Erinnerung an Radio-Legende

„Maschine“ von den Puhdys trauert um Rik de Lisle: „Den alten Ami hörten alle in der DDR“

Dieter „Maschine“ Birr erinnert an die Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem legendären Radiomann Rik de Lisle, der im Alter von 79 Jahren starb.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Der „alte Ami“ Rik de Lisle (l.) und der ehemalige Pudys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr im Studio des Berliner Rundfunks (Januar 2017).
Der „alte Ami“ Rik de Lisle (l.) und der ehemalige Pudys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr im Studio des Berliner Rundfunks (Januar 2017).Bernd Friedel/imago

Nicht nur im Westen hörte man ihn. Seine Stimme mit dem Denglisch-Dialekt war auch im Osten Kult. „Rik de Lisle – den alten Ami haben wir doch alle in der DDR gehört“, sagt Dieter „Maschine“ Birr (82). Der ehemalige Frontmann der Puhdys erinnert im KURIER an die Radio-Legende Rik de Lisle, der jetzt im Alter von 79 Jahren verstorben ist.

Puhdys-Star erinnert sich an Rik de Lisle

„Hi, icke bin’s, der alte Ami!“ Als 1984 Rik de Lisle das erste Mal bei RIAS 2 auf Sendung ging, begeisterte der ehemalige Sergeant der US-Air-Force auch die Menschen auf der anderen Seite der Mauer – in Ost-Berlin. Viele kannten den Ami bereits aus seiner Zeit als Radio-DJ beim US-Soldatensender AFN. Einer von ihnen war Maschine.

Der einstige Frontmann der Puhdys kann es noch immer nicht so richtig glauben, dass die Stimme von Rik de Lisle für immer verstummt ist. „Ost-Sender hatte man bei uns doch kaum gehört, SFB und Rias wurden eingeschaltet“, sagt Maschine. „Da hörten wir auch den alten Ami mit seiner markanten Stimme und dem unvergleichlichen Akzent.“

Zwei Legenden im Gespräch: Rik de Lisle und Dieter „Maschine“ Birr.
Zwei Legenden im Gespräch: Rik de Lisle und Dieter „Maschine“ Birr.Bernd Friedel/imago

Die Rocklegende aus dem Osten und der legendäre Radiomann aus dem Westen: Maschine und der „alte Ami“ waren allerbeste Freunde. Nach der Wende lernten sie sich bei einem Puhdys-Konzert in Teltow kennen. Das hatte Folgen.

„Als Rik beim RIAS 2-Nachfolger rs2 war, veranstaltete er mit den Puhdys einen Band-Wettbewerb“, erinnert sich Maschine. „Das war 1999. Die Siegerband durfte dann im Vorprogramm unseres damaligen Konzerts in der Arena in Treptow auftreten.“

Welche Amateur-Band damals gewann, daran kann sich Maschine nicht mehr erinnern. Aber daran, dass der alte Ami den Puhdys-Sänger zum Radio holte. „Rik meinte immer, dass wir etwas zusammen im Radio machen sollten. Und so kam es auch.“

Maschine verdankt dem „alten Ami“, dass er 2000 eine eigene Show bei einem frisch gegründeten Rocksender (Rockland Sachsen-Anhalt) bekam. „Zunächst dachte ich, ich mache mit Rik eine Sendung. Doch er meinte, ich wüsste so viel über Musik und überließ mir allein das Mikro. Anderthalb Jahre hatte ich meine eigene Radioshow.“

2017 standen die Rock-Legenden und Freunde beim Berliner Rundfunk dann doch gemeinsam vor dem Mikro. Zu jener Zeit hatte Rik de Lisle eine neue Radioshow, in die er für eine Sendung Maschine als Gast einlud. Sie plauderten locker über den guten alten Rock ‘n‘ Roll. Dieter Birr wird das niemals vergessen.

Maschine erklärte damals wie wichtig der „alte Ami“ für die Rockmusik-Fans in der DDR war. „Einige Songs lernte ich durch Rik kennen, als ich seine Sendungen bei AFN hörte“, sagte Dieter Birr -  einmal bei einem Treffen mit Rik de Lisle.

