Wenn in der DDR Märchen geschaut wurden, dann kamen die nicht nur aus den Studios der Defa, sondern immer wieder auch aus der Sowjetunion. Das wohl berühmteste Beispiel ist „Abenteuer im Zauberwald“ – ein Märchenfilm, der gleich mehrere bekannte Figuren prägte. Neben der Hexe Baba Jaga hinterließ vor allem Väterchen Frost einen bleibenden Eindruck bei den Zuschauern. Das Märchen machte Schauspieler Alexander Leopoldowitsch Chwylja auch in der DDR zur Legende. Doch sein Leben endete zu früh – und nicht märchenhaft.
„Abenteuer im Zauberwald“: Väterchen Frost wurde zum Star
Erinnern Sie sich noch an das Märchen „Abenteuer im Zauberwald“? Die Produktion aus Russland kam schon im Jahr 1965 in die Kinos – und hat heute, viele Jahre später, nichts von ihrem Charme verloren! Der berühmte Filmemacher Alexander Rou brachte den Streifen auf die Leinwand – ein Regisseur, der den Märchen-Fans der Welt auch viele andere Filme schenkte.
Zu seinem Schaffen gehörten auch „Der Zauberfisch“, „Feuer, Wasser und Posaunen“, „Der Hirsch mit dem goldenen Geweih“ und „Die schöne Warwara“. Doch „Abenteuer im Zauberwald“ bleibt ohne Frage sein kultigstes Märchen.
Der Film erzählt die Geschichte der schönen Nastjenka, auch Nastja genannt. Sie lebt bei ihrem Vater und ihrer bösen Stiefmutter und wird von ihr in Aschenputtel-Manier zur Arbeit angetrieben. Sie lernt an einem Fluss den Prahlhans Iwan kennen, der später durch einen Zauber in einen Bären verwandelt wird.
Ein verrücktes Abenteuer im Zauberwald beginnt – wer es sehen will, sollte am Sonntag um 16.45 Uhr den Fernseher einschalten. Denn dann wird der Kult-Film im MDR als Sonntagsmärchen gezeigt. Auch die Hexe Baba Jaga und Väterchen Frost haben dann einen Auftritt, zwei berühmte Figuren aus der russischen Folklore. Vor allem Väterchen Frost kommt große Bedeutung im Märchen zu – im Original trug der Film, der in der DDR populär war, deshalb sogar seinen Namen.

Es war das eigentliche Ziel von Alexander Rou, das Märchen von Väterchen Frost zu verfilmen. Allerdings wurden in dem Streifen mehrere russische Märchen miteinander kombiniert, die Rolle von Väterchen Frost fiel damit entsprechend kleiner aus. Im Deutschen bekam der Film aus diesem Grund den Titel „Abenteuer im Zauberwald“, unter dem er auch heute noch bekannt ist.
Spannend: Aufgrund des neuen Titels musste sogar der Vorspann des Films umgeschnitten werden. Im Original waren – passend zu Väterchen Frost – unter anderem Eiskristalle zu sehen, bei „Abenteuer im Zauberwald“ wurden daraus Bilder von Wäldern und Bäumen.
Väterchen Frost: Vom Eisenbahner zum Schauspiel-Star
Ob mit Eiskristallen oder Bäumen: Vor allem dem russischen Schauspieler Alexander Leopoldowitsch Chwylja brachte der Streifen „Abenteuer im Zauberwald“ den großen Durchbruch in der DDR. Zuvor hatte er schon in Russland Karriere gemacht. Chwylja wurde in der Ukraine geboren, verlor aber sehr früh seinen Vater.
Nach der Schule besuchte er erst eine Eisenbahnerschule und absolvierte später eine Schauspielausbildung in Lwiw. Erste Engagements führten ihn danach in mehrere Theater, wo er erst viele Nebenrollen, später auch Hauptrollen spielte.

Nach 1932 wurde das spätere Väterchen Frost auch für den Film entdeckt. In insgesamt mehr als 90 Produktionen stand er in den darauffolgenden Jahren vor der Kamera, dazu gehörten „Gesprengte Fesseln“, „Die verzauberte Marie“ und „Das purpurrote Segel“.
Seine letzten Auftritte hatte er in nahezu sämtlichen Märchenfilmen von Alexander Rou. Die Rollen machten den Schauspieler international bekannt. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet, erhielt unter anderem den „Orden des Roten Stern“ und das „Ehrenzeichen der Sowjetunion“. Chwylja wurde sogar zu einem gerngesehenen Gast im Moskauer Kreml: Jahrelang trat er dort laut Überlieferung bei den Weihnachtsfeiern als Väterchen Frost auf.
Letzter großer Auftritt für Väterchen Frost im Jahr 1974
Seinen letzten Auftritt im Film hatte Alexander Leopoldowitsch Chwylja nicht als Väterchen Frost, sondern im Streifen „Bis zur letzten Minute“, der im Jahr 1974 erschien. Doch der Schauspieler erkrankte schwer, musste sich aus dem Filmgeschäft zurückziehen. Laut Berichten soll er in den letzten Jahren seines Lebens schwer an Asthma gelitten haben.
Im Jahr 1976, zwei Jahre nach dem letzten Auftritt im Film, starb das berühmte Väterchen Frost der DDR nach langer Krankheit. Chwylja wurde 71 Jahre alt. Sein sterblichen Überreste wurden auf dem Kuntsevo-Friedhof in Moskau begraben. Der tragische Tod beendete eine beispiellose Karriere beim Märchenfilm – doch die Fans der Filme werden sich noch lange an Alexander Chwylja und seinen ganz besonderen Auftritt als Väterchen Frost erinnern.



