Dieses Inselchen ist gerade mal 700 Quadratmeter groß und steht auf rund 600 Pfählen mitten im Greifswalder Bodden – zwischen der Insel Vilm und Neu Reddevitz auf Rügen. Ostervilm. Zu DDR-Zeiten geheimnisumwittert und im Besitz der Nationalen Volksarmee (NVA) wird diese Immobilie jetzt am 4. Juni versteigert.
Marinestation sollte DDR-Schiffe sicherer vor Torpedoangriffen machen
Ostervilm ist so klein, dass man das künstliche Eiland kaum auf Landkarten findet. Die Geo-Koordinaten sind: 54.32535, 13.58942. Nur Soldaten der Volksmarine durften zu DDR-Zeiten die Station „Lauterbach“, wie sie damals hieß, betreten. Erbaut 1954 als sogenannte Entmagnetisierungsstation.
Über am Meeresboden verlegte Gleichstrom-Kabelschleifen wurde die magnetische Signatur von Schiffen der DDR-Volksmarine gemessen und verringert – um diese für Magnetminen unempfindlicher und für Torpedos mit Magnetzünder unsichtbarer zu machen.
Für die Betonrahmenplattform mit Eisenplattenverschalung und Holzbohlenbeplankung wurden 600 Holzpfähle in das hier zehn Meter tiefe Boddengewässer gerammt. Auf der künstlichen Insel gab es ein Wohnhaus und ein Maschinenhaus – spartanisch, aber funktional, wie das Auktionshaus mitteilt. Nutzfläche: rund 250 Quadratmeter.
Der bauliche Zustand ist durch Natur, Vogelkot und Vandalismus marode. Es gibt Setzungsrisse, Stahlteile sind verrostet, die Fenster zerstört. Algen wachsen an den Mauern empor.
Die Bundesmarine hatte nach 1990 keine Verwendung für die ehemalige NVA-Station. Seevögel übernahmen das Kommando.

Zwischenzeitlich kamen immer wieder Käufer und Interessenten, die die künstliche Insel reaktivieren wollten. Die Ideen waren wild: Mal sollte ein Spielcasino auf hoher See entstehen, mal ein Bordell. Es gab Pläne für einen Erlebnis-Stützpunkt für Angler, eine Gaststätte für Wassersportler oder eine Teststation für Windkraftanlagen.
Anfang der 2000er kaufen Künstler die Immobilie und tauften sie in Ostervilm um. Der Komplex sollte zu einem Treffpunkt und Arbeitsort für Künstler werden. Doch auch die Pläne scheiterten. Zu teuer, zu kompliziert der Transport von Baumaterialien.
Versteigerung startet am 4. Juni. Mindestgebot: 39.000 Euro
Zurückgeblieben ist eine von den Künstlern frei aufgestellte Skulptur von Gerhard Benz – eine 1,3 Tonnen schwere Glocke. Und ein Campinganhänger, der seit Jahren vor sich hinrottet.
Das Objekt wird am 4. Juni im Haus der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg versteigert. Startgebot: 39.000 Euro. Aber: Aufgrund des maroden Zustands ist vorab keine Besichtigung möglich, teilt das Auktionshaus mit. Erreichbar ist die Plattform natürlich nur per Boot.