Und Maschine fragte den „alten Ami“: „Kennst du noch Keith Emerson von Emerson, Lake & Palmer? Den habe ich sogar getroffen, als ich mit den Puhdys in London war. Wir hatten dort einige unserer Songs auf Englisch aufgenommen, saßen im Restaurant, da kam Keith herein. Er setzte sich unter die Leute, zeigte keine Star-Allüren. Ein klasse Typ.“

Das Cover von The Spliff Radio Show: Auf diesem Album ist Rik de Lisle als DJ zu hören.
Das Cover von The Spliff Radio Show: Auf diesem Album ist Rik de Lisle als DJ zu hören.CBS

Auch andere Stars hatten ihre Erlebnisse mit dem „alten Ami“. Bei manchen sorgte er sogar dafür, dass ihre Karriere so richtig Fahrt aufnahm. Etwa bei Spliff, der ehemaligen Band von Nina Hagen, die vom West-Berliner Fotografen Jim Rakete betreut wurde.

1980 erschien deren Platte „The Spliff Radio Show“, auf der Rik als DJ zu hören war. Diese typisch amerikanischen Radio-Jingles übernahm später der RIAS für Rock-Sendungen.

Radio-Legende Rik de Lisle gab Nena Englisch-Unterricht

Zwei Jahre später half der „alte Ami“ einem anderen Schützling von Jim Rakete. Das war Nena, die damals mit ihrer gleichnamigen Band und dem Song „Nur geträumt“ unterwegs war.

„Den ersten TV-Auftritt ihres Lebens hatte sie bei mir bei AFN, wo ich auch Fernsehen machte. Sie sang den Song als Probe für den Auftritt im ARD-Musikladen, der danach durch die Decke ging“, erinnerte sich Rik de Lisle vor Jahren im KURIER. „Später trainierte ich mit Nena Englisch für Interviews in den USA“. Das war, als 1984 die englische Version des Mega- Hits „99 Luftballons“ erschien, Platz 1 in den UK-Charts und Platz 2 in den US-Charts wurde.

Nena (Gabriele Susanne Kerner) mit ihrer Band, als ihr erster Hit „Nur geträumt“ erschien.
Nena (Gabriele Susanne Kerner) mit ihrer Band, als ihr erster Hit „Nur geträumt“ erschien.United Archives/imago#

Auch mancher internationaler Star machte mit Rik de Lisle Bekanntschaft. So zog der „alte Ami“ mit Billy Idol („Rebel Yell“) gerne durch die Kneipen.

„In den 80ern kam er stets an Wochenenden nach Berlin, weil ihn hier die Leute in Ruhe ließen. Bei einigen Kneipen-Touren war ich dabei“, sagte die Radiolegende einmal in einem KURIER-Gespräch. „Billy lud mich nicht nur zum Bier ein, er bezahlte auch die Zeche!“

„Alter Ami“ zog mit Billy Idol durch Berlins Kneipen

Rik war immer hautnah bei den Stars. REO Speedwagon („Keep On Loving You“) zeigte er als Stadtführer Berlin. Dass in der geteilten Stadt eines Tages die Mauer fallen würde, hätte der „alte Ami“ nie für möglich gehalten. Der 9. November 1989 war für ihn einer der schönsten Tage seines Lebens.

Rik de Lisle im Interview mit Steve Perry, Sänger der US-Band Journey (1980 in Berlin).
Rik de Lisle im Interview mit Steve Perry, Sänger der US-Band Journey (1980 in Berlin).Rik de Lisle/privat

„Ich bin dankbar, dass ich nach dem 9. November 1989 endlich meine Hörer aus Ostberlin und der DDR kennenlernen durfte, für die ich jahrzehntelang bei den Sendern AFN und RIAS Radio gemacht habe“, sagte er dem KURIER am 30. Jahrestag des Mauerfalls (2019). „Ich werde nie vergessen, wie am Tag nach dem Mauerfall über 100 DDR-Bürger zu mir ins Studio kamen.“

Die Menschen, die dich hörten und kennenlernen durften, werden dich nicht vergessen! Mach es gut, alter Ami!

Welche Erinnerungen haben Sie an Rik de Lisle? Haben Sie vielleicht gemeinsame Fotos mit dem alten Ami? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.