Wenn über die DDR gesprochen wird, kommt ein Thema besonders häufig auf den Tisch: die Mangelwirtschaft. Viele Dinge waren schwer zu bekommen in der damaligen Zeit – eine Sache aber nicht: Alkohol! Ob Eismint oder Edelkirsch, ob Kreuz des Südens oder Sambalita: Ein Likörchen hatte einfach jeder im Schrank stehen. Auch heute gehört Alkohol deshalb zu den Dingen, die beispielsweise im Depot des DDR Museum Berlin sehr oft vorkommen. Aber: Was sind die Flaschen heute wert – und kann man den Schnaps von damals noch trinken?
In Marzahn lagert der Schnaps-Schatz der DDR
Man könnte meinen, dass die Schnaps-Reserven der DDR heute lange ausgetrunken sind. Aber: Weit gefehlt! Die Alkohol-Schätze des Ostens schlummern noch heute unter anderem im Depot des DDR Museum in Marzahn. Hier gibt es eine eigene Abteilung für Schnaps, Likör und andere Getränke aus der damaligen Zeit. Der Grund: „Alkohol spielte eine wichtige Rolle in der DDR, gerade auch im sozialen Miteinander“, sagt Sammlungsleiter Eric Strohmeier-Wimmer dem Berliner KURIER.
Verschlossene Flaschen gibt es in der beeindruckenden Sammlung des Museums in rauen Mengen. Mehrere Flaschen Primasprit, Kornbrände und Kümmelschnaps, aber auch den zu DDR-Zeiten besonders beliebten Rotwein Rosenthaler Kadarka. Im Museum selbst werden die aber heute nicht mehr ausgestellt – zumindest nicht gefüllt.
Der Grund: „Wir haben ja viele Jugendliche bei uns, viele Gruppen aus aller Welt – und der Alkohol wurde auch teilweise konsumiert“, verrät Simone Uthleb, Sprecherin des Museums. Volle Flaschen werden deshalb heute nur noch hinter Glas präsentiert.

Wer in die Objektdatenbank des Museums abtaucht, erlebt eine Reise in einen längst vergessenen Schnapsladen. Da lagern etwa die unterschiedlichsten Pfefferminzliköre: „Pfeffi“ aus dem VEB Schilkin Berlin für 14 Mark, der Likör „Pfefferminz“ aus dem VEB Weinbrennerei Meerane für 10,50 Mark und der „Pfefferminz Likör“ aus dem VEB Likörfabrik Zahna für ebenfalls 10,50 Mark.
„Lauterer Luft“ und „Dunkle Serenade“ aus der DDR
Der Aprikosenlikör mit Rum namens „Kreuz des Südens“ war für 13 Mark zu haben, der Aprikosen Edellikör von Schilkin kostete sogar stolze 19 Mark. Auch der Kaffeelikör „Lauterer Luft“, der Zitronenlikör „Kalifornia“, der Fruchtsaftlikör „Kirsche mit Whisky“ und ein Kakao-Nuss-Likör mit dem klangvollen Namen „Dunkle Serenade“ finden sich in der Kollektion. An welche Liköre und Schnäpse aus der damaligen Zeit denken Sie gern zurück? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns drauf!

Auch heute finden sich solche Flaschen noch, wenn es beispielsweise Haushaltsauflösungen gibt – in der Bar in der Schrankwand im Wohnzimmer oder versteckt, hinter der Wäsche, im Schlafzimmerschrank. Nach einem KURIER-Beitrag über die Schätze des DDR Museum meldete sich beispielsweise Leserin Kathleen Schulz.
„Wir haben in unserer Bar eine Flasche Aprikosen Edellikör aus DDR-Zeiten gefunden die noch verschlossen ist. Diese ist mindestens 38 Jahre alt.“ Aber: Kann man den Schnaps aus der DDR-Zeit überhaupt noch trinken – oder wird er nach Jahrzehnten vielleicht doch schlecht?
Kann man Schnaps aus der DDR noch trinken?
KURIER hat bei Danny Krüger (36) nachgefragt – er ist Leiter Produktion und Qualitätsmanagement beim Berliner Spirituosenhersteller Mampe. „Spirituosen haben eigentlich kein Mindesthaltbarkeitsdatum“, verrät er. „Sie haben mindestens 15 Prozent Alkohol, da können keine Bakterien mehr wachsen – das Getränk desinfiziert sich gewissermaßen selbst.“ Auch nach 20, 40 oder 100 Jahren könnte man Schnaps und Likör noch bedenkenlos trinken, wenn keine Fremdkörper enthalten sind. Zumindest aus Sicht der Lebensmitteltechnik.

Denn verändern kann sich das Produkt trotzdem. „Wie bei anderen Lebensmitteln ist Sauerstoffeintrag der größte Feind“, sagt Krüger. Geöffneter Likör, der lange herumstand, schmeckt nach Schrank. „Man kann das zwar noch trinken, aber es hat nicht mehr den Geschmack, den es haben sollte.“ Gefärbte Liköre können durch Lichteinfall auch ihre Farbe verlieren. Auch hier gilt: Trinken kann man es trotzdem. Einzige Ausnahme sind Liköre, die Sahne enthalten.
„Das entmischt sich auch irgendwann – da würde ich nicht für garantieren“, sagt Krüger. auch der Füllstand der Flaschen kann sich übrigens verändern, weil im Laufe von Jahren und Jahrzehnten Flüssigkeit aus verschlossenen Flaschen diffundiert. „Wir haben in unserem Mampe-Museum Flaschen, die 100 Jahre alt und noch fest verkorkt sind, bei denen aber trotzdem ein Drittel fehlt.“ Der Experte empfiehlt übrigens die kühle und dunkle Lagerung – dann steht dem Schnaps-Vergnügen aus der DDR nichts im Weg.


