Kaum ein Bezirk in Berlin ist wohl so von Kontrasten geprägt wie Marzahn-Hellersdorf. Einerseits ragen die Plattenbauquartiere hervor, gleichzeitig befindet sich ein Fünftel der Wohnungen in Ein- oder Zweifamilienhäusern (z. B. in Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf) – ein Wert, der in der Hauptstadt nur von Reinickendorf getoppt wird.
Marzahn-Hellersdorf ist grün, aber auch hochhausreich. Der KURIER macht den Report: So steht es in Marzahn-Hellersdorf um …
Der Bezirk hat in zehn Jahren rund 40.000 Menschen hinzu gewonnen
… die Einwohnerzahl: Der Bezirk wächst unaufhaltsam, kratzt an der 300.000-Einwohner-Marke. Wäre Marzahn-Hellersdorf eine eigene Stadt, würde sie deutschlandweit auf Platz 23 stehen (Ranking ohne Berlin), zwischen Augsburg und Wiesbaden. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lebten hier noch rund 260.000 Menschen. Und das bringt Schwierigkeiten mit sich.
… den Wohnungsbau: Seit 2020 sind laut Bezirk knapp 10.000 Wohnungen fertiggestellt worden. Das Gebiet im Berliner Osten überzeugt vor allem durch Mieten, die im Stadtvergleich zu den niedrigsten gehören. Der Mietspiegel 2026 weist Marzahn-Hellersdorf – zusammen mit Teilen von Spandau und Treptow-Köpenick – als eine der günstigsten Regionen der Hauptstadt aus (etwa im Durchschnitt 11–12 Euro/m² nettokalt). Doch auch daraus resultieren Probleme.

… die Bildung: Sie ist eines der Sorgenkinder des Bezirks. Marzahn-Hellersdorf ist jung, so hat sich die Anzahl der Schüler in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Seit 2021 entstanden bzw. entstehen zwölf modulare Ergänzungsbauten und sieben neue Schulen. Bis Ende 2026 sollen 8.272 neue Schulplätze entstehen. Und es gibt einiges zu tun.
Jugendstadtrat Gordon Lemm (48, SPD): „36 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler verlassen unsere Schulen entweder ohne oder nur mit einem geringen Schulabschluss.“
2024 lag der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss bei 13,8 Prozent – das ist der höchste Wert aller Berliner Bezirke.
41,5 Prozent der Kinder weisen Sprachdefizite auf, das trifft auch viele Kinder aus deutschen Familien. Bei Kindern ohne Kitabesuch liegt der Wert sogar bei 80 Prozent.

Fakt ist auch: 61 Prozent der Kinder haben einen schulischen und/oder sonderpädagogischen Förderbedarf, in Hellersdorf-Nord sind es 79 Prozent. Aber qualifiziertes Personal zu finden, fällt gerade einem Außenbezirk wie Marzahn-Hellersdorf schwer. So unterrichten an der Glückskompass-Grundschule in den ersten und zweiten Klassen fast nur noch Studenten. Lemm: „Die haben gar keine Ausgebildeten mehr.“
Fast die Hälfte der Menschen sind Geringverdiener
… das Einkommen: 45 Prozent der Menschen sind Geringverdiener. Heißt: Für viele reicht das Geld nur fürs Nötigste. Die Zahl der Bürgergeldempfänger liegt bei rund 39.000. Die soziale Belastung im Bezirk ist hoch. Mit 38 Prozent hat man die höchste Quote an Alleinerziehenden in Berlin, rund 4.300 davon beziehen Bürgergeld. Insgesamt gibt das Jugendamt mehr als 120 Millionen Euro im Jahr für Erziehungshilfen aus. Es gibt also viel zu tun.
… die Infrastruktur: Sie muss mitwachsen, so Bürgermeisterin Nadja Zivkovic (47, CDU) zum KURIER: „Wenn wir mehr Menschen haben, brauchen wir auch mehr Feuerwehr, mehr Polizei, mehr Ärzte und eine häufiger fahrende S-Bahn. Das muss alles mitgedacht werden.“
Gerade die ärztliche Versorgung ist ein drängendes Thema: Haus- und Fachärzte werden gesucht. Der Bezirk versucht dem – wie es heißt – mit einer „Praxisraumbörse, gezielter Netzwerkarbeit und der Zusammenarbeit mit bestehenden Standorten“ entgegenzuwirken.





