Wer an Brause aus der DDR denkt, dem fallen Vita-Cola und Club-Cola ein – und vielleicht auch Limos wie Siciliana und Sonny. Aber: Erinnern Sie sich heute noch an Karena und an die Inter-Cola? Zwei Erfrischungsgetränke aus Honeckers Zeiten, die beinahe vergessen wurden – und die jetzt wieder zurückkehren! Dafür sorgt Barkeeper und Getränkehändler Frank Schollenberger aus Rostock. Er legt die beliebten Limos aus der DDR-Zeit neu auf – und holt die Emotionen des DDR-Sommers zurück.
Karena und Inter-Cola: Vergessene Brausen aus der DDR
Lust auf eine Erfrischung wie früher? Dann greifen Sie doch mal zu Karena und Inter-Cola! Längst vergessen? Zu DDR-Zeiten standen die Brausen im Regal, doch seit Jahrzehnten waren sie verschwunden. Karena, eine Grapefruit-Limo, deren Name für „KAlorienREduziert und NAturtrüb“ stand – und Inter-Cola, die das Gegenstück zur West-Cola werden sollte, aber von Vita-Cola und Club-Cola eingeholt wurde. Im Laden von Frank Schollenberger in Rostock gibt es sie wieder – weil der Getränke-Liebhaber einen Abfüller für die Limos gefunden hat.
Schollenberger ist 55 Jahre alt, Barkeeper, Sommelier und Experte für vieles, was flüssig ist – es wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. „Ich wurde in Rostock geboren. Aus dem Kreißsaal konnte man auf die Rostocker Brauerei gucken“, sagt er und lacht.
Heute betreibt er die Weinhandlung Schollenberger, die aber mehr bietet als den Rebensaft. In Rostock und Bad Doberan stehen jetzt auch Inter-Cola und Karena wieder im Regal. „Mit vielen Getränken sind Emotionen verbunden – und es macht Spaß, sie dem Vergessen zu entreißen“, sagt er.

Er wuchs selbst im Osten auf und weiß: „Viele Erinnerungen sind auch mit Gerüchen und Geschmäckern verbunden, die man sein Leben lang nicht vergisst.“ Regelmäßig holt er deshalb vergessene Produkte zurück. Holte etwa die Bier-Marken Hafenbräu und Edelbräu und den Schnaps Klarer Juwel, den viele als Blauen Würger kennen, aus der Versenkung. Bei den Limos gaben die alten Etiketten den Ausschlag. „Das von Karena war blau, das hatte ich noch ganz klar im Kopf.“
Inter-Cola sollte dem Westen etwas entgegensetzen
Die Inter-Cola habe sich cool und sexy angefühlt – und sie ist ein Getränk mit Geschichte. Vor allem in den 60er-Jahren seien viele Cola-Produkte in der DDR hergestellt worden, sagt Schollenberger. Im Westen boomte die Cola. „Und man wollte dem etwas entgegensetzen, um den Menschen im Wettbewerb der Systeme den gleichen Lebensstandard bieten zu können.“
In den 70er-Jahren gab es die Inter-Cola aber kaum noch, weil sich andere Produkte durchsetzten – Brausen wie die Vita-Cola oder die Club-Cola, die es noch heute gibt.

Die Rezepturen der „neuen alten“ Limonaden kommen an die Originale heran, aber natürlich nicht vollständig. „Die Technologie hat sich ja auch weiterentwickelt“, sagt Schollenberger. Den Fortschritt könne man nicht ausblenden. „Es ist auch mehr als 35 Jahre her. Am Ende versuchen wir, den Geschmack wiederzubeleben, soweit das überhaupt noch möglich ist.“ Die Limos gibt’s nicht nur in Schollenbergers Geschäften, man kann sie auch über das Internet bestellen.
Wer Vokuhila trägt, braucht eine Flasche Karena
Das Retro-Gefühl dürften Karena und Inter-Cola auf jeden Fall wecken – und darum geht es Schollenberger. „Das ist ja sowieso das große Thema. Vokuhila und Schnurrbart kommen zurück. Und einer, der Vokuhila trägt, der braucht doch keine Coca-Cola in der Hand. Der braucht eine Flasche Karena oder ’ne Inter-Cola!“
Nicht umsonst veranstaltet Schollenberger auch 80er-Jahre-Partys im Hafenkontor 57 in Rostock. „Da kann man sich richtig in den Zeittunnel einsaugen lassen.“ Und er hat noch viele Ideen! „Es liegen noch einige Projekte in der Schublade, auf die sich die Leute freuen dürfen.“

Wie viele Geschichten seine Getränke noch ans Licht bringen, wird sich zeigen. Das Hafenbräu war aber beispielsweise ein voller Erfolg. Die Marke habe sich aber zu DDR-Zeiten auch ins Gedächtnis gemeißelt. „Mir hat ein Matrose erzählt, dass man mit einer Kiste Hafenbräu auch im Hamburger Hafen was werden konnte, wenn man jemanden für einen Gefallen brauchte“, sagt er. „Und die Serie ,Zur See‘ war eine Dauerwerbesendung für das Bier. Da hatte ja jeder die ganze Zeit eine Flasche Hafenbräu am Hals.“



