Erinnern Sie sich noch?

„Die goldene Gans“: so trickste die DDR bei der Märchen-Legende

Der Film „Die goldene Gans“ ist ein echter DEFA-Klassiker. Aber: Wie funktionierten im Jahr 1964 die verrückten Filmtricks? Wir verraten es!

Author - Florian Thalmann
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„Die goldene Gans“ ist ein echter Märchenklassiker der DDR. Doch um den Film zu realisieren, musste ordentlich getrickst werden.
„Die goldene Gans“ ist ein echter Märchenklassiker der DDR. Doch um den Film zu realisieren, musste ordentlich getrickst werden.DEFA/Youtube

Es gibt Märchenfilme, die vergisst man einfach nicht – das gilt ganz besonders für die herrlichen Filme aus der DDR. Zurzeit werden sie wieder im Fernsehen gezeigt, denn rund um das Osterfest wird damit die ganze Familie blendend unterhalten. Ein Film, der sich ins Gedächtnis vieler Märchenfans eingebrannt hat, ist „Die goldene Gans“. Ein wahrer Klassiker, der noch heute viele in seinen Bann zieht und zu einer echten DDR-Legende wurde. Manches in dem Streifen grenzt an Zauberei. Doch die geheimen Tricks des Märchens wurden schon enthüllt!

„Die goldene Gans“ war ein Klassiker der DDR

Die Story des Films: „Die goldene Gans“ dreht sich um den Schusterjungen Klaus, der mit seinen Brüdern Hans und Kunz eine Schusterwerkstatt geerbt hat. Doch Klaus muss die komplette Arbeit allein machen, weil seine Brüder sehr faul sind. Als er eines Tages im Wald ist und einem armen Mütterchen etwas von seinem Essen und seinem Trinken abgibt, bekommt er zur Belohnung eine goldene Gans.

Doch die hat es in sich: Jeder, der sie unrechtmäßig berührt, soll an ihr hängen bleiben. Und tatsächlich: Im Laufe des Märchens trifft Klaus verschiedene Menschen, die allesamt an der Gans kleben bleiben. Allerdings hat er auch einen Plan: Im Schloss des Königs lebt die Prinzessin, die nicht lachen kann – und zusammen mit seiner verzauberten Gans und der Polonaise will Klaus sein Glück versuchen.

Denn wer die junge Frau zum Lachen bringt, darf sie heiraten. Ob das gelingt – und die beiden in der Welt des Märchens „Die goldene Gans“ ein Happy End erleben? Wer das wissen will, kann das Märchen aus der DDR am Karfreitag um 17.45 Uhr im MDR sehen.

Im Film „Die goldene Gans“ bleiben immer mehr Menschen an der goldenen Gans kleben. In der DDR musste dafür ordentlich getrickst werden.
Im Film „Die goldene Gans“ bleiben immer mehr Menschen an der goldenen Gans kleben. In der DDR musste dafür ordentlich getrickst werden.DEFA/Youtube

Der besondere Streifen entstand in den Studios der DEFA – und kam schon im Jahr 1964 in die Kinos. Das Besondere: Während heute vieles mit Spezialeffekten gelöst wird, war die Technik damals noch nicht so weit. Trotzdem sind im Film unglaubliche Dinge zu sehen: Die goldene Gans zieht Gegenstände und Menschen magisch an.

Die Macher des Films mussten ordentlich tricksen, um die Magie auf die Leinwand zu bringen. Wie? Das enthüllten Kaspar Eichel, der den Schusterjungen Klaus spielte, und Prinzessin Karin Ugowski schon vor Jahren in einem Interview.

