Heute läuft jeder mit einem Mini-Computer in der Tasche durch die Gegend – einer, mit dem man obendrein noch telefonieren kann. Doch zu DDR-Zeiten war das anders! Wie schwierig es war, jemanden anzurufen, zeigen auch heute noch Relikte im Depot des DDR Museum. Zu den größten gehört eine echte Telefonzelle aus Honeckers Zeiten – die gelben Zellen waren aber nicht nur ein Ort zum Telefonieren. Sondern auch einer, an dem sich Dramen abspielten. Eine der letzten ihrer Art hat es nun auch in den neuen Bildband „Die DDR in Objekten“ des Museums geschafft. Wir erzählen die Geschichte dahinter.
Telefonzelle gehört zu den größten Schätzen aus der DDR
Wie ein Denkmal steht sie da, im Fahrzeug-Depot des DDR Museum in Berlin-Marzahn. Eine große Halle, gefüllt mit unzähligen Motorrädern. Und in einer Ecke daneben: eine Telefonzelle aus der DDR. Das Gelb ist inzwischen etwas verwaschen, die Zelle, einst ein seltener Ort der Verständigung, hat an vielen Stellen Rost angesetzt. Die Glasscheiben sind Geschichte – und auch das Telefon lange weg. „So einen Apparat suchen wir noch“, sagt Sammlungsleiter Eric Strohmeier-Wimmer.
Bisher hatten die Macher des DDR Museum Berlin aber kein Glück – wie soll man auch mehr als 35 Jahre nach der Wende etwas finden, das schon zu DDR-Zeiten Mangelware war? Zwar gab es damals Telefonzellen, aber vielerorts musste erst darum gekämpft werden. Die Bevölkerung wollte sie, weil nur die wenigsten Haushalte einen eigenen Telefonanschluss hatten. „Das war ein Problem, das in der DDR bis zum Ende nicht gelöst werden konnte – und auch nicht gelöst werden wollte, aus politischen Gründen“, sagt Strohmeier-Wimmer.

Nur 18 Prozent der Bevölkerung hatten ein eigenes Telefon, wesentlich weniger als in der Bundesrepublik. „In der Regel ist man auch nur an einen Anschluss gekommen, wenn man eine gewisse Funktion hatte.“
Wie problematisch die Beschaffung von Telefonanschlüssen war, zeigen auch Eingaben, die im Depot des Museum schlummern. Hier forderten Bürgerinnen und Bürger die Einrichtung von Münzfernsprechern – ein Anliegen, das vom Fernsprechamt Berlin zum Leidwesen der Betroffenen immer wieder abgelehnt wurde. „Uns stehen weder freie Schaltwege noch Anschluß-Rufnummern zur Verfügung“, hieß es beispielsweise in einer Antwort auf eine Eingabe von 1977.
Vor Telefonzellen der DDR bildeten sich Schlangen
Kein Wunder, dass sich dort, wo es die gelben Kästen mit einem Telefonanschluss gab, lange Schlangen bildeten. „Sie standen meistens an den Postzentralen, manchmal auch in größeren Wohngebieten“, erinnert sich Eric Strohmeier-Wimmer. Das Telefonieren an sich war teuer – die Geräte schluckten Münzen über Münzen. Und doch waren die Zellen schon aufgrund ihrer Seltenheit ein wichtiger Ort in Zeiten, in denen man sonst nur über die Post kommunizieren konnte.

Jeder hat andere Erinnerungen an die gelben Häuschen. Manch einer sieht noch das kleine Schild mit der Aufschrift „Fasse dich kurz!“ vor sich, das lange Gespräche unterbinden sollte, schließlich wollte jeder mal telefonieren. Andere erinnern sich an andere Details. „Ich habe den Geruch noch in der Nase“, sagt Simone Uthleb, Sprecherin des DDR Museum Berlin. Denn manch einer nutzte die Münzfernsprecher auch, um sich zu erleichtern – zum Leid aller, die telefonieren wollten.

Telefonzellen der DDR: Hier passierten Dramen des Alltags
Und die Zellen waren Orte, an denen die Dramen des Alltags passierten. „Da wurden Liebesbeziehungen begonnen und beendet, Gesundheitsprobleme erläutert – und manchmal hat man das alles als Nichtbeteiligter auch live mitbekommen“, sagt Strohmeier-Wimmer. „Sie wurden eher unfreiwillig zu einem sozialen Platz, der notwendig war, um über weite Strecken zu kommunizieren. Die Telefonzellen waren ein zentraler Erinnerungsort, den es heute nicht mehr gibt.“
Mit der Wende begann das Ende der Telefonzellen
Denn die Münzfernsprecher fanden über die Jahre nach und nach ein Ende. In der Übergangszeit und Anfang der 90er-Jahre waren sie noch wichtig. Uthleb erinnert sich, dass es an der Frankfurter Allee sogar eine Telefonzelle gab, mit der man in der wilden Zeit zwischen dem Ende der DDR und der Wiedervereinigung in den Westen telefonieren konnte. „Da war immer eine riesige Schlange“, sagt sie.
Das Einrichten von Festnetzanschlüssen war dann mit der Zeit immer weniger ein Problem – und mit dem Siegeszug der Handys und später der Smartphones wurden die öffentlichen Fernsprecher überflüssig.





