. Anwohner sprechen von einer „Verwahrlosung im Herzen der Stadt“.
Ein Park am Limit – im kulturellen Zentrum Berlins
Der Monbijoupark liegt an einem der bedeutendsten Orte Deutschlands: zwischen Bode-Museum, Monbijou-Theater, Märchenhütte, Kinderfreibad und touristischen Hotspots der Museumsinsel. Doch ausgerechnet hier, wo Berlin sein schönes Gesicht zeigt, erleben Anwohner seit Jahren eine Entwicklung, die sie als „untragbar“ bezeichnen.
„Vergeblich kämpfen wir seit Jahren gegen die Verwüstung unseres Kulturerbes“, sagt Anwohnerin Anna Kraft. Die Philologin wohnt seit über einem Jahrzehnt in der Nähe – und beobachtet, wie der Park zunehmend übernutzt wird.
Grillen, Müll, Lärm werden immer schlimmer
Besonders an Wochenenden verwandelt sich der kleine Park nach ihren Angaben in eine Grillzone. Stundenlang ziehen Rauchschwaden über die Wiese, überquellende Mülleimer bleiben bis zum nächsten Morgen stehen. Für Familien, die das angrenzende Kinderfreibad besuchen, ist das längst ein Gesundheits- und Wohlfühlproblem.
„Die Folgen sind nicht nur sichtbar, sondern auch riechbar“, sagt Kraft. Sie berichtet von Ratten, die abends offen über die Wege laufen – angelockt von Essensresten und Müllbergen.

Die Zahlen bestätigen das Problem: Laut Landesamt für Gesundheit und Soziales gab es 2025 allein im Bezirk Mitte 1.703 Rattenbekämpfungsmaßnahmen. Auch im Monbijoupark werden die Tiere regelmäßig gesichtet.
Grillen ist erlaubt – aber nur auf einer kleinen Fläche
Offiziell ist das Grillen im Monbijoupark nicht verboten, aber streng reglementiert. Erlaubt ist es nur auf einer kleinen Fläche nahe der Oranienburger Straße, auch in anderen Parks in Berlin wird das so gehandhabt. In der Realität wird jedoch an vielen Stellen gegrillt – oft ohne Rücksicht auf andere Parknutzer.

Das Bezirksamt Mitte sieht die Lage weniger dramatisch. Auf Anfrage heißt es: „Das Verhältnis der Personen, die sich für oder gegen das Grillen aussprechen, wirkt ausgeglichen.“ Klagen im juristischen Sinne gebe es nicht. Für die Reinigung sei allein die BSR zuständig.
Kulturelle Einrichtungen leiden mit
Rund um den Park liegen Orte, die Berlin weltweit bekannt gemacht haben: die Museumsinsel, das Bode-Museum, das Monbijou-Theater mit der Märchenhütte.
Viele Berliner erinnern sich an Zeiten, in denen hier Open-Air-Konzerte, Theaterabende und Familienfeste stattfanden. Heute dominieren Müllberge und Rauchschwaden das Bild. Die Anwohner fragen sich: Wie kann ein Ort von solcher kultureller Bedeutung so vernachlässigt werden?
Anwohner laden Medien ein: „Kommt am Wochenende – seht selbst“
Die Fotos, die Anwohner dem Berliner Kurier zur Verfügung gestellt haben, zeigen den Park an einem Montagmorgen – nach einem ganz normalen Wochenende. Müllsäcke, Essensreste, Flaschen, Grillstellen.
„Das ist nur ein kleiner Ausschnitt“, sagt Kraft.
In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wird das Thema regelmäßig diskutiert. Manche fordern mehr Grillflächen, andere ein komplettes Grillverbot. Eine Lösung gibt es bisher nicht.
