Goethe und Schiller sind den Schülern zu schwer. Was früher undenkbar war, ist heute Realität. Selbst am Gymnasium haben viele Schülerinnen und Schüler große Probleme mit klassischen Texten. Wortschatz, Satzbau und Textverständnis reichen oft nicht mehr aus. Wörter, die früher selbstverständlich waren, müssen heute erklärt werden. Ganze Seiten bleiben unverstanden.
Klassiker kommen nur noch vereinfacht
Lehrer berichten von einem deutlichen Leistungsabfall – auch an Schulen, die eigentlich für ein höheres Niveau stehen. Klassiker werden deshalb zunehmend vereinfacht. Und das nicht mehr nur an Haupt- oder Gesamtschulen. Immer öfter greifen auch am Gymnasium Lehrkräfte zu sogenannten didaktisch aufbereiteten Fassungen.

Das bestätigt auch der Schulbuchverlag Cornelsen gegenüber dem Berliner KURIER. Dort beobachtet man, dass didaktisierte Ausgaben klassischer Werke zunehmend nachgefragt werden – auch von Gymnasiallehrkräften. Besonders gefragt seien Titel wie „Faust“, „Wilhelm Tell“, „Romeo und Julia“ oder „Kleider machen Leute“.
Was hinter den didaktisierten Klassikern steckt
Die Reihe „Einfach klassisch“, die es seit 2003 gibt und zuletzt überarbeitet wurde, sei ursprünglich für die mittleren Schulformen entwickelt worden. Inzwischen arbeiteten jedoch auch immer mehr Lehrkräfte an Gymnasien damit. Ob ein Titel für eine gymnasiale Lerngruppe geeignet sei, entschieden die Lehrer individuell, heißt es aus dem Verlag.
Didaktisierte Ausgaben basieren auf dem Originaltext. Sie werden behutsam sprachlich angepasst, vorsichtig gekürzt oder kommentiert, um den Zugang zu erleichtern. Ergänzt werden sie durch Worterklärungen, Abbildungen, Aufgaben und inzwischen auch durch Hörfassungen. Ziel sei es, Leselust zu fördern und Hürden abzubauen.


