Die Kaulsdorfer Seen gehören für viele Menschen im Berliner Osten zum Sommer wie Sandalen und Sonnenbrand. Baden ist dort zwar offiziell verboten, wird aber seit Jahren vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf geduldet. Familien mit Kindern, Rentner, FKK-Fans – alle teilen sich das Stück Natur in Marzahn-Hellersdorf. Doch jetzt knallt’s im Kiez.
Familien meiden Sex-Treffs am See
Wie der Tagesspiegel berichtet, häufen sich seit dem vergangenen Jahr Beschwerden von Anwohnenden und Eltern an den Kaulsdorfer Seen. Sie erzählen, dass es rund um die Seen, in deren Umfeld sich auch Schulen befinden, – nicht nur im Gebüsch, sondern teils gut sichtbar – zu sexuellen Handlungen komme.
An den ersten warmen Tagen über Pfingsten habe sich die Lage „massiv zugespitzt“, schreiben Bildungssenatorin Katharina Günther‑Wünsch und CDU‑Abgeordneter Mario Czaja in ihrem Newsletter. Viele Familien würden bestimmte Bereiche inzwischen meiden.
Auf einschlägigen Gay-Plattformen wird der Habermannsee sogar als „perfekte Gay Cruising Area“ beschrieben, an der sich „im Sommer zahlreiche Schwule und bisexuelle Männer zum gegenseitigen Onanieren und Verwöhnen“ treffen. Einträge dazu reichen laut Tagesspiegel bis ins Jahr 2001 zurück.
CDU: „Klare Grenze überschritten“
Für die CDU ist die Sache eindeutig. Die Seen seien ein öffentlicher Erholungsraum für alle – und wer andere belästige oder verdränge, „überschreitet eine klare Grenze“, heißt es. Der FKK-Bereich selbst sei nicht das Problem, betont die Partei.
Der Bezirk hat inzwischen reagiert: Seit dem 1. Juni sind wieder Parkläufer unterwegs, außerdem stehen Ordnungsamt und Polizei in engem Austausch, um die Lage zu beobachten. Ziel: „Die Situation wieder in geordnete Bahnen bringen.“
Queer-Beauftragter: „Nicht skandalisieren“
Berlins Queer-Beauftragter Alfonso Pantisano mahnt dagegen auf Instagram unter dem Aufruf „Schwule aufgepasst!“ zur Ruhe. Cruising gehöre zur queeren Geschichte Berlins – und an den Kaulsdorfer Seen hätten nicht nur Männer Sex, sondern auch Paare und Frauen. Gleichzeitig betont er: Rücksichtslosigkeit geht nicht.

Sein Vorschlag: Mehr geschulte Parkläufer, queere Streetwork, klare Regeln gegen sichtbare sexuelle Handlungen, ausreichend Toiletten, Müllbehälter und Schutz vor queerfeindlicher Gewalt. Die Polizei solle Täter verfolgen – „nicht queere Lebensweisen unter Generalverdacht stellen“.
Die Kaulsdorfer Seen sind ein 93,7 Hektar großes Landschaftsschutzgebiet im Süden von Marzahn-Hellersdorf. Der Butzer See, der Habermannsee sowie der Kaulsdorfer Busch, ein abgezäuntes Waldgebiet, gehören dazu.
Queer-feindliche Angriffe in Friedrichshain
Der Streit um die Kaulsdorfer Seen steht in einer Reihe mit berichteten Angriffen auf schwule Männer im Volkspark Friedrichshain. Hier sollen Unbekannte gezielt Männern, die sich zum Sex treffen wollten, aufgelauert haben. Ein 45-jähriger Mann wurde bei dem Angriff im Gesicht verletzt. Die Polizei spricht von einem „scheinbar von einer Gruppe Jugendlicher oder Heranwachsender organisierten Angriff auf Besuchende des Cruising-Gebiets im Volkspark Friedrichshain“. Es könne „von einer mutmaßlichen queerfeindlichen Tatmotivation ausgegangen werden“.


