Die DDR ist untergegangen? Denkste! In Köpenick ist sie gleich dreifach wieder auferstanden. In einem feinen Theater in der Altstadt findet man sie singend, tanzend und auch zoffend: Dagmar Frederic (80), Dagmar Gelbke (75) und Regina Thoss (79). Ihre ersten Buchstaben vom Vornamen ergeben D.D.R. Zusammen sind die Ost-Ladys 234 Jahre alt und feiern jetzt in Berlin die „Auferstehung der Ruinen“!
Frederic, Gelbke, Thoss: Aus ihren Vornamen wird D.D.R.
Dagmar Frederic, Dagmar Gelbke und Regina Thoss haben weit über 60 Jahre Bühnenerfahrung. Jede für sich war einst in der DDR ein Star, den der Westen mit West-Stars verglich: Frederic als die Catharina Valente des Ostens („Du hast gelacht“, „Was halten Sie vom Tango?“), Gelbke als „Marlene Dietrich des Ostens“ (Kabarettistin und Bühnenpartnerin der unvergessenen Helge Hahnemann) und Regina Thoss als „Milva des Ostens“ („Die Liebe ist ein Haus“, „Nimm den Kuss als Souvenir“).

Noch immer sind die Ost-Ladys erfolgreich auf den Brettern unterwegs, die die Welt bedeuten. Dass man sie jetzt im Altstadttheater Köpenick trifft, ist daher nichts Ungewöhnliches. Aber ungewöhnlich ist, dass Frederic, Gelbke und Thoss dort für eine gemeinsame Show proben. „Denn wir standen noch nie zusammen auf der Bühne!“

Man traf sich zwar bei Veranstaltungen. „Zu dritt mussten wir zu einem Manöver der Ost-Armeen, um vor Offizieren aufzutreten – aber getrennt“, erzählen sie. Nun wollen Dagmar, Dagmar und Regina endlich gemeinsam die Bühnen des Landes erobern – als die „Golden Girls des Ostens“.

Die Idee dazu hatte Dagmar Gelbke. Vertieft wurde der Gedanke mit Bernd Beel (81), einem Schlagersänger aus dem Westen, der im Osten so oft auftrat, dass man ihn für einen DDR-Star hielt. „Bernd war es auch, der mit unseren Vornamen spielte und dann auf die D.D.R. kam“, sagt Gelbke.
Manager von Johannes Heesters mischt bei DDR-Revue mit
Mit dem Autor und Agenten Thorsten Groneberg, einst Manager von Johannes Heesters (starb 2011 im Alter von 108 Jahren), spannte Gelbke den Faden der „Ost-Golden-Girls“ weiter. In Anlehnung an den Text der DDR-Hymne („Auferstanden aus Ruinen“) entstand der Show-Titel „Auferstehung der Ruinen“.

In einigen Städten war die Show schon zu sehen. Im April ist endlich Berlin dran, der Heimatstadt der drei „Ruinen“, die der KURIER im Köpenicker Altstadttheater trifft. Dort dürfen sie seit Beginn des Projekts proben – auf Vermittlung des Zille-Darstellers Albrecht Hoffmann (65), der gleich nebenan sein kleines Zille-Theater hat.
Thoss, Frederic, Gelbke: Wie fühlt man sich als Ruine?
Wie man sich so als „Ruine“ fühlt? „Ganz ehrlich, sehen wir wie Ruinen aus?“, fragt Regina Thoss zurück. „Wir alle sind noch flott unterwegs!“ Sieht Dagmar Gelbke nicht so ganz, einige Zipperlein plagen sie. „Die habt ihr nicht, aber ich – und ich bin die Jüngste von uns drei Ruinen!“
Solche Sprüche bekommt auch das Publikum zu hören. „Die Geschichte unserer Show ist ganz einfach: Da treffen sich drei Diven, die gemeinsam singen und sich verbal kräftig ans Schienbein treten. Das gegenseitige Auf-die-Schippe-nehmen macht Spaß“, sagt Dagmar Frederic.
Danach stimmen die Ost-Ladys gleich einen ihrer Songs an. Nach der Melodie des „Village-People“-Hits „Y.M.C.A.“ singen sie voller Stolz: „Wir drei Ruinen aus der DDR.“ Dabei hüpfen und springen sie in ihren schwarz-rot-goldenen Kostümen.

Ja, die DDR spielt in der Show irgendwie schon eine Rolle. „Aber wir wollen und werden nichts beschönigen“, sagt Dagmar Frederic. Regina Thoss erklärt: „Aber es war auch nicht alles schlecht.“ So wie Frederic, Gelbke und Thoss. Sie haben ihr Publikum, auch wenn die drei Ost-Ladys im Radio kaum oder gar nicht mehr gespielt werden.


