Ein gepflegtes Wohnviertel in Neukölln, eine vielbefahrene Straße in Kreuzberg und eine der am besten überwachten Gegenden mitten im Zentrum. Berliner kennen diese Ecken, sie fühlen sich vertraut an. Und doch haben sie eins gemeinsam: Es sind Orte, an denen Menschen spurlos verschwanden.
Sandra Wißmann: Das verschwundene Kind
Feierabendverkehr auf dem Kottbusser Damm. Autos rauschen vorbei, die Lichter spiegeln sich auf dem nassen Asphalt. Menschen sind auf dem Heimweg, ziehen ihre Jacken enger. Nur wenige Schritte entfernt fließt der Landwehrkanal durch die Stadt.
Am 28. November 2000 verabschiedet sich Sandra Wißmann (12) gegen 15 Uhr von ihrer Mutter. Ihr Ziel: Karstadt am Hermannplatz. Sie will ein Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter besorgen. Gegen 16.40 Uhr beobachtet ein Passant, wie sie in Richtung Kanal läuft. Es sind nur noch 300 Meter bis nach Hause. Doch Sandra kommt nie an.

Trotz über 160 Hinweisen und einer bundesweiten Fahndung bei „Aktenzeichen XY...“ bleibt der Fall ungelöst. Für die Polizei steht mittlerweile fest: Alles deutet darauf hin, dass sie Opfer eines Verbrechens wurde. Der Fall wird zum Cold Case und bleibt es bis heute. Es ist, als ob der Kotti die 12-Jährige verschluckt hätte.
Aleph Christian von Fellenberg Palma: Der verschollene Geschäftsmann
Es halten regelmäßig schwarze Limousinen, Koffer rollen über den Boden und Türen öffnen sich leise automatisch. Wer hier ein- und ausgeht, wirkt oft zielstrebig. Am Berliner Gendarmenmarkt, wo Touristen und Geschäftsleute zwischen Konzerthaus und Deutschem Dom flanieren, liegt das Hilton Hotel. Ein Ort, der eigentlich Sicherheit und Diskretion verspricht.

Aleph Christian von Fellenberg Palma (33), ein deutsch-chilenischer Unternehmer, reist Mitte April 2025 nach Berlin. Er wohnt im Hilton Hotel am Gendarmenmarkt. Am 20. April besucht er den Privatclub des Soho House Berlin, trifft sich mit einem Bekannten und kehrt dann gegen 18.30 Uhr in sein Hotel zurück. Am späten Abend gegen 22 Uhr, verlässt er das Hotel erneut. Es ist das letzte Mal, dass er gesehen wird.
Zwar gehen viele Hinweise ein, aber die Suche bleibt erfolglos. Ein Polizeihund findet im Tiergarten die Smartwatch des Vermissten. Viele Hinweise bringt sie jedoch nicht.

Während die Ermittlungen aktuell weiter laufen, bleibt für die Familie vor allem eines: quälende Ungewissheit. Mitten im Zentrum Berlins, überwacht von Kameras – und trotzdem verschwindet ein Mann spurlos.
Rebecca Reusch: Die vermisste Teenagerin
Gepflegte Vorgärten, saubere Einfamilienhäuser, Kinderkreide auf dem Asphalt. Wer durch die Straße nahe des Britzer Gartens läuft, würde kaum vermuten, dass genau hier einer der rätselhaftesten Kriminalfälle Deutschlands begann. Und doch: In einem dieser unscheinbaren Häuser verschwindet am 18. Februar 2019 ein junges Mädchen.

Rebecca Reusch (15) ist am Morgen des 18. Februar 2019 im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers. Die Schwester verlässt gegen 7 Uhr die Wohnung, die Teenagerin bleibt mit dem Schwager allein zurück. In der Schule kommt sie nie an, ein Lebenszeichen gibt es nicht mehr.
Schnell geraten die Ermittlungen in eine Richtung: Der Schwager, der als Letzter mit Rebecca allein war, steht im Fokus. Er wird zweimal festgenommen, aber beide Male wieder freigelassen, weil Beweise fehlen. Es gilt daher die Unschuldsvermutung. Bis heute laufen immer wieder Suchaktionen, aber ein Durchbruch bleibt aus. Ein Haus, eine Straße – und ein Rätsel, das bleibt.

Kotti, Britz und Gendarmenmarkt: Hier verlieren sich die Spuren von Rebecca Reusch, Sandra Wißmann und Aleph Christian von Fellenberg Palma. Eines haben alle Fälle gemeinsam: Keine Leiche, kein Geständnis, kein Beweis. Drei Fälle, drei Orte, ein Rätsel: Was geschah?



