Im Greifswalder Bodden

Sie gehörte der DDR: Künstliche NVA-Insel vor Rügen wird versteigert

Am 4. Juni wird für eine marode Militärplattform der DDR-Volksmarine im Greifswalder Bodden ein Käufer gesucht. Startgebot: 39.000 Euro.

Author - Stefan Henseke
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Nur Kormorane und Möwen wohnen hier zurzeit: das künstliche Eiland Ostervilm, einst von der DDR-Volksmarine gebaut.
Nur Kormorane und Möwen wohnen hier zurzeit: das künstliche Eiland Ostervilm, einst von der DDR-Volksmarine gebaut.Depositphotos/imago

Dieses Inselchen ist gerade mal 700 Quadratmeter groß und steht auf rund 600 Pfählen mitten im Greifswalder Bodden – zwischen der Insel Vilm und Neu Reddevitz auf Rügen. Ostervilm. Zu DDR-Zeiten geheimnisumwittert und im Besitz der Nationalen Volksarmee (NVA) wird diese Immobilie jetzt am 4. Juni versteigert.

Marinestation sollte DDR-Schiffe sicherer vor Torpedoangriffen machen

Ostervilm ist so klein, dass man das künstliche Eiland kaum auf Landkarten findet. Die Geo-Koordinaten sind: 54.32535, 13.58942. Nur Soldaten der Volksmarine durften zu DDR-Zeiten die Station „Lauterbach“, wie sie damals hieß, betreten. Erbaut 1954 als sogenannte Entmagnetisierungsstation.

Über am Meeresboden verlegte Gleichstrom-Kabelschleifen wurde die magnetische Signatur von Schiffen der DDR-Volksmarine gemessen und verringert – um diese für Magnetminen unempfindlicher und für Torpedos mit Magnetzünder unsichtbarer zu machen.

Für die Betonrahmenplattform mit Eisenplattenverschalung und Holzbohlenbeplankung wurden 600 Holzpfähle in das hier zehn Meter tiefe Boddengewässer gerammt. Auf der künstlichen Insel gab es ein Wohnhaus und ein Maschinenhaus – spartanisch, aber funktional, wie das Auktionshaus mitteilt. Nutzfläche: rund 250 Quadratmeter.

Der bauliche Zustand ist durch Natur, Vogelkot und Vandalismus  marode. Es gibt Setzungsrisse, Stahlteile sind verrostet, die Fenster zerstört. Algen wachsen an den Mauern empor.

Die Bundesmarine hatte nach 1990 keine Verwendung für die ehemalige NVA-Station. Seevögel übernahmen das Kommando.

Heute nur noch ein Lost Place: Ostervilm wird am 4. Juni versteigert. Auf der Betonplattform im Greifswalder Bodden sieht man einen alten Campinganhänger und eine Glockenskulptur.
Heute nur noch ein Lost Place: Ostervilm wird am 4. Juni versteigert. Auf der Betonplattform im Greifswalder Bodden sieht man einen alten Campinganhänger und eine Glockenskulptur.Norddeutsche Grundstücksauktionen AG

Zwischenzeitlich kamen immer wieder Käufer und Interessenten, die die künstliche Insel reaktivieren wollten. Die Ideen waren wild: Mal sollte ein Spielcasino auf hoher See entstehen, mal ein Bordell. Es gab Pläne für einen Erlebnis-Stützpunkt für Angler, eine Gaststätte für Wassersportler oder eine Teststation für Windkraftanlagen.

Anfang der 2000er kaufen Künstler die Immobilie und tauften sie in Ostervilm um. Der Komplex sollte zu einem Treffpunkt und Arbeitsort für Künstler werden. Doch auch die Pläne scheiterten. Zu teuer, zu kompliziert der Transport von Baumaterialien.

Versteigerung startet am 4. Juni. Mindestgebot: 39.000 Euro

Zurückgeblieben ist eine von den Künstlern frei aufgestellte Skulptur von Gerhard Benz – eine 1,3 Tonnen schwere Glocke. Und ein Campinganhänger, der seit Jahren vor sich hinrottet.

Das Objekt wird am 4. Juni im Haus der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg versteigert. Startgebot: 39.000 Euro. Aber: Aufgrund des maroden Zustands ist vorab keine Besichtigung möglich, teilt das Auktionshaus mit. Erreichbar ist die Plattform natürlich nur per Boot.

Immerhin: Eine spätere Nutzung ist abgesichert – und nicht teuer. Für die Nutzung der Land- und Wasserfläche von 710 Quadratmetern  besteht ein Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund. Kosten pro Jahr: 75 Euro. Wenn man sich denn mit den momentanen Bewohnern einigen kann – einer größeren Gruppe von Kormoranen.

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