Schock-Zahlen

Trauriger Rekord in Marzahn-Hellersdorf: Hier liegt am meisten Müll!

Neue Zahlen belegen, wie schlimm es um die Vermüllung in Marzahn-Hellersdorf steht und wo es am dreckigsten ist.

Author - Stefan Doerr
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Kaputte Möbel, volle Mülltüten und Kisten - Berlin ist voller solcher Müll-Hotspots.
Kaputte Möbel, volle Mülltüten und Kisten - Berlin ist voller solcher Müll-Hotspots.Britta Pedersen/dpa

Berlin versinkt im Müll – und in Marzahn-Hellersdorf zeigt sich das Problem besonders drastisch. Illegale Müllkippen nehmen rasant zu, doch die Verursacher kommen fast immer davon. Neue Zahlen, die der Abgeordnete Jan Lehmann (SPD) abgefragt hat, zeichnen ein düsteres Bild.

Immer mehr Müll-Meldungen im Bezirk

Für 2026 drohen bis zu 2900 Fälle illegaler Müllentsorgung. Ein trauriger Rekord und ein Offenbarungseid für die Müllbekämpfung im Bezirk. Illegale Müllhaufen sind längst kein Randphänomen mehr, sondern ein alltägliches Ärgernis für Anwohnerinnen und Anwohner.

Lehmann, SPD-Abgeordneter für Kaulsdorf und Hellersdorf, warnt:„Meine Anfrage zeigt ein alarmierendes Bild: Innerhalb eines Jahres sind die Meldungen in Marzahn-Hellersdorf von 2145 auf über 2400 Fälle hochgeschnellt. Das ist ein Zuwachs von 12 Prozent – und der Trend zeigt weiter nach oben.“

Müll-Sheriffs des Ordnungsamts sind im Einsatz, um Müllsünder zu identifizieren.
Müll-Sheriffs des Ordnungsamts sind im Einsatz, um Müllsünder zu identifizieren.Funke Foto Services/Imago

Wo sind die größten Müll-Kippen in Marzahn?

Und ein teures dazu: Die Beseitigung verschlingt jedes Jahr Millionen. Doch während die Müllberge wachsen, bleibt die Aufklärungsquote mager. Lehmann: „Zwar können die Ablagerungen grundsätzlich als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, aber das Ordnungswidrigkeitenrecht funktioniert nur, wenn der Staat auch die Kapazitäten hat, es durchzusetzen.“

Besonders betroffen sind diese Hotspots in Marzahn-Hellersdorf, wie aus der Antwort des Senats hervorgeht: Märkische Spitze, Nordring, Pyramidenring und der Bereich rund um den Cleantech Business Park. Außerdem Otto-Rosenberg-Straße, Kemberger und Hoyerswerdaer Straße. Dort türmen sich Sperrmüll, Unrat, Bioabfälle, zunehmend auch Bauabfälle, Kfz-Teile und Elektroschrott.

Im Ordnungsamt ermitteln Mitarbeiter gegen illegale Müllablagen.
Im Ordnungsamt ermitteln Mitarbeiter gegen illegale Müllablagen.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Noch ernüchternder: Die Müllsünder werden so gut wie nie erwischt. Von über 5200 Meldungen zwischen 2024 und März 2026 führten nur 830 überhaupt zu einem Ordnungswidrigkeitenverfahren. Am Ende konnten lediglich 50 Täterinnen und Täter ermittelt werden. Bezogen auf alle Meldungen liegt die Aufklärungsquote damit unter einem Prozent.

Bußgelder fallen viel zu niedrig aus

Hinzukommt, dass die verhängten Bußgelder niedrig ausfallen. So wurden von 2024 bis März 2026 insgesamt nur 41 Bußgelder verhängt, häufig mit Durchschnittsbeträgen zwischen nur 129 und 322 Euro. „Wer erwischt wird, zahlt mitunter weniger, als eine sachgerechte Entsorgung gekostet hätte“, empört sich Lehmann. „Das ist kein abschreckendes Signal, sondern fast eine Einladung zum Weitermachen. Ohne spürbare Konsequenzen bleibt auch die beste Kontrolle praktisch wirkungslos.“

Auch der Einsatz von Müll-Sheriffs hilft nicht gegen die Vermüllung. Der Bezirk schuf im Sommer 2025 zwei Stellern für diese sogenannten Waste-Watchers. Zwei weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen, allerdings zeitlich befristet bis Ende 2027. Lehmann lehnt diese Befristung ab und fordert mehr Kontrollen: „Bekannte Hotspots müssen dauerhaft und sichtbar kontrolliert werden, bloße punktuelle Einsätze reichen nicht mehr aus.“

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com