Noch Reserven im Schrank?

Alkohol aus der DDR: Diese Liköre und Schnäpse bringen richtig Geld

DDR‑Likör und ‑Schnaps gelten längst als Sammlerstücke. Wir zeigen, welche Flaschen heute begehrt sind – und was sie wert sein können.

Author - Florian Thalmann
Teilen
In der DDR trank man gern mal ein Likörchen. Aber: Was sind die Flaschen mit den bunten alkoholischen Getränken aus dem Osten heute wert?
In der DDR trank man gern mal ein Likörchen. Aber: Was sind die Flaschen mit den bunten alkoholischen Getränken aus dem Osten heute wert?Kai Bienert/imago, DDR Museum Berlin

Trinken Sie gern ab und zu mal einen Schnaps oder ein Likörchen? Wer dafür in das Regal im Keller, in die Kiste auf dem Dachboden oder ganz hinten in den Vorratsschrank greift, stößt dabei immer wieder auch auf die alten Schnaps-Reserven aus der DDR. Denn es gibt sie noch immer: Brände, Liköre und Schnäpse, die für schlechte Zeiten aufbewahrt und dann schlicht und einfach vergessen wurden. Auch bei Haushaltsauflösungen und auf Flohmärkten findet sich immer wieder alter Alkohol. Aber: Kann man ihn noch verkaufen, wenn man ihn nicht mehr trinken will? Wir verraten, was die Schnaps-Reserven aus der DDR heute wert sind!

Kann man alten Likör noch trinken?

Dass Alkohol mit dem Alter wertvoller wird, weiß jeder – das gilt allerdings leider nicht für jeden Alkohol. Ein guter französischer Rotwein wird oft für mehr Geld verkauft, je mehr Jahre er auf dem Buckel hat. Aber was ist mit dem Aprikosenlikör aus tiefster DDR-Zeit? Leider hört man selten davon, dass Likör-Schätze aus der DDR auf Auktionen für hohe Geldbeträge verkauft werden. Denn zu oft leidet bei solchen Getränken der Geschmack unter der langen Lagerung.

Das erklärte auch Danny Krüger vom Berliner Spirituosenhersteller Mampe dem KURIER. Zwar haben Schnaps und Likör meist kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Denn bei einem Alkoholgehalt von mindestens 15 Prozent desinfiziert sich das Getränk quasi selbst.

Aber: Likör, der lange Zeit herumstand, verliert das Aroma, Produkte mit künstlichen Farbstoffen büßen dazu noch ihre Farbe ein – dafür sorgen Sauerstoff und Licht. „Man kann das zwar noch trinken, aber es hat nicht mehr den Geschmack, den es haben sollte.“ Manche Schnäpse schmecken dann einfach nach Schrank – ein Erlebnis, das wohl jeder schon mal hatte, der sich einen lange gelagerten Likör vorknöpfte.

Erinnern Sie sich noch an diese Schnäpse aus der DDR-Zeit? Manche werden noch heute auf Plattformen wie Ebay gehandelt.
Erinnern Sie sich noch an diese Schnäpse aus der DDR-Zeit? Manche werden noch heute auf Plattformen wie Ebay gehandelt.DDR Museum Berlin

Nur: Was, wenn man Schnaps und Likör nicht mehr trinken will? Die gute Nachricht: Man kann den Alkohol aus der DDR auch noch an den Mann bringen – denn alles findet seine Liebhaber. Das sieht man bei Auktionsplattformen wie Ebay – hier werden manche Flaschen aus tiefster DDR-Zeit noch immer angeboten. Ein echter Klassiker in den Hausbars der DDR war beispielsweise Aprikosenlikör. 0,7 Liter aromatisierter Fruchtlikör aus dem VEB Getränkekombinat Neubrandenburg – „der feine Aprikosenlikör mit dem fruchtigen Bukett“ hat immerhin 25 Prozent Alkohol. Die Flasche kostete damals 16 Mark. Auf Ebay wird der Likör aktuell für 35 Euro gehandelt.

So viel sind Eismint und Lauterer Luft heute wert

Ein anderer Verkäufer hat eine Flasche Eismint im Angebot – ein Pfefferminzlikör, mit dem sicher der eine oder andere junge Mensch in der DDR seinen ersten Vollrausch erlebte. 13,50 Mark kostet die Flasche, auch hier steckten 25 Prozent Alkohol drin. Die giftgrüne Farbe hat dieser Schnaps zwar inzwischen anscheinend etwas verloren, aber verkauft werden soll er trotzdem für 25 Euro. „Die Flasche ist original verschlossen. Ob er noch genießbar ist, kann ich nicht sagen“, schreibt der Verkäufer dazu. Wenn es nach Danny Krüger von Mampe geht, sollte das kein Problem sein.

Eine Mitarbeiterin eines Spirituosenlagers in Sangerhausen mit Likörflaschen. In der DDR wurde bei Feierlichkeiten gern mal geschnäpselt.
Eine Mitarbeiterin eines Spirituosenlagers in Sangerhausen mit Likörflaschen. In der DDR wurde bei Feierlichkeiten gern mal geschnäpselt.Kai Bienert/imago

Und es wird noch spezieller: Eine Flasche Aromatique aus Neudietendorf soll für 24 Euro über den Ladentisch gehen – obwohl nur 100 Milliliter drinstecken. Immerhin: Der Kaffee- und Gewürzlikör soll besonders gut für den Magen sein. Der Verkäufer empfiehlt aber, die Flasche nur noch als Deko zu verwenden, trotz des 40‑Prozent-Alkoholgehalts. Auch beim Likör Lauterer Luft aus dem VEB Getränkewerk Lautergold im Erzgebirge ist der Preisanstieg enorm: Die Flasche mit 350 Millilitern und 25 Prozent Alkoholgehalt kostete damals 5 Mark, wird heute für 23 Euro gehandelt.

Goldbrand und Gewürzlikör kosten über 100 Euro

Und es gibt noch weitere verrückte Beispiele: Eine Flasche Goldbrand aus der Altenburger Likörfabrik, die zu DDR-Zeiten 14,50 Mark kostete, wird heute für 95 Euro gehandelt. 0,7 Liter Schnaps mit einem Alkoholgehalt von 32 Prozent steckten darin. Und die Flasche Fruchtlikör der Sorte Wildbeere aus der gleichen Fabrik kostet immerhin 35 Euro – dafür stecken aber auch nur 20 Prozent Alkohol darin.

Im Angebot bei Ebay gibt es außerdem gerade eine Flasche Curacao, wie er unter anderem beim DDR-Trendgetränk „Grüne Wiese“ zum Einsatz kam. Die Flasche aus dem VEB Güldenstern Ludwigslust (0,35 Liter, 38 Prozent) soll 100 Euro kosten. Und für den großen Geldbeutel gibt’s eine Pulle Kobold Gewürzlikör aus dem VEB Vereinigte Getränkebetriebe Cottbus, Betrieb Lübben. 0,7 Liter stecken in der Flasche, enthalten sind neben dem Schnaps auch vier Likörgläser. Der stolze Preis für das Relikt aus der DDR: 199,99 Euro. Na dann: Prost!

Haben auch Sie noch alten Schnaps aus der DDR – und was haben Sie damals besonders gern getrunken? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!