Tag der Handschrift

Immer mehr Schüler verlernen das Schreiben mit der Hand

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes warnt vor dramatischen Folgen und erklärt, warum Kinder kaum noch handschriftlich schreiben.

Author - Tobias Esters
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Schreiben mit der Hand fällt vielen Kindern zunehmend schwer.
Schreiben mit der Hand fällt vielen Kindern zunehmend schwer.Funke Foto/Imago

Viele Kinder können kaum noch sauber schreiben. Buchstaben krakeln über das Blatt. Klassische Schreibschrift kennen manche nur noch vom Hörensagen. Zum Tag der Handschrift am 23. Januar schlägt Stefan Düll, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im KURIER Alarm.

Darum verliert die Handschrift im Alltag an Bedeutung

Er sagt: „Es wird immer schwieriger, die Bedeutung einer guten Handschrift zu vermitteln.“ Den Grund dafür benennt Düll klar: „Weil man sie in der außerschulischen Welt nicht mehr so benötigt.“

Der Alltag der Schüler ist digital. Getippt wird überall. Geschrieben kaum noch. Düll beschreibt es so: „Heute wird getippt auf dem Handy oder auf einer Tastatur. Oder ich spreche sogar mit meinem Computer und der tippt dann für mich.“

Was bequem klingt, hat Folgen. Und die treffen Kinder direkt. „Das ist leider Gottes das Problem, dass die jungen Leute, wenn sie die Handschrift nicht wirklich ernst nehmen, dann auch andere Fähigkeiten quasi verlieren, was die Feinmotorik angeht“, warnt Düll.

Dabei geht es um mehr als schöne Buchstaben. Auch das Lernen selbst leidet. „Das Lernen wird eigentlich dadurch auch gefördert, dass ich Texte handschriftlich niederschreibe.“ Beim Schreiben mit der Hand arbeitet das Gehirn mit. „Da tut sich was im Gehirn, wenn ich mit den Händen etwas arbeite.“

Stefan Düll (62), Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, warnt vor dem Verlust der Handschrift.
Stefan Düll (62), Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, warnt vor dem Verlust der Handschrift.Andreas Gebert

Früher war Schreiben mit der Hand selbstverständlich. Heute ist es fast verschwunden. „Früher haben sie Postkarten geschrieben.“ Briefe an Oma und Opa gehörten zum Alltag. Selbst Düll greift nur noch selten zum Stift. „Kondolenzkarten schreibe ich mit der Hand und Geburtstagsglückwünsche.“

Schreibschrift auf dem Rückzug

Besonders die klassische Schreibschrift verschwindet immer mehr. „Die kursive Schrift, also das Verschleifen der Buchstaben miteinander, ist ohnehin schon ziemlich auf dem Rückzug gewesen.“ Druckbuchstaben stehen hoch im Kurs.

Handschrift vor dem Aus

Düll warnt sogar davor, dass die Handschrift irgendwann ganz verschwinden könnte. „Vom Prinzip her könnte das passieren. Weil ich sie ja nicht mehr zwangsweise brauche.“ Trotzdem plädiert er für einen klaren Weg. „Ich denke schon, dass es vernünftig ist, weiterhin mit dem handschriftlichen Schreiben loszulegen und dann irgendwann zum Tippen überzugehen.“

Sein Appell ist eindeutig. „Ich denke, dass es eine wunderbare Kulturtechnik ist, die man einigermaßen pflegen sollte.“ Und das gelte nicht nur für Schüler. „Man sollte als Erwachsener ab und zu mal versuchen, in seine Handschrift reinzugehen.“ Denn, sagt Düll: „Das ist richtig entspannend.“

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