Viele Zeugen wurden im Prozess um den Mord an Fabian (8) aus Güstrow schon gehört. Viele weitere werden noch vor Gericht vernommen, denn der Prozess wurde vom Gericht bereits von den ursprünglich geplanten 17 auf 27 Tage verlängert. Nur eine hat sich noch nicht geäußert: Gina H., die Hauptverdächtige in dem Mordfall. Sie schweigt beharrlich, hat zu den schweren Vorwürfen der Staatsanwaltschaft bisher nichts gesagt. Doch laut Berichten könnte sie ihr Schweigen bald brechen – und endlich auspacken über das, was sie zum Fall Fabian zu sagen hat.
Wann sagt Gina H. etwas zu den Vorwürfen im Fall Fabian?
An jedem Verhandlungstag sitzt Gina H. auf der Anklagebank im Landgericht Rostock, äußert sich nicht zu den heftigen Vorwürfen, sondern schweigt geduldig zu den Zeugenaussagen, die sie zu Teilen stark in Bedrängnis bringen.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, am 10. Oktober 2025 den damals acht Jahre alten Fabian aus Güstrow getötet zu haben. Sie soll ihn, so beschreibt es die Anklage, unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter in Güstrow gelockt haben. Anschließend soll sie mit dem Jungen zu einem Feld bei Klein Upahl gefahren sein.
Gina H. soll ihr Auto am Waldrand geparkt haben, dann mit dem Jungen zum Tümpel gelaufen sein. Die Ermittler glauben, dass sie Fabian dort mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers tötete. Anschließend soll sie den Tatort zunächst verlassen haben.
Die Ermittler glauben aber, dass Gina H. später zurückkehrte und die Leiche von Fabian mit Brandbeschleuniger anzündete, um Spuren zu vernichten. Zahlreiche Indizien untermauern die Theorie der Ermittler: DNA-Spuren von Fabian in ihrem Auto, Zeugenaussagen, Bewegungsdaten.

Nun klingt es aber plötzlich so, als werde Gina H. bald ihr Schweigen brechen. Gegenüber BILD sagte Thomas Löcker, der Anwalt von Gina H., dass sie sich gegen Ende des Verfahrens zu Wort melden wolle – dann, wenn bereits die meisten Zeugen gehört wurden. Das sei von Anfang an beabsichtigt gewesen. Sie werde sich äußern, werde aber mit Sicherheit nicht geständig sein, betont er. „Sie wird berichtigen oder gerade stellen, was man ihr da fälschlicherweise vorwirft.“
Fall Fabian: Für Gina H. ist nichts aussichtslos
Zudem betonte der Anwalt, dass Gina H. nicht „frohen Mutes“ durch das Verfahren gehe. „Es stimmt schon, dass es die Verteidigung schwer hat. Es gibt viele Dinge, die sie belasten, aber nichts ist aussichtslos“, sagte er. Was genau Gina H. also zur Aufklärung des Falles beitragen wird, wird voraussichtlich noch für Wochen unklar bleiben. Denn der Prozess soll sich Stand jetzt bis August oder September ziehen.

Viele warten allerdings darauf, dass sich die 30-Jährige endlich zu den Vorwürfen äußert. Prozessbeobachter, Angehörige von Fabian, aber auch Anwältin Christine Habetha, die Fabians Mutter Dorina L. vertritt. Sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.
Anwältin zu Gina H.: „Indizienschlinge zieht sich zusammen“
„Wenn diese Frau irgendwas sagen möchte, dann wäre es jetzt an der Zeit“, sagte sie gegenüber dem Blatt. „Die Indizienschlinge um ihren Hals zieht sich immer mehr zusammen.“
Bei der Verhandlung am Dienstag sollten weitere Gutachter gehört werden – unter anderem ein Experte für Trassologie, einem Fachbereich der Kriminalistik, der sich unter anderem mit Fußspuren und Reifenspuren an Tatorten auseinandersetzt.


