In vielen Wartezimmern bei Ärzten in Deutschland kann man vor allem eines antreffen: genervte Patienten! Sprechstunden sind oft vollkommen überlastet – und sogar all jene müssen warten, die eigentlich einen festen Termin haben. Beim Internetportal LinkedIn sorgt jetzt ein Foto aus einer Arztpraxis für Wirbel, in der auf besonders kreative Weise mit dem Problem umgegangen wird. Hier macht man Patienten mit Termin klar, dass sie sich bitte gedulden sollen. Und das auf sehr charmante Weise.
Auch ein Termin spart beim Arzt nicht die Wartezeit
Jeder hat es wohl schon einmal erlebt: Die Wartezimmer in den Arztpraxen sind voll – und auch ein Termin ist heute offenbar kein Garant mehr dafür, dass man rechtzeitig ins Behandlungszimmer gerufen wird. Das wird nun auch auf einem Schild deutlich, das beim Job- und Karriere-Netzwerk LinkedIn gepostet wurde. „Gesehen und für diskussionswürdig befunden“, schreibt der Kardiologe und Notfallmediziner, der es veröffentlichte, dazu. „Nein, es hängt nicht bei uns in der Praxis. An meine ärztlichen Kollegen, wer würde gerne mal so etwas im Wartezimmer aushängen?“
Das streitbare Schild ist ein Zettel, der die Regelungen für Termine klarmacht. „Liebe Patientinnen und Patienten“, heißt es dort, „ja, Sie haben einen Termin um 10:00 Uhr. Das bedeutet nicht, dass Sie auch um 10:00 Uhr drankommen.“ Im Gegenteil: Ein Termin um 10 Uhr bedeute in der Arztpraxis, „dass Sie ab 10:00 Uhr offiziell berechtigt sind, im Wartezimmer Platz zu nehmen.“

Wann ein Patient oder eine Patientin tatsächlich an die Reihe kommt, sei von anderen Faktoren abhängig. Die Entscheidung darüber trifft „der Patient vor Ihnen, der ,nur eine kurze Frage‘ hatte“ oder „die Technik“, „der Arzt“ und manchmal sogar „das Universum“. Der Zettel schließt mit den Worten „Bitte fragen Sie nicht, wie lange es noch dauert. Wenn wir das wüssten, würden wir an der Börse arbeiten. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Im Klartext: Ein Termin um 10 Uhr bedeutet nicht, dass man dann im Behandlungszimmer sitzt – sondern er ist das Ticket für das Wartezimmer.
Zettel aus dem Wartezimmer sorgt für viel Kritik
Der Zettel sorgt für eindeutige Reaktionen. „Ein Termin ist ein Termin“, schreibt ein Nutzer. Dass es durchaus zu Verzögerungen kommen kann, beispielsweise durch Notfälle, sei jedem Patienten klar. „Wenn Wartezeiten jedoch deutlich über 20 Minuten hinausgehen, liegt die Ursache häufig nicht in einzelnen Ausnahmefällen, sondern in der Organisation der Praxisabläufe.“ Arztpraxen seien enormen Belastungen ausgesetzt. „Das rechtfertigt jedoch keine derartige Kommunikation gegenüber allen Wartenden“, schreibt er weiter. „Auch Patienten und Patientinnen kämpfen täglich mit den Schwächen unseres Gesundheitssystems.“ Der Frust richte sich an die Falschen.

Ein anderer Kommentator schreibt: „Völliger Schwachsinn... Es ist wie überall, mit einer seriösen Planung muss kein Patient stundenlang warten, ich rede nicht von 10 Minuten. Meine Zeit hat doch auch einen Wert?“ Und einer schreibt: „Was wäre, wenn ein Arzt bei mir in der Kanzlei um 09:00 Uhr einen Termin hätte und dann zwei Stunden im Wartezimmer sitzen würde? Ich würde ihn davon abhalten, wichtige Behandlungstermine durchzuführen?“ Andere halten eine grobe zeitliche Orientierung für wichtig. „Ich denke schon, dass absehbar ist, ob es noch 3 Stunden oder 20 Minuten dauert oder wie viele Menschen noch vor mir warten“, schreibt eine Frau.
Nutzer berichten von eigenen Erfahrungen beim Arzt
Ein Nutzer kommentiert: „Würde ich als Patient nicht so akzeptieren. Wofür Termine machen, wenn Termine unverbindliche Empfehlungen sind? Wenn das Zeitmanagement in der Praxis so schlecht ist, sollte man hier vielleicht ein wenig daran arbeiten.“
Und einige berichten von eigenen Erfahrungen. „Das Frechste, was ich je erlebt habe, war ein Termin um acht. Es war der erste Termin und er hatte bereits 15 Minuten Verspätung. Da ist es kein Wunder, dass alle Folgetermine auch nicht eingehalten werden. Wieso gehört Unpünktlichkeit in dieser Branche zur Regel?“ Übrigens: Ob das Schild wirklich in einer Arztpraxis fotografiert wurde, ist unklar. Ein Nutzer vermutet hinter dem Bild einen KI-Streich.


