Knurrender Liebling

Sandmann-Star Moppi wird 50: Die wahre Entstehungsstory

Jürgen Kunze hat Moppi erschaffen. Im KURIER erinnert er sich an die schnelle Entstehung der Figur, die 1976 Premiere im DDR-Fernsehen hatte.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Jürgen Kunze (88) mit seinem Hund Moppi, der jetzt 50 Jahre alt wird.
Jürgen Kunze (88) mit seinem Hund Moppi, der jetzt 50 Jahre alt wird.ASB RV Barnim e.V.

So alt wird kein Hund, Moppi aber schon! Vor 50 Jahren tauchte er am 3. April 1976 das erste Mal im Sandmännchen-Abendgruß des DDR-Fernsehens auf und wurde der beste Kumpel von Pittiplatsch und Schnatterinchen. Für die Kinder ist der leicht knurrige Hund bis heute ein Star. Darauf ist vor allem Jürgen Kunze (88) stolz. Der Mann, der Moppi vor 50 Jahren in Windeseile auf die Welt brachte.

Aus der Not geboren: Wie DDR-Kinderstar Moppi auf die Welt kam

Aus der Not geboren hat er ihn. Ganz fix sollte es gehen. Jürgen Kunze erinnert sich im KURIER-Gespräch noch genau, wie er damals plötzlich auf den Hund gekommen ist. Normalerweise baute er als Szenerist die schönen Märchenland-Kulissen für Fuchs, Elster, Pittiplatsch und Schnatterinchen, aber nie eine Figur.

„Auf einmal wurde für eine Abendgruß-Geschichte mit Pittiplatsch ein Hund als neue Figur gebraucht. Man kam auf mich zu und sagte: ,Jürgen, mach mal! Du mit deinen goldenen Händen schaffst das schon. Das war’s.“

Heinz Fülfe als Taddeus Punkt mit seinem Hündchen Struppi im DDR-Fernsehen. Diesen Hund gab es beim Sandmännchen schon seit 1959.
Heinz Fülfe als Taddeus Punkt mit seinem Hündchen Struppi im DDR-Fernsehen. Diesen Hund gab es beim Sandmännchen schon seit 1959.jmfoto/imago

Dabei gab es mit „Struppi“ bereits einen Hund im Sandmann-Abendgruß. Doch ihn konnte man nicht verwenden. Schließlich war diese Hundepuppe bereits prominent besetzt.

Mit ihr trat Schnellzeichner „Taddeus Punkt“ (Heinz Fülfe 1929–1994) auf. Also machte sich Jürgen Kunze ans Werk, aus dem Nichts eine neue Hunde-Figur zu schaffen.

Sandmann-Star Moppi: Aus einem alten Mantel gemacht

„Es gab keine Vorlage für die Figur“, sagt er. „Als Haustier hatte ich auch keinen Hund, nur einen tollen Wellensittich, der ,Vati hat gut Freund‘ rief.“  Und Kunze hatte Stoffreste. „Aus einem alten Mantel von mir habe ich dann an einem Wochenende Moppi zusammengenäht.“

Die Premiere am 3. April 1976: Moppi und Pittiplatsch lernen sich kennen.
Die Premiere am 3. April 1976: Moppi und Pittiplatsch lernen sich kennen.RBB/dpa

Wie kam Kunze denn nur auf Moppi? „Das war nicht meine Idee“, sagt Kunze. „Die Autorin Ingeborg Feustel, Erfinderin von Pittiplatsch, hatte sich den Namen ausgedacht. Auch wie Moppi sein sollte: Ein gutmütiger, freundlicher Hund, der ein bisschen meckert und mit Pittiplatsch Unfug macht.“

Selbst wie die beiden sich kennenlernen, hatte die Autorin festgelegt. Pittiplatsch langweilt sich, spielt mit einem Stock an einem Gartenzaun. Dahinter erscheint Moppi, der etwas frech von Pitti Hustenbonbons verlangt.

Puppenspieler Martin Paas und Moppi
Puppenspieler Martin Paas und Moppirbb/Anderthalb/Wieland

Nur gesprochen hat er ihn nicht. „Die Stimme von Moppi kam vom Band, ich musste nur die Figur und vor allem sein Maul danach bewegen“, sagt Kunze.

Radio-Sprecher Günter Schiffel lieh dem Hund die Stimme. Da er aber auch die Stimme des Radio-Sandmanns des Senders Radio DDR I war, übernahm kurze Zeit späte Sandmann-Regisseur Günter Puppe den Sprechpart. Heute führt Puppenspieler Martin Paas („Sesamstraße“) den Sandmann-Star durch die Kulissen und leiht ihm auch die Stimme.

Sandmann-Star Moppi hat eigene Serie und eine Koch-Show

Moppi selbst geht es mit 50 Jahren pudelwohl. Der Star ist richtig gut im Geschäft. Seit 2021 hat er bei KiKA eine eigene TV-Show („Moppi und der Leckerladen“), zaubert mit Köchin Maya leckere und gesunde Gerichte.

Moppi und die lila Katze MiWau
Moppi und die lila Katze MiWaurbb/ANDERTHALB Medienproduktion GmbH

Seit drei Jahren ist der bellende Sandmann-Star mit der lila Katze „MiWau“ in einer Mini-Serie zusammen. Ab 30. März werden zehn neue Folgen immer montags in der abendlichen Sandmännchen-Sendung im RBB, MDR, KiKA und NDR gezeigt – der Auftakt zum 50. Geburtstag.

Erstaunlich, was Moppi alles so erreicht hat, sagt sein Erfinder Jürgen Kunze. „Das gilt auch für alle anderen Firguren. Was das Kinderfernesehen der DDR geleistet hat, war und ist einmalig“, sagt Jürgen Kunze. 

Herr Fuchs, Frau Elster, Pittiplatsch, Schnatterinchen - sie alle sind bis heute der Liebling der Kinder geblieben.  Auch Moppi. Die steile Karriere des Sandmann-Stars war vor 50 Jahren jedenfalls nicht voraussehbar, als er aus den Resten eines Mantels entstand.

Wie steht es um Ihre Erinnerungen an Moppi? Teilen Sie uns Ihre Gedanken mit! Schreiben Sie uns:  leser-bk@berlinerverlag.com