Es gehört zu den legendärsten Märchen, die die DDR-Zeit hervorgebracht hat – und einfach jeder erinnert sich an die riesigen Hunde, die im Inneren eines alten Baums die geheimnisvollen Truhen bewachen. Die Rede ist von „Das Feuerzeug“, einem Märchen, das bereits 1959 Premiere feierte und auch heute nichts von seinem Charme verloren hat. Schauspiel-Star Rolf Ludwig wurde auch durch diesen Film zur Legende. Doch der DEFA-Star, der Millionen Menschen verzauberte, erlebte ein furchtbares Ende. Wir erinnern an den Schauspieler und sein schlimmes Ende.
„Das Feuerzeug“ war schon in der DDR Kult!
Das Märchen „Das Feuerzeug“ erzählt die Geschichte eines jungen Soldaten, der aus dem Krieg in die Heimat zurückkehrt. Er trifft eine alte Hexe, die ein Feuerzeug sucht, das in einem alten Baum liegen soll. Der Soldat (gespielt von Rolf Ludwig) klettert in den Baum und trifft im Inneren auf drei große Hunde, die jeweils eine Truhe mit Gold, Silber und Kupfer bewachen. Er verlässt den Wald nicht nur mit viel Geld, sondern auch mit dem Feuerzeug, dessen Funktion er später entdeckt.
Das geheimnisvolle Feuerzeug kann nämlich die Hunde rufen, die die Truhen bewacht haben. Er kann es benutzen, um die Hunde aus dem hohlen Baum zu rufen und sich von ihnen Gold, Silber und Kupfer bringen zu lassen. Zugleich hört der Soldat von der schönen Prinzessin, die vom König im Schloss eingesperrt wird. Mithilfe der Hunde will er sich Zugang zur Prinzessin verschaffen – und startet in ein besonderes Abenteuer. Ob es ihm gelingt, das Herz der jungen Frau zu erobern? Das können die Zuschauer unter anderem am Sonntag im MDR sehen. Der Film „Das Feuerzeug“ wird hier um 16.40 Uhr ausgestrahlt.

Dann ist auch Schauspiel-Star Rolf Ludwig zu sehen – er spielte den Soldaten im DEFA-Film „Das Feuerzeug“, wurde auch mit dem Märchen zu einer der Filmlegenden der DDR. Doch viele wissen nicht, dass Ludwig ein dunkles Geheimnis hütete, das ihn auch mit seiner Filmfigur verband: Er wurde während des zweiten Weltkrieges selbst zum Kriegsdienst eingezogen, war 1943 Jagdflieger bei der Luftwaffe.
1944 erlebte er bei einem Einsatz den blanken Horror: Über Holland wurde der spätere Star aus „Das Feuerzeug“ abgeschossen und verwundet – und kam in britische Kriegsgefangenschaft. Rolf Ludwig mischte in dem Gefangenenlager auch im Lagertheater mit. Doch das Lager hinterließ bei ihm noch andere Spuren.
Der Krieg traumatisierte DDR-Star Rolf Ludwig
Seine Ehefrau Gisela erzählte Jahre nach seinem Tod der SUPERIllu, welches Trauma die Zeit bei ihm verursachte. „Zum Spaß hatte man ihn an die Wand gestellt und eine Erschießung simuliert“, erzählte sie dem Blatt. „Das war sein Albtraum, der immer wiederkam, den wollte er vergessen.“ Rolf Ludwig griff dabei zum Alkohol, betrank sich immer wieder. 1947 startete er nach der Entlassung aus dem Gefangenenlager direkt in die Schauspielkarriere. Da „ging die Post ab“, sagte seine Frau.
Er sei sehr großzügig gewesen, habe oft die ganze Kneipe eingeladen. Über sich selbst sagte Rolf Ludwig, er sei „ein Suffkopp“ gewesen. Seine Frau Gisela versuchte, ihn vom Trinken abzuhalten. „Ich holte Rolf immer vom Theater ab, denn auf dem kurzen Weg zu unserer Wohnung lag eine Kneipe neben der anderen.“ Und der Geruch der Kneipen habe ihn magisch angezogen – obwohl er zu Hause nie einen Tropfen trank. Nicht mal zu Silvester habe er den Alkohol angerührt, berichtete sie.

Der Alkohol begleitete Rolf Ludwig durch die Karriere. Zuerst stand er auf der Theaterbühne, unter anderem in Radebeul und in Berlin. 1956 kam dann der erste Auftritt für die DEFA im Film „Der Hauptmann von Köln“. Zahlreiche Filme folgten, darunter „Das Feuerzeug“ von 1959.
Rolf Ludwig spielte mit bei „Der Fall Gleiwitz“ (1961), „Viel Lärm um Nichts“ (1964), „Die Legende von Paul und Paula“ (1973), „Lotte in Weimar“ (1975), „Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus“ (1977) in anderen Filmen. Auch in Serien wie „Polizeiruf 110“ und „Der Staatsanwalt hat das Wort“ stand Rolf Ludwig vor der Kamera.
Schweres Schicksal: Rolf Ludwig wurde im Alter krank
Doch in den späteren Jahren ging es mit der Gesundheit bergab. Nach der Wende spielte er im Jahr 1997 seine letzte Rolle im Film „Winterkind“. Schon 1994 hatte er sich einer schweren Herzoperation unterziehen müssen. Danach gab er das Trinken auf, stand weiter vor der Kamera. 1998 dann der herbe Schlag: Rolf Ludwig hatte zwei Lungenentzündungen überstanden, als bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Er starb im März 1999 in den Armen seiner Frau.
Seinen Tod sah er kommen. „Am Abend zuvor saß er auf dem Sofa und sagte: Gisel, das war's. Ich hatte ein tolles Leben, sagte Gisela Ludwig im Interview mit dem Magazin.
Rolf Ludwig hinterließ ein riesiges Erbe – mit zahlreichen erfolgreichen Filmen, aber vor allem mit dem unvergessenen Märchen „Das Feuerzeug“. Mehr als fünf Millionen Menschen sahen den Streifen in den Kinos der DDR, was ihn zu einem der erfolgreichsten Märchenfilme der DDR macht.




