Irres Fundstück

Seltener Schatz aus der DDR: So träumte das Politbüro vom Jahr 2000

Ein besonderes Propagandaplakat aus dem DDR Museum zeigt, dass sich die Regierung bereit für das neue Jahrtausend fühlte.

Author - Florian Thalmann
Teilen
Die DDR fühlte sich bestens für das Jahr 2000 gerüstet: Auf diesem Propagandaplakat feierte die Regierung die Erfolge – und Erich Honecker selbst schickte die Jugend mit einem knackigen Zitat in Richtung Zukunft.
Die DDR fühlte sich bestens für das Jahr 2000 gerüstet: Auf diesem Propagandaplakat feierte die Regierung die Erfolge – und Erich Honecker selbst schickte die Jugend mit einem knackigen Zitat in Richtung Zukunft.Vasily Yegorov,Viktor Koshevoi/imago, DDR Museum Berlin

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wie die Welt heute aussehen würde, wenn die Mauer im Jahr 1989 nicht gefallen wäre – und es die Deutsche Demokratische Republik noch gäbe? Die DDR – sie hatte Großes vor! Das DDR Museum Berlin präsentiert aktuell wieder ausgewählte Objekte aus der Zeit vor der Wende in einem Bildband. Darunter auch Dokumente, die zeigen, dass sich Honeckers Regierung gut für das Jahr 2000 vorbereitet sah.

DDR sah sich gut für das Jahr 2000 gerüstet

Zwischen dem Ende der DDR und der Jahrtausendwende lagen eigentlich nur zehn Jahre – und doch fühlt sich der Zeitraum zwischen den beiden Ereignissen wie eine Ewigkeit an. Dass die DDR bis ins Jahr 2000 überlebt und die Jahrtausendwende gefeiert hätte, wirkt kaum vorstellbar. Und doch fühlte sich die Regierung offenbar wunderbar auf den Übergang in ein neues Zeitalter vorbereitet.

Das zeigt ein ganz besonderes Plakat, das es in den neuen Bildband „Die DDR in Objekten“ des DDR Museum Berlin geschafft hat. Ein Zeitzeugnis, das für viele heute einfach absurd wirkt.

„Mit revolutionärem Elan ins Jahr 2000“ heißt es in der Mitte des Blattes. Ringsherum zeigen Fotos die Errungenschaften der DDR. Hervorgehoben wird die FDJ-Initiative in Berlin: 98.000 neugebaute und rekonstruierte Wohnungen seien seit 1976 übergeben worden, heißt es dazu. Auch der Erfinderwettbewerb der Jugend mit fast 6000 Patentanmeldungen seit 1982 wird gelobt – und das Motto der damals 45.200 Jugendbrigaden der DDR, „Jeder jeden Tag mit guter Bilanz“.

Die DDR im Jahr 2000? Die Regierung fühlte sich laut diesem alten Propagandaplakat aus dem DDR Museum Berlin gut für die Jahrtausendwende gerüstet.
Die DDR im Jahr 2000? Die Regierung fühlte sich laut diesem alten Propagandaplakat aus dem DDR Museum Berlin gut für die Jahrtausendwende gerüstet.DDR Museum Berlin

Die Zukunftsmusik in der DDR wurde mit großer Geige gespielt – es gehörte zum Konzept des Staates, erklärt auch Eric Strohmeier-Wimmer, der Sammlungsleiter des DDR Museum Berlin. „Dass in der Zukunft alles besser sein soll, war Teil der grundlegenden Ideologie“, sagt er.  Auf der neunten Tagung des ZK der SED im Mai 1973 verwendete Erich Honecker erstmals den Begriff des „real existierenden Sozialismus“. Das Ziel: „eine klassenlose Gesellschaft, in der es allen gut geht.“

Propaganda sollte Glauben an die DDR stärken

Nur: Was tun, wenn viele Dinge auf dem Weg nicht klappen wollen – und die Ziele, die der Staat setzt, nicht erreicht werden? Dann hilft nur Agitation und Propaganda. „Immer, wenn sich die Menschen darüber beschweren, dass die Versorgung nicht klappt oder es nicht genug Wohnraum gibt, wird die Erwartung geschürt, dass es uns in Zukunft allen besser gehen wird“, erklärt Strohmeier-Wimmer das Prinzip.

