Der Prozess im Mord an Fabian aus Güstrow wird am Dienstag vor dem Landgericht in Rostock fortgesetzt. Wieder werden Zeugen gehört, die die Aufklärung des brisanten Kriminalfalles ein großes Stück voranbringen sollen. Und über allem schwebt eine Frage: Hat die Hauptverdächtige Gina H. (30) die Tat begangen oder nicht? Am Dienstag könnte es nun auch um entscheidende Spuren gehen: Geladen ist unter anderem ein Experte für das trassologische Spurenbild. Was hat das zu bedeuten – und warum sind die Spuren, die er analysiert, für den Fall so wichtig?
Fall Fabian aus Güstrow: War es wirklich Gina H.?
Dieser Fall bewegt ganz Deutschland – und jeder, der den Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow verfolgt, möchte wissen, ob Gina H. wirklich die Täterin ist. Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vor, den kleinen Fabian aus Güstrow am Rande eines Tümpels bei Klein Upahl mit mindestens sechs Messerstichen getötet zu haben. Anschließend soll sie seine Leiche verbrannt haben. Nur: War sie es wirklich? Bis zu einer Verurteilung gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung.
Am Dienstag kommt im Prozess um den Mord an Fabian nun auch ein Experte für das sogenannte trassologische Spurenbild zu Wort. Die Trassologie ist ein Teilgebiet der Kriminalistik, das sich mit der Sicherung, Analyse und Interpretation von Spuren beschäftigt, die durch Kontakte zwischen Objekten oder Personen entstehen. Der Begriff leitet sich vom französischen „trace“ (Spur) ab. Trassologische Untersuchungen umfassen beispielsweise Fuß- und Schuhabdrücke, Reifenspuren, Werkzeugmarken oder Abriebspuren an Tatorten.

Ziel der Trassologie ist es, aus diesen Spuren Rückschlüsse auf den Tathergang, die beteiligten Personen oder verwendete Gegenstände zu ziehen. Dazu werden Spuren gesichert, dokumentiert und mit Vergleichsmaterial analysiert. Moderne Methoden nutzen neben klassischen Gipsabdrücken auch digitale Vermessung und mikroskopische Verfahren. Die Trassologie spielt eine wichtige Rolle bei der Rekonstruktion von Straftaten, da Spuren oft objektive Hinweise liefern, die unabhängig von Zeugenaussagen sind. Sie trägt somit wesentlich zur Beweisführung im Ermittlungsverfahren bei und hilft, Täter zu identifizieren oder auszuschließen.
Diese Spuren könnten im Fall Fabian wichtig sein
Für den Mord an Fabian aus Güstrow dürften die trassologischen Spuren enorme Bedeutung haben. Denn Fußabdrücke rund um den Tümpel bei Klein Upahl könnten belegen, dass Gina H. und der kleine Fabian am Tatort waren – und womöglich auch zeigen, wie sich die beiden vor Ort bewegt haben.
Auch Reifenspuren vom Auto von Gina H. könnten gesichert worden sein und zeigen, dass sie mit ihrem Auto bis zu einem nahe gelegenen Wald fuhr, es dort abstellte und mit Fabian zum Tümpel lief. So zumindest schildert die Anklage im Fall Fabian aus Güstrow den Tathergang.

Reifenspuren und Fußabdrücke rund um den Tatort – es könnten Spuren sein, die Gina H. enorm in Bedrängnis bringen könnten und die unter Umständen stark zur Aufklärung des Falles beitragen. Bisher ist allerdings unklar, was für Spuren sichergestellt wurden und ob es den Ermittlern überhaupt gelungen ist, entsprechende Abdrücke zu sichern. Das wird der entsprechende Sachverständige erst vor Gericht schildern, wenn er im Prozess im Fall Fabian aus Güstrow am Dienstag seine Erkenntnisse schildert.
Fall Fabian: Diese Zeugen werden jetzt vernommen
Er ist nicht der einzige wichtige Zeuge, der am Dienstag am Landgericht Rostock vernommen wird. Laut Ankündigung des Gerichts ist ab 9.30 Uhr auch der Polizeibeamte geladen, der zuerst am Tatort war und weitere Aussagen zur Auffindesituation von Fabians Leiche machen wird. Außerdem wird ein Polizeibeamter gehört, der mit der Untersuchung des Tatortes betraut war. Und: Ein Polizist wird laut Ankündigung des Gerichts die 3D-Rekonstruktion des Tatorts erklären.