Geheime Tricks der DDR: So entstand „Die goldene Gans“

Im Blog „Prominent im Ostblog“ packten die beiden über die kleinen Geheimnisse des Streifens aus – und verrieten, wie man dafür sorgte, dass die goldene Gans Gegenstände magisch anzog. „Man befestigte ganz dünne Kupferlongen an den Sachen, an denen ein Techniker dann ganz vorsichtig zog“, sagte der Schauspieler Kaspar Eichel. „So schwebten die Geige und der Geigenbogen auf die Gans zu, die Röcke der Mädchen oder das Florett von Prinz Störenfried, als ich mit ihm kämpfe.“

Szene aus „Die goldene Gans“ aus der DDR: Der König ist verzweifelt, weil seine Tochter, die Prinzessin, nicht lachen kann.
Szene aus „Die goldene Gans“ aus der DDR: Der König ist verzweifelt, weil seine Tochter, die Prinzessin, nicht lachen kann.DEFA/Youtube

Allerdings brachte die Technik auch einige Probleme mit sich. „Manchmal riss der Draht, und das Ganze musste noch mal gedreht werden. Es war ziemlich aufwendig.“ Nicht immer ging es dabei offenbar mit dem nötigen Ernst zu.

So verriet Eichel ein kleines Geheimnis der Szene, in der ein Hauptmann des Königsschlosses am Schwanz des Esels am Ende der Polonaise hängen blieb. Die Szene sei etliche Male gedreht worden – weil der Kameramann Karl Plintzner den Hauptmann (Ralph J. Boettner) nicht leiden konnte! „Karl ließ ihn die Einstellung zigmal wiederholen und tat, als ob er das filmte. Dabei hatte er gar keinen Film in der Kamera.“

Für die Tricks im Film „Die goldene Gans“ arbeiteten die Filmemacher der DDR unter anderem mit dünnen Kupferdrähten.
Für die Tricks im Film „Die goldene Gans“ arbeiteten die Filmemacher der DDR unter anderem mit dünnen Kupferdrähten.DEFA/Youtube

„Die goldene Gans“: So wurde die Gans zum DDR-Star

Auch die Gans litt unter der Trickserei im Film. Denn die goldene Färbung bekam sie, indem man sie einsprühte. Aus heutiger Sicht undenkbar, doch damals behalf man sich so. „Hätte es damals schon Computertricks gegeben, hätte man die Gans auch leicht einfärben können. Unsere wurde mit Goldbronze besprüht, was ihr nicht so gut bekam“, erzählte Eichel.

Das Tier selbst war übrigens eine kleine Diva: Im Film wirkt sie recht ruhig, doch das sei nicht die Wirklichkeit gewesen. „Sie schnatterte manchmal ganz schön laut. Wir mussten dann warten, bis sie sich beruhigt hat. Damit ich sie überhaupt halten konnte, waren ihre Beine zusammengebunden“, schilderte Eichel.

Seine Filmpartnerin Karin Ugowski erinnert sich, wie schwierig es war, das Tier zu bändigen. „Man glaubt gar nicht, welche Kraft diese Vögel in den Flügeln haben.“ Bemerkenswert auch: Der Film wurde komplett in den Studios der DEFA gedreht – in Sachen Kulissenbau waren die Filmemacher der DDR einfach allererste Sahne. Nicht umsonst verzaubert der Film noch heute Groß und Klein.

Steile Filmkarriere nach „Die goldene Gans“ in der DDR

Beide Schauspieler legten im Filmgeschäft in der DDR übrigens eine steile Karriere hin. Karin Ugowski ist die wohl bekannteste Filmprinzessin der DEFA, spielte auch die Goldmarie in „Frau Holle“ und stand für „König Drosselbart“ vor der Kamera.

Kaspar Eichel war ein Jahr nach seinem Auftritt in „Die goldene Gans“ im Film „Die Abenteuer des Werner Holt“ zu sehen und wirkte in etlichen Film- und TV-Produktionen mit, unter anderem in „Polizeiruf 110“. Bis weit nach der Wende stand er vor der Kamera. Doch seine Rolle als Schusterjunge Klaus werden die Märchenfans der DDR nie vergessen.

Haben Sie den Film „Die goldene Gans“ gesehen – und an welche Märchen von damals denken Sie noch gern zurück? Schicken Sie uns eine Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!