Berlin hat ein Müll-Problem – und das offenbar auch in Marzahn-Hellersdorf. Neue Zahlen, die der Abgeordnete Jan Lehmann (SPD) abgefragt hat, zeichnen ein düsteres Bild: Illegale Müllkippen nehmen zu, doch die Verursacher kommen fast immer davon.
Mehr Müll-Meldungen im Bezirk
Für 2026 drohen bis zu 2900 Fälle illegaler Müllentsorgung. Ein trauriger Rekord und ein Offenbarungseid für die Müllbekämpfung im Bezirk. Lehmann, SPD-Abgeordneter für Kaulsdorf und Hellersdorf, warnt: „Meine Anfrage zeigt ein alarmierendes Bild: Innerhalb eines Jahres sind die Meldungen in Marzahn-Hellersdorf von 2145 auf über 2400 Fälle hochgeschnellt. Das ist ein Zuwachs von 12 Prozent – und der Trend zeigt weiter nach oben.“

Wo liegt in Marzahn am meisten Müll?
Und ein teures dazu: Die Beseitigung verschlingt jedes Jahr Millionen. Und die Aufklärungsquote ist mager. Lehmann: „Zwar können die Ablagerungen grundsätzlich als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, aber das Ordnungswidrigkeitenrecht funktioniert nur, wenn der Staat auch die Kapazitäten hat, es durchzusetzen.“
Besonders betroffen sind diese Hotspots in Marzahn-Hellersdorf, wie aus der Antwort des Senats hervorgeht: Märkische Spitze, Nordring, Pyramidenring und der Bereich rund um den Cleantech Business Park. Außerdem Otto-Rosenberg-Straße, Kemberger und Hoyerswerdaer Straße. Dort türmen sich Sperrmüll, Unrat, Bioabfälle, zunehmend auch Bauabfälle, Kfz-Teile und Elektroschrott.

Noch ernüchternder: Die Müllsünder werden so gut wie nie erwischt. Von über 5200 Meldungen zwischen 2024 und März 2026 führten nur 830 überhaupt zu einem Ordnungswidrigkeitenverfahren. Am Ende konnten lediglich 50 Täterinnen und Täter ermittelt werden. Bezogen auf alle Meldungen liegt die Aufklärungsquote damit unter einem Prozent.
Bußgelder fallen viel zu niedrig aus
Hinzukommt, dass die verhängten Bußgelder niedrig ausfallen. So wurden von 2024 bis März 2026 insgesamt nur 41 Bußgelder verhängt, häufig mit Durchschnittsbeträgen zwischen nur 129 und 322 Euro. „Wer erwischt wird, zahlt mitunter weniger, als eine sachgerechte Entsorgung gekostet hätte“, empört sich Lehmann. „Das ist kein abschreckendes Signal, sondern fast eine Einladung zum Weitermachen. Ohne spürbare Konsequenzen bleibt auch die beste Kontrolle praktisch wirkungslos.“
Auch der Einsatz von Müll-Sheriffs hilft nicht gegen die Vermüllung. Der Bezirk schuf im Sommer 2025 zwei Stellern für diese sogenannten Waste-Watchers. Zwei weitere sollen noch in diesem Jahr hinzukommen, allerdings zeitlich befristet bis Ende 2027. Lehmann lehnt diese Befristung ab und fordert mehr Kontrollen: „Bekannte Hotspots müssen dauerhaft und sichtbar kontrolliert werden, bloße punktuelle Einsätze reichen nicht mehr aus.“



