Deutet sich jetzt eine krasse Wende im Prozess um den toten Fabian aus Güstrow an? Wenn es nach der Anwältin von Fabians Mutter Dorina L. geht, ist der größte Mordfall des Jahres längst gelöst! Mehrere Sachverständige sagten am letzten Verhandlungstag am Donnerstag aus, es ging unter anderem um Blut- und Faserspuren. Laut Christine Habetha, die als Anwältin der Nebenklage am Prozess teilnimmt, weisen die Spuren eindeutig auf eine Täterschaft der Angeklagten hin. Steht der Fall Fabian damit nun früher als gedacht vor dem Abschluss?
Prozess im Fall Fabian ist noch lange nicht abgeschlossen
Noch lange nicht, denn bisher ist im Fall Fabian nur ein Bruchteil der geplanten Verhandlungstage abgeschlossen. Insgesamt 17 Tage wurden nach der Erhebung der Anklage gegen Gina H. angesetzt, inzwischen hat das Gericht das Verfahren um weitere zehn Tage verlängert. Mehr als 60 Zeugen sollen gehört werden. Dennoch: Auch für Prozessbeobachter scheint sich in dem Verfahren ein immer klareres Bild zu ergeben. Für die Angeklagte Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Für Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina L., deutete der letzte Prozesstag eine entscheidende Wende an. „Das wichtigste am heutigen Prozesstag war zweifellos, dass auf wissenschaftlicher Ebene belegt werden konnte: Es gibt Spuren, die eindeutig auf eine Täterschaft der Angeklagten hinweisen, und das ganz deutlich“, sagte sie in einem Interview auf dem Youtube-Kanal „Jens fragt nach“. Bei dem „spärlichen Spurenaufkommen“ an der verbrannten Leiche des kleinen Fabian aus Güstrow sei es trotzdem möglich gewesen, Spuren zu entdecken.

Habetha spricht von einer Faserspur unter dem Daumennagel von Fabian – auch der KURIER hatte bereits darüber berichtet. Unter dem Nagel fanden die Ermittler eine Faser, die einem Pullover aus dem Haushalt von Gina H. zugeordnet werden konnte. „Das gleiche gilt für einen nicht verbrannten Teil des Bündchens am Ärmel des Kindes – ebenfalls eine Spur, die eindeutig identifiziert werden konnte.“ Diese gehöre zu einer Hose, die die Angeklagte Gina H. sogar am Tag der Tat getragen habe.
Anwältin sieht im Fall Fabian „eine eindeutige Wendung“
Für die Anwältin sei das „eine eindeutige Wendung“. Nachdem man sich zunächst sehr auf das Umfeld konzentriert und etwa das Auto von Gina H. in Augenschein genommen habe, sei man nun am Tatort und bei der eigentlichen Tat angekommen. Dort sei man auch fündig geworden.
Die Angeklagte selbst habe laut Habethas Beobachtung auf all das recht emotionslos reagiert – auch auf die Bilder der Leiche, die in der Verhandlung gezeigt wurden. Gina H. habe sich bemüht, die Bilder nicht anzuschauen. Laut der Anwältin könnte das ein Hinweis auf das Bemühen sein, sich nicht zu verraten. „Ich denke, das ist ein ganz zielgerichtetes, prozesstaktisches Verhalten.“

Im Prozess ging es unter anderem um die Faserspuren, die von den Ermittlern gefunden wurden, aber auch um Blutspuren. So wurden in dem Geländewagen von Gina H., der bereits Anfang November sichergestellt wurde, an drei Stellen Blutspuren entdeckt, eine davon soll von Gina H. selbst stammen. Besondere Rätsel gab den Ermittlern ein gefaltetes Stück Küchenrolle mit einem Blutfleck auf – er stammt von Fabian. Unklar ist, wie das Blut auf das Küchenpapier kam. Außerdem wurden zahlreiche DNA-Spuren von Fabian in dem Wagen sichergestellt, unter anderem im Fußraum des Autos.
Täterin im Fall Fabian: Das sagt die Anklage
Die Ermittler gehen davon aus, dass Gina H. den Jungen am 10. Oktober 2025 von der Wohnung seiner Mutter abholte und mit ihm zu einem Feld bei Klein Upahl fuhr. Dort soll sie mit ihm zu einem Tümpel gegangen sein, einer Schweinesuhle. Laut Anklage soll sie den Jungen dort mit mindestens sechs Messerstichen getötet haben. Anschließend habe sie, so die Staatsanwaltschaft, den Tatort verlassen.
Gina H. soll später aber zurückgekehrt sein und die Leiche des kleinen Fabian mit Brandbeschleuniger angezündet haben, um Spuren zu vernichten. Wie sich nun herausstellte, konnten dennoch Spuren gesichert werden, die entscheidend für den weiteren Verlauf des Verfahrens sein könnten. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.


