In Marzahn-Hellersdorf spitzt sich die Lage an den Schulen offenbar dramatisch zu. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die dem KURIER vorliegt. Der Berliner Lehrerverband VBE warnt hier vor massiven Problemen im Unterricht und zeichnet ein alarmierendes Bild: An manchen Grundschulen stehen nach Angaben der Mitglieder nur wenige voll ausgebildete Lehrer vor den Klassen. Ein Großteil des Unterrichts wird von Quereinsteigern, Referendaren oder sogar Studenten übernommen.
Kaum noch ausgebildete Lehrer
Besonders brisant: Laut VBE gibt es Schulen, an denen von rund 40 Lehrkräften nur fünf eine vollständige Ausbildung haben. Diese müssen nicht nur selbst unterrichten, sondern gleichzeitig ihre weniger erfahrenen Kollegen anleiten und betreuen. Für die Schüler kann das spürbare Folgen haben – ein stabiler, qualitativ hochwertiger Unterricht ist unter solchen Bedingungen schwer zu gewährleisten.

Auch für angehende Lehrer ist die Situation schwierig. Studenten stehen teilweise schon mit vielen Stunden im Klassenzimmer, während ihr eigenes Studium darunter leidet. Die Unterstützung vor Ort reicht nach Angaben des Verbands oft nicht aus.
Personalmangel trifft Marzahn-Hellersdorf hart
Hinzu kommt: Wichtige Unterstützungsstrukturen sind überlastet oder schlecht erreichbar. Das Bildungs- und Beratungszentrum (BliQ), das eigentlich helfen soll, liegt am anderen Ende der Stadt und ist wegen schlechter Verkehrsanbindung nur schwer zu erreichen. Gleichzeitig arbeitet das zuständige Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Beratungs- und Unterstützungszentrum (SIBUZ) laut Verband „am Rande des Machbaren“.

Auch das Jugendamt steht massiv unter Druck und ist personell unterbesetzt. Gerade in einem Bezirk wie Marzahn-Hellersdorf, der mit zahlreichen sozialen Problemen zu kämpfen hat, verschärft das die Situation an den Schulen zusätzlich. Viele Schwierigkeiten aus dem Alltag der Familien spiegeln sich direkt im Unterricht wider.
Der Fachkräftemangel trifft den Bezirk besonders stark. Unattraktive Standorte geraten zuerst ins Hintertreffen und genau das scheint hier zu passieren. Immer wieder verlassen Lehrer den Bezirk, weil sie im Umland bessere Bedingungen vorfinden.
Lehrer wandern ab – Verband fordert mehr Hilfe
Besonders kritisch sehen die Lehrervertreter, dass viele Pädagogen in Richtung Brandenburg abwandern. Dort locken oft bessere Arbeitsbedingungen und eine entspanntere Wohnsituation. Für Marzahn-Hellersdorf bedeutet das: noch weniger Personal in ohnehin angespannten Schulen.
Gleichzeitig zieht sich die Einstellung neuer Kräfte oft sehr lange hin. Offene Stellen bleiben unbesetzt, während der Druck auf die vorhandenen Lehrer weiter steigt. Der VBE kritisiert deshalb: „Es reicht nicht, allein mehr Lehrkräfte zu fordern, wenn auch das Jugendamt und das SIBUZ völlig überlastet und unterausgestattet sind.“

Der Verband fordert stattdessen gezielte Unterstützung für den gesamten Bezirk – vor allem für Familien mit schwierigen Lebenssituationen.
Der Vorwurf ist deutlich: Marzahn-Hellersdorf wird von der Politik zu wenig beachtet. Während andere Bezirke wie Neukölln oder Kreuzberg regelmäßig im Fokus stehen, würden die Probleme im Osten Berlins zu oft übersehen.