Infobox image
DDR Museum Berlin
Die DDR in Objekten
Das neue Buch „DDR in Objekten“ (DDR Museum Verlag GmbH, 49 Euro) ist bereits der dritte Band der gleichnamigen Reihe. Es widmet sich unter dem Titel „Arbeit, Wirtschaft und Politik“ der Arbeitswelt der DDR, aber auch den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und Kommunikation. 1000 Objekte aus dem Depot des DDR Museum Berlin werden hier vorgestellt – der KURIER zeigt rund um die Veröffentlichung des Buches eine Auswahl. Weitere Informationen unter www.ddr-museum.de

Das Plakat zum Übergang ins Jahr 2000 ist dafür ein perfektes Beispiel. „Es zeigt vermeintlich Erreichtes – und gibt einen Vorgeschmack dafür, wie es weitergehen soll.“ Der Glaube an den Fortschritt sollte Berge versetzen. Das Plakat zur Jahrtausendwende richtet sich dafür vor allem an den jüngeren Teil der Bevölkerung. Untermauert wird das mit einem Zitat von Erich Honecker. „Ihr, die ihr heute jung seid, werdet in der Blüte eures Lebens das Banner der Errungenschaften des Sozialismus auf deutschem Boden über die Schwelle des neuen Jahrtausends tragen.“ Geklappt hat das, wie wir heute wissen, nicht.

In der DDR sah man die Jugend auf eine glorreiche Zukunft zusteuern. Dafür stand auch die Messe der Meister von Morgen.
In der DDR sah man die Jugend auf eine glorreiche Zukunft zusteuern. Dafür stand auch die Messe der Meister von Morgen.Bernd Friedel/imago

Doch in der DDR betrachtete man solche Methoden als Mittel, um dem Sozialismus zum Erfolg zu verhelfen. Die Plakate hingen dementsprechend überall, wo es die Möglichkeit gab, sie aufzuhängen, sagt Strohmeier-Wimmer. Vor allem rund um die wichtigen Feiertage wurden sie an zentralen Orten angebracht und aufgestellt – am 1. Mai, am Frauentag, am 7. Oktober. „Die Betriebe und Schulen waren zugepflastert – überall, wo es die Möglichkeit gab“, sagt er. Besonders häufig waren sie in den Bezirkshauptstädten zu finden.

DDR sah sich bereit für eine glorreiche Zukunft

Solche Plakate seien auch Ausdruck dessen, wie sich die DDR selbst sah. Als Staat, der – glaubte man – bereit für eine glorreiche Zukunft war. Es geht um die Elektrifizierung, aber auch um die moderne Computertechnik und neue Erfindungen der „Meister der Messe von Morgen“. Heute ist klar: Selbst alle Propaganda konnte die meisten Menschen nicht davon überzeugen, dass sie mit der DDR auf eine glorreiche Zukunft zusteuern. Sie gingen in Massen auf die Straßen – und leiteten ein neues Kapitel der deutschen Geschichte ein.

Plakate wie dieses bleiben trotzdem spannende Zeitzeugnisse – einige befinden sich bereits im Fundus des DDR Museum Berlin. Doch je mehr Zeit seit dem Ende der DDR vergeht, desto schwerer sind sie zu beschaffen. Auch deshalb werden sie immer gesucht.

Plakate aus der DDR werden auch heute noch gesucht

Wer noch alte Plakate in seinem privaten Fundus hat, kann sich damit jederzeit an das DDR Museum Berlin wenden. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Objekten hält Papier nicht ewig. „Wir versuchen, es zu erhalten. Aber es zerfällt im Laufe der Zeit“, sagt Strohmeier-Wimmer. Ein Satz, der aus heutiger Sicht eher auf ein DDR-Plakat gepasst hätte.

Erinnern Sie sich an die Propagandaplakate aus der DDR? Und haben auch Sie noch welche zu Hause? Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen und Ihre Meinung zum Thema an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!