In den vergangenen Tagen haben wir Ihnen immer wieder besondere Objekte aus dem Depot des DDR-Museums Berlin vorgestellt. Es ging um Brigadetagebücher, die viele noch von früher kennen, um ein besonderes Propagandaplakat und sogar um den Volvo von DDR-Wirtschaftslenker Günter Mittag. Aber manchmal sind die größten Schätze jene Kleinigkeiten, nach denen die Museumsmacher verzweifelt suchen. Wir verraten, was beim DDR-Museum Berlin aktuell ganz hoch im Kurs steht. Wenn Sie diese Dinge haben, besitzen Sie einen echten Schatz aus der DDR!
Viele Dinge aus der DDR fehlen in der Sammlung
Das Depot des DDR-Museums in Berlin-Marzahn dokumentiert den Alltag in der DDR so gut wie keine andere Sammlung: Rund 400.000 Objekte lagern hier, gut verpackt und katalogisiert. Vom Eierbecher bis zur Modezeitschrift, von der Stehlampe bis zur gefüllten Schnapsflasche, vom Honecker-Porträt bis zum Rasierer.
Rund 1000 Objekte haben nun einen Platz im neuen Bildband „DDR in Objekten“ gefunden, den das Museum Ende März herausgebracht hat. Wer aber meint, angesichts der vielen Exponate quillt das Lager über, der hat sich geirrt: Das Museum sucht weiter nach Schätzen.
Denn es gibt einige Dinge, die in der riesigen Kollektion noch fehlen – und die sind manchmal recht unscheinbar. „Wir suchen beispielsweise Scharniere für Schrankwände aus der DDR – und die Griffe, die zum Öffnen an die Türen montiert wurden“, sagt Sammlungsleiter Eric Strohmeier-Wimmer dem KURIER.
Der Grund liegt auf der Hand: Sowohl im Museum in der Karl-Liebknecht-Straße 1 in Mitte als auch in einem Showroom im Depot in Marzahn stehen alte Schrankwände, die von den Besuchern auch geöffnet werden dürfen – und die Bauteile nutzen sich ab.

Immer gefragt sind auch Alltagsgegenstände wie das berühmte Rührgerät RG 28 oder Kaffeemaschinen, da diese im Museum regelmäßig ausgetauscht werden. Seltenheitswert haben auch Artefakte des Sozialismus, die nach dem Ende der DDR zu schnell auf dem Müll landeten, etwa Büsten und Statuen.
Wer hat noch Filtertüten und Kondome aus der DDR?
Auch alte Straßenschilder werden gesucht – viele Straßen wurden nach dem Ende der DDR umbenannt, um die Spuren des Sozialismus aus dem Straßenbild zu tilgen. Auf dem Wunschzettel der Ausstellungsmacher stehen außerdem Musikinstrumente, Filtertüten für Kaffeemaschinen, Puppenkleidung und Teddys, Versandhauskataloge, Kondome aus der DDR und eine Feuerwehrsirene. Die Liste steht online zur Verfügung.

Manche Dinge gibt es noch, sie sind aber nicht leicht zu beschaffen. Beispiel: „Wir sind aktuell auf der Suche nach einem Kinderspielzeug, einem alten Plastikkipper“, sagt Strohmeier-Wimmer. Man sollte meinen, dass es die Spielzeugautos noch auf vielen Dachböden gibt.
Das Problem: Wer im Netz danach sucht, sieht schnell, wie gut sie sich auch heute noch an den Mann bringen lassen. „Die Leute verkaufen die Autos lieber, anstatt sie einem Museum zu stiften“, sagt der Sammlungsleiter. Auch Fußbälle aus der DDR sind gefragt – sie fehlen noch in der riesigen Sammlung des DDR-Museums Berlin.
Kaffee-Mix „Erichs Krönung“ aus der DDR gesucht
Waren des täglichen Bedarfs werden immer gesucht, etwa Kosmetik. Kaffee-Mix, der im Volksmund „Erichs Krönung“ genannt wurde, Speisesalz und Würfelzucker fehlen, aber auch alte Packungen Filinchen, Tempobohnen und Club Cola. Auch wenn sie Seltenheitswert haben, geben die Museumsmacher die Hoffnung auf solche Funde nicht auf. Denn es zeigt sich immer wieder: Die Schätze der DDR schlummern noch immer in vielen Wohnungen und Häusern in Deutschland!

Erst im vergangenen Jahr suchte das Museum nach Konsumwaren für einen neuen Ausstellungsteil, beispielsweise Tampons und Kosmetikprodukte von „Action“. Zahlreiche Spenden erreichten daraufhin das Museum.
„Daran kann man auch gut sehen, wie Konsum und Versorgung in der DDR funktionierten: Man hat gehamstert“, sagt Strohmeier-Wimmer. „Wenn es etwas gab, hat man es in großen Mengen gekauft.“ Tampons habe es seltener gegeben. „Wenn wir welche bekommen, bekommen wir eine ganze Kiste. Denn sobald es da war, wurde das gekauft.“

Ata und Tampons: In der DDR wurde gehamstert
Auch das beliebte Scheuermittel Ata gibt es im Fundus des Museums in großen Mengen. „Das wundert mich, denn es ist eigentlich ein Pfennigartikel. Aber aus der Erfahrung heraus haben die Leute die Sachen gekauft – immer in dem Bewusstsein: Lieber haben und nicht brauchen.“ Das sei die Maxime in der DDR gewesen – und Dinge, die haltbar waren und sich gut lagern ließen, erreichen deshalb auch heute noch das Museum. „Bohnen, Linsen, Konserven oder auch Alkohol, der einfach zu lagern war.“

Die wohl speziellste Spende war Jacobs-Kaffee, den es in der DDR eigentlich nicht gab. „Er stammte aus einem Westpaket. Es muss 1988 oder 1989 gewesen sein – und die Oma hat es im Wäscheschrank nach hinten gestellt, um es aufzubewahren.“
Das Hamstern der DDR-Bürger kommt dem Museum also zugute. „Wenn die Enkel nun die Wohnungen oder Häuser auflösen und tief verborgen in den Schränken so was finden, profitieren wir.“ Allerdings werden Dinge wie Lebensmittelverpackungen auch immer seltener, je weiter das Ende der DDR in die Vergangenheit rückt.


