Private Einblicke

Fabian aus Güstrow: Nachrichten von Gina H. zeigen, was vor dem Mord geschah

Neue Chat- und Sprachnachrichten geben Einblicke in die Tage und Stunden vor dem Verschwinden von Fabian – und werfen neue Fragen auf.

Author - Florian Thalmann
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Im Oktober verschwand der kleine Fabian aus Güstrow, kurz danach wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden.
Im Oktober verschwand der kleine Fabian aus Güstrow, kurz danach wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden.Jens Büttner/dpa

Der Mord an Fabian aus Güstrow – wird er endlich aufgeklärt? Vor dem Landgericht Rostock wurde in dieser Woche wieder verhandelt, doch das Verfahren ist noch lange nicht beendet. Immer mehr Zeugen werden gehört, immer mehr Nachrichten von Gina H. enthüllt. Denn die Sprach- und Chatnachrichten, die sie und Fabians Vater Matthias R. sich schickten, sind in dem Verfahren wichtige Beweismittel. Besonders gruselig: Vor Gericht wurden Nachrichten verlesen, die kurz vor dem Tag von Fabians Verschwinden verschickt wurden.

Mord an Fabian aus Güstrow: Welches Motiv hätte Gina H.?

Bei vielen Fragen, die im Mordfall Fabian noch geklärt werden müssen, taucht auch eine immer wieder auf: Was für ein Motiv hätte Gina H. für den Mord an dem kleinen Jungen gehabt? Die Staatsanwaltschaft hat eine Version gefunden – das geht aus der Anklage hervor.  

Die Ermittler glauben, dass das Ende der Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. die Tat auslöste. Denn Gina H. und er hatten sich getrennt, wodurch sich der Kontakt zwischen Matthias R. und seinem Sohn Fabian verstärkte. R. soll ihr deshalb mitgeteilt haben, dass er die Beziehung nicht wieder aufnehmen will, um die neue Verbindung zu seinem kleinen Sohn nicht aufs Spiel zu setzen.

Die Ermittler sind sicher, dass Gina H. den acht Jahre alten Fabian deshalb mit einem Messer erstach. „Sie handelte ziel- und zweckgerichtet, um durch die Tötung einen Streitpunkt mit Matthias R. zu begraben und diesen wieder für sich gewinnen zu können“, heißt es in der Anklageschrift. „Dabei vernichtete sie bedenkenlos das Leben des 8-jährigen Kindes für die vage Hoffnung auf Wiederaufnahme einer für sie auch monetär vorteilhaften Beziehung.“ Ob die Version wirklich stimmt, ist unklar, denn für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Die 30 Jahre alte Gina H. sitzt im Verhandlugnssaal des Landgericht Rostock. Sie soll laut Staatsanwaltschaft den kleinen Fabian aus Güstrow getötet haben.
Die 30 Jahre alte Gina H. sitzt im Verhandlugnssaal des Landgericht Rostock. Sie soll laut Staatsanwaltschaft den kleinen Fabian aus Güstrow getötet haben.Helmut Reuter/dpa

Im Prozess im Fall Fabian aus Güstrow werden immer wieder auch Sprachnachrichten vorgespielt und Chatnachrichten verlesen, die Aufschluss über die Beziehung zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R. geben. Besonders jene Nachrichten, die kurz vor dem Tag von Fabians Verschwinden verschickt wurden, sind spannend.

In Berichten aus dem Gerichtsverfahren wurden die Nachrichten umfangreich dokumentiert. Zwei Tage vor Fabians Verschwinden – am 8. Oktober 2025 – ging es in Nachrichten etwa um ein mögliches Treffen zwischen Gina H. und Matthias R.

Das passierte zwei Tage vor dem Mord an Fabian

Am Nachmittag soll sie ihm eine Sprachnachricht geschickt haben, aus der deutlich wird, dass sie ihn offenbar nach einem Treffen gefragt hatte. „Wenn ich mich nicht mit dir treffen wollen würde, würde ich dich ja nicht fragen“, soll sie dort gesagt haben. „Es geht auch nicht darum, dass wir in der Kiste landen. Einfach reden. Und nicht streiten. Und inwieweit Kompromisse aussehen, wie auch immer.“

Laut Berichten kam es dann tatsächlich zu einem Treffen, das aber nicht verlief wie vermutlich geplant. In einer weiteren Sprachnachricht soll Gina H. weinend gesagt haben, sie habe Matthias R. weggeschickt, weil ihr die Gespräche weh getan hätten.

„Woher sollte ich wissen, dass du mir noch was sagen wolltest? Ich habe dich weggeschickt, weil es mir gerade wehtat“, sagte sie laut Berichten. „Ich hätte einfach von dir in den Arm genommen werden wollen, oder vielleicht auch mit dir schlafen wollen oder vielleicht einfach nur von dir geküsst werden.“ Doch sie habe gemerkt, dass er nur negative Punkte hervorgeholt habe – „immer und immer wieder“.

Vater von Fabian: „Was soll ich denn noch verlieren?“

Auch am Tag danach verschickte sie Nachrichten, dieses Mal an einen Freund. „Ich muss jetzt einen Weg für die Zukunft finden, eine Entscheidung treffen – eigentlich ist sie ja schon getroffen.“

Am Abend dann: Eine Nachricht von Matthias R. Er sagt, dass sich Treffen der beiden am Wochenende zuvor richtig angefühlt hätten. „Sonntag, dieses Kuscheln, dieses Reden, dieses einfach füreinander Dasein. Dieses Reden, ohne dass jemand gleich böse ist, ich fand das wirklich wunderschön“, sagte er laut Berichten.

Die Leiche von Fabian aus Güstrow wurde am Rand eines Tümpels bei Klein Upahl entdeckt.
Die Leiche von Fabian aus Güstrow wurde am Rand eines Tümpels bei Klein Upahl entdeckt.Bernd Wüstneck/dpa

Gina H. hingegen habe ihm gesagt: „Ich hasse dich, ich bin so wütend. Du sagst, dass ich so toll bin und auf der anderen Seite willst du mich nicht. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und viel Spaß.“

Am gleichen Abend soll Matthias R. ihr geantwortet haben: „Dich habe ich schon verloren. Was soll ich denn noch verlieren?“ Um 21.09 Uhr am Abend des 9. Oktober – es war der Abend vor Fabians Verschwinden – soll Gina H. Fabians Vater laut Berichten aus dem Gericht dann blockiert haben.

Gina H. kaufte sich im Internet ein Testament

Verdächtig auch: Am gleichen Abend – knapp eine halbe Stunde nachdem sie ihn blockierte – kaufte Gina H. auf einer Website für 15 Euro eine Vorlage für ein Testament. Einen halben Tag später wurde Fabian getötet. Die genaue Zeit ist momentan unklar – laut Anklage verstarb der Junge „zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr infolge der Handlungen der Angeklagten“, heißt es.

Auch diese Handlungen werden beschrieben: „Plötzlich und für Fabian L. unerwartet, zog die Angeklagte ein mitgeführtes Messer mit einer Klingenlänge von mindestens 10 cm und einer Klingenbreite von mindestens 1,5 cm und stach mit diesem […] mindestens sechs Mal auf den Brust- und Oberkörperbereich des Fabian ein.“ Fabian habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!