Alarmstufe Deutsch

Zehn Wörter, die Schüler heute nicht mehr kennen

Begriffe wie Eitelkeit, Sprössling oder Augenweide gelten nicht mehr als selbstverständlich und müssen in Deutschbüchern erklärt werden.

Author - Tobias Esters
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Unterricht in einer 9. Klasse: Selbst einfache Begriffe bereiten vielen Schülerinnen und Schülern heute Verständnisprobleme.
Unterricht in einer 9. Klasse: Selbst einfache Begriffe bereiten vielen Schülerinnen und Schülern heute Verständnisprobleme.Michael Gottschalk/photothek.net

Antizipieren, Eitelkeit, Schabernack – Begriffe, die früher als selbstverständlich galten, müssen heute in Deutschbüchern der 9. Klasse erklärt werden. Das zeigen aktuelle Schulmaterialien und die Erfahrungen einer Berliner Gymnasiallehrerin. Wir haben zehn Begriffe gesammelt, die heute für viele Schülerinnen und Schüler erklärungsbedürftig sind.

Sorge um den Wortschatz

Gabriela Kasigkeit stand 43 Jahre lang im Klassenzimmer, unterrichtete Deutsch, Englisch und Psychologie und lehrte bis November 2024 am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium in Berlin-Pankow. In dieser Zeit beobachtete sie eine Entwicklung, die ihr Sorge bereitet. Der Wortschatz vieler Schülerinnen und Schüler wird kleiner, selbst an Gymnasien.

„Ich habe mir ein Deutschbuch der 9. Klasse aufgeschlagen“, sagt Kasigkeit. „Und sehe dort Wörter erklärt, bei denen ich früher nie auf die Idee gekommen wäre, dass man sie erklären muss.“

Diese 10 Wörter bereiten den Schülern heutzutage Probleme
  • Antizipieren
    Etwas vorausahnen, Vermutungen anstellen – eine zentrale Lesestrategie.
  • Eitelkeit
    Übertriebene Selbstbezogenheit oder Selbstgefälligkeit.
  • Überschwappen
    Sich über einen Rand hinaus ausbreiten – etwa bei Goethes „Zauberlehrling“.
  • Augenweide
    Etwas besonders Schönes, das man gern betrachtet.
  • Schabernack
    Harmloser Unfug oder Streich.
  • Plädieren
    Sich deutlich für etwas einsetzen oder dafürsprechen.
  • Sprössling
    Scherzhaftes Wort für Kind oder Nachwuchs.
  • Parasit
    Ein Lebewesen, das auf Kosten anderer lebt – im Buch zusätzlich als „Schmarotzer“ erklärt.
  • Partikelchen
    Sehr kleines Teilchen; Verkleinerungsform von „Partikel“.
  • Dorade
    Ein Speisefisch – auch dieses Wort wird im Schulbuch erläutert.
Gabriela Kasigkeit macht sich Sorgen um die Zukunft der deutschen Sprache.
Gabriela Kasigkeit macht sich Sorgen um die Zukunft der deutschen Sprache.Amin Akhtar/DPhV

Kasigkeit beobachtet, dass im Alltag immer nachlässiger mit Sprache umgegangen wird. „Man gönnt sich die Kontrolle und die Gewissenhaftigkeit nicht mehr“, sagt sie. Fehler würden hingenommen – in den Medien, in der Werbung, überall. „Man nimmt sich die Zeit nicht.“

Das habe Folgen für den Wortschatz. Viele Begriffe verschwänden schlicht aus dem Sprachgebrauch der Schülerinnen und Schüler. „Wenn wir nicht aufpassen, stumpft Sprache ab“, warnt Kasigkeit.

Metaphern werden nicht mehr verstanden

Besonders deutlich werde das bei bildhaften Ausdrücken. „Metaphern fallen vielen schon schwer“, sagt sie. Wörter wie „Augenweide“ oder Wendungen wie der „Fluss des Lebens“ würden oft nicht mehr verstanden.

Problematisch sei aus ihrer Sicht, wenn Texte deshalb immer weiter vereinfacht würden. Gerade am Gymnasium dürfe man davor nicht kapitulieren. „Man darf Schülerinnen und Schüler nicht alleinlassen – aber man darf Texte auch nicht verflachen“, sagt Kasigkeit. Sprache sei kein Selbstläufer. Man müsse sich um sie kümmern.

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