In Berlins ältester Bäckerei Siebert stehen die ersten Bäcker schon um Mitternacht auf. Lange bevor die Kunden sich um 6.15 Uhr in die Schlange in der Schönfließer Straße in Prenzlauer Berg reihen. Seit 120 Jahren werden hier täglich warme, duftende Ost-Schrippen, Brote und Kuchen verkauft. Das Traditionsunternehmen in Familienhand feiert – mit einer ungewöhnlichen Aktion!
Bäcker-Handwerk mit Tradition in Pankow
„Am 10. Juni starten wir bei uns in der Bäckerei mit einem kleinen Auftakt“, erzählt Dr. Anke Siebert. Schon als kleines Mädchen half die Wirtschafts- und Umweltwissenschaftlerin in den Schulferien in der Backstube der Eltern mit. Seit 2021 leitet sie die Pankower Bäckerei in fünfter Generation. Ihr Ur-Ur-Opa Gustav schob zur Kaiserzeit als erster Schrippen in den Ofen. Er wäre stolz wie Bolle, wenn er sähe, wie am Mittwoch gefeiert wird:
„Es wird Pfannkuchen wie früher geben, echte Berliner Bäckereigeschichte, Handwerk zum Anfassen und einen kleinen Einblick in unseren Betrieb“, so Anke Siebert. Und einen glücklichen Gewinner erwarten sogar lebenslang Siebert-Backwaren.
Flotte Sprüche seit der Kaiserzeit

Als die Kunden in der Schlange am Tag vor dem großen Event nach den Feierlichkeiten fragen, bekommen sie einen schnodderigen Spruch von einer der Verkäuferinnen: „Wir feiern mit Sekt und Kaviar, aber den Kaviar bringen se privat mit, ja?“
Der Ton in der Bäckerei ist locker: „Morjen, wer is dranne?“, heißt es an die Vorrückenden gerichtet. „Zwei Hack, ein Eibrötchen“, bestellt der Polizist in voller Montur, das Publikum in der Schlange bei Sieberts ist bunt gemischt. Längst steht die Handwerksbäckerei in Berlin- Reiseführern, man spricht hinterm Tresen auch Englisch, of course.
Spitzendeckchen im Schaufenster wie in alten Zeiten
Doch wie zu Opa Gustavs Zeiten liegen die weißen Spitzendecken auf den Regalen im Fenster. Die Rumkugeln, Nugathappen, Streuselkuchen und Pfannkuchen – alles hier ist nach alten Rezepten handgemacht.

Und doch geht die neue Geschäftsführerin auch mit der Zeit. Auf den Vasen auf den Tischen klebt ein QR-Code, der direkt zum Instagram-Auftritt der Bäckerei führt.
Online werden dann die Sauerteigbrote, die es bei Sieberts schon immer gab, neu gehypt. Auch die DDR-Schrippen, die eigentlich Kaiser-Brötchen heißen müssten, finden immer wieder neue Fans. Das Geheimnis der Ost-Schrippe?
Das ist das Geheimnis der Ost-Schrippe

„Seit Beginn haben wir nichts am Rezept verändert“, sagt Anke Siebert. In der DDR sei das alte Rezept aus der Kaiserzeit quasi konserviert worden, weil, anders als im Westen, die Industrialisierung im Bäckerhandwerk nicht so zum Tragen kam. „Nach der Wende kamen dann die Vertreter zu uns nach Prenzlauer Berg und wollten Backmischungen an den Mann bringen. Mein Vater winkte immer ab.“ Mehl, Wasser, Salz und Hefe, sonst kommt nichts in die Brötchen, seit 120 Jahren.

Eng war es damals, eng ist es heute in der Backstube. Über zehn Bäcker arbeiten heute bei Siebert im Schichtbetrieb. Nochmal so viele Mitarbeiter sind am Tresen im Verkauf tätig.
In der DDR war es schwer Zutaten zu bekommen
Auf historischen Aufnahmen von der Gründung vor 120 Jahren sieht man die gleichen Pfannkuchen wie heute im Schaufenster gestapelt. Anke Sieberts Ur-Ur-Großvater Gustav kam aus Schönfließ in die Großstadt Berlin, in der Schönfließer Straße eröffnete er sein Geschäft. Die großen Bäume, die heute vor dem Laden Schatten spenden, gab es noch nicht, die Gründerzeithäuser mit dem Stuck waren Neubauten.
Opa Bodo Siebert, auf dem Bild zur 30-Jahrfeier ist er der fast Zweijährige Steppke in der ersten Reihe, war zu DDR-Zeiten Chef in der Bäckerei. Es sei oft schwer gewesen, an die Zutaten zu kommen, sagte er einmal in einem Interview. Doch die Stammkunden blieben der Bäckerei über Generationen treu.
Goldenes Ticket: lebenslang Kult-Schrippen
Und genau für diese treuen Stammkunden wollen die Sieberts zum Jubiläum eine besondere Aktion starten: Das „Goldenen Ticket“ bedeutet für einen Gewinner jeden Tag Backwaren im Wert bis zu zehn Euro, ein Leben lang.

Über unsere Wertgutscheine, die bis zum 31. Juli im Geschäft verkauft werden, können Kundinnen und Kunden an der Verlosung teilnehmen. „Für uns ist das nicht einfach nur ein Gewinnspiel, sondern ein Dankeschön an die Menschen, die uns zum Teil seit Generationen begleiten“, sagt Anke Siebert.
Ab August bis Ende September werden im Feier-Jahr wöchentlich 120 kleinere Gewinne verlost. Die Gewinner werden online und im Laden bekannt gegeben. Im Oktober steht dann der glückliche Gewinner des Goldenen Tickets fest.
