Wer an Bord der „MS Völkerfreundschaft" durfte, hatte das große Los gezogen. Jetzt endet die Geschichte des einst stolzen DDR-Schiffes in einer Recycling-Werft im belgischen Gent. Stück für Stück wird es zerlegt, 12.000 Tonnen Material werden aus ihm herausgeholt. Und mit ihm verschwindet ein Stück DDR-Geschichte.
Das Traumschiff der DDR
Die „MS Völkerfreundschaft" war mehr als ein Kreuzfahrtschiff. Sie war der Beweis, dass auch die DDR seinen Bürgern Luxus bieten konnte. Ein Außen- und ein Innenschwimmbad, ein Frisiersalon, ein Veranda-Café mit großer Tanzfläche, ein Kinosaal für 180 Besucher. Wer an Bord kam, ließ den Alltag hinter sich.
Plätze auf dem Schiff waren oft eine Belohnung für treue Arbeiter oder verdiente Parteiveteranen. Rund 280.000 DDR-Bürger erlebten so eine Seereise. Das Ziel: das Schwarze Meer, manchmal sogar Athen.

Dabei war das Schiff gar kein Kind der DDR. Gebaut in Göteborg, trug es zunächst den Namen „Stockholm" und fuhr zwischen Skandinavien und Nordamerika. 1956 wurde es weltbekannt durch eine Kollision im dichten Nebel mit dem italienischen Luxusliner „Andrea Doria", der daraufhin sank. 51 Menschen starben.
Die DDR kaufte die „Stockholm" 1959 für rund 20 Millionen schwedische Kronen und taufte sie um. 1960 stach die „MS Völkerfreundschaft" ins Meer, 25 Jahre lang betrieben vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund.

Dieter Schumann war 1973 als junger Matrose dabei. „Das war mal ein richtig stolzes Schiff", sagt er heute. „Und jetzt ist es ein Haufen Schrott." Er erinnert sich an Fernsehkapitän Gerd Peters, der das Kommando auf der „Völkerfreundschaft" hatte und einem Millionenpublikum in der DDR bekannt war. Eines Abends legte Schumann als spontaner DJ auf, spielte James Last und bald tanzte auch Peters durch den Saal.

1985 verkaufte die DDR das Schiff und ersetzte es durch die modernere „Arkona". Unter wechselnden Namen und Eigentümern fuhr es weiter, zuletzt als „Astoria" unter portugiesischer Flagge, bis es fahruntauglich wurde. Als das am längsten im Dienst befindliche Transatlantikschiff der Welt endete seine Geschichte nun still in einer belgischen Werft.
