Haben Sie zu DDR-Zeiten Märchenfilme geschaut? Wenn, dann kamen die ganz sicher nicht nur aus den Studios der Defa. Auch Märchen aus Russland waren ein echter Hit – die Märchen-Oma, die am Anfang berühmter Filme wie „Abenteuer im Zauberwald“ ihre Fensterläden öffnete, um ihre Geschichte zu erzählen, hat sich ins Gedächtnis vieler Filmfans eingebrannt. Auch „Feuer, Wasser und Posaunen“ war und ist ein Hit. Und das liegt auch am Schauspieler Georgi Milljar, der die Hexe Baba Jaga spielte. Doch der Streifen hat ein dunkles Geheimnis.
„Feuer, Wasser und Posaunen“ wird jetzt wieder gezeigt
Viele russische Märchen waren auch in der DDR Kult – und sind es noch heute. Filme wie „Abenteuer im Zauberwald“ mit Väterchen Frost, „Die schöne Warwara“ und „Der Hirsch mit dem Goldenen Geweih“ hatten damals viele Fans – und werden auch Jahrzehnte später noch regelmäßig im Fernsehen gezeigt.
Am Ostermontag läuft nun auch „Feuer, Wasser und Posaunen“ im Fernsehen (MDR, 15.30 Uhr) – dann hat auch eine der berühmtesten russischen Märchenfiguren wieder einen Auftritt in vielen Wohnzimmern in Deutschland: die gruselige Hexe Baba Jaga!
Das ist die Story von „Feuer, Wasser und Posaunen“
Falls Sie sich nicht an die Story des Films erinnern: In „Feuer, Wasser und Posaunen“ geht es um das Gerippe Unsterblich, das die Tochter der Hexe Baba Jaga heiraten möchte. Doch dann bringt ihn ein Zauber dazu, sich auf die Suche nach einer jüngeren Braut zu machen.
Die Wahl fällt auf die schöne Aljonuschka. Er entführt sie, bekommt aber Konkurrenz: Der Köhler Wasja macht sich mit seiner Ziege Weißchen auf den Weg, um seine Liebste Aljonuscha zu retten. Ein großes Abenteuer beginnt – im Verlauf trifft er unter anderem auf den Zaren Fedul VI., den Meerkönig und natürlich Baba Jaga.

Der Film „Feuer, Wasser und Posaunen“ feierte am 29. Dezember 1968 seine Premiere in der Sowjetunion – zuvor war er aber bereits in der DDR gelaufen, war hier am 13. Dezember des gleichen Jahres zu sehen. Knapp ein Jahr später schaffte es der Märchenfilm aus Russland auch ins Fernsehen der DDR.
Dann wurde es ruhig um den Streifen, bis er kurz vor der Wende, im Oktober 1989, erneut gezeigt wurde. Bis „Feuer, Wasser und Posaunen“ auch im Westen landete, dauerte es länger: Erst im April 1994, Jahre nach der Wiedervereinigung, lief der Film in ganz Deutschland.
Georgi Milljar: Darum spielte ein Mann die Hexe Baba Jaga
Noch heute ist der Film Kult – auch dank Georgi Milljar, der in dem Märchen von Alexander Rou die Hexe Baba Jaga spielt. Er wurde auch mit dieser Rolle zum großen Star – aber warum eigentlich? Schließlich würde man in der Rolle der Hexe eine Frau erwarten.
Doch dass Milljar die Figur spielte, hat einen Grund: Der Regisseur Alexander Rou wusste nicht, mit wem er die Hexe Baba Jaga besetzen sollte. Also beriet er sich mit dem Schauspieler. Und der machte ihm klar, dass es keine Rolle für eine Frau sei.

Hexe Baba Jaga war für die damalige Zeit zu gruselig
„Sagen Sie mir: Welche Schauspielerin würde zulassen, dass man sie auf der Leinwand so hässlich macht?“, sagte er in einem Interview. „Kaum dreht sich der Maskenbildner um, würde sie sich sofort die Wimpern nachziehen. Ich hingegen halte alles aus.“ Und das meinte er ernst: Überliefert ist, dass sich Milljar für seine Rollen nur zu gern entstellte. Der Schauspieler soll schon mit abrasierten Haaren und Augenbrauen in die Maske gekommen sein, damit die Maskenbildner leichtes Spiel hatten.
Und sie nutzten die Chance! Für die damalige Zeit sah die Hexe Baba Jaga so gruselig aus, dass die Kinder am Set des Films laut Berichten vor Angst wegliefen und weinten. Um seine Hexe überzeugend darzustellen, orientierte sich Milljar übrigens an einer Frau, neben der er einmal wohnen musste. „Ihr Charakter war furchtbar, sie war streitsüchtig und musste immer Leute gegeneinander aufbringen“, sagte er.
Für seine Rolle nahm er noch mehr hin. Georgi Milljar soll alle seine Stunts und Tricks selbst ausgeführt haben. Besonders heftig war das im Film „Die schöne Wassilissa“ von 1940. Hier musste er als Hexe Baba Jaga durch eine Metallrutsche rutschen, um aus dem Ofen zu kommen. Gedreht wurde im Sommer – und die Szene musste mehr als 20 Mal gefilmt werden. Das Metall des Rohrs erhitzte sich damals so stark, dass sich der Schauspieler verbrannte.
Doch der Aufwand lohnte sich: Etliche Male schlüpfte der Schauspieler in die Rolle von Hexe Baba Jaga, nicht nur in „Feuer, Wasser und Posaunen“. Er ist damit bis heute eine echte Legende der Märchenfilme, die schon in der DDR bekannt waren.
Baba Jaga: Schauspieler nahm Geheimnisse mit ins Grab
Privat lief es bei dem Schauspieler, der sein Handwerk am „Theater der Revolution“ in Moskau gelernt hatte, aber nicht immer märchenhaft. Viele Geheimnisse nahm Georgi Milljar mit ins Grab. So ist überliefert, dass er dem Alkohol sehr zugeneigt gewesen sein soll.
Zwar galt er nicht als starker Trinker. Es gibt allerdings Berichte, die besagen, dass ihm der Alkohol am Filmset verboten wurde – und er die Getränke zum Teil in Milchdosen zum Dreh geschmuggelt haben soll. Außerdem lebte Milljar meist zurückgezogen, pflegte nicht viele Freundschaften, vor allem nicht zu anderen Schauspielern.

Auch über sein Liebesleben ist nicht viel bekannt. Erst im Alter von 65 Jahren heiratete er seine verwitwete Nachbarin. Dazu gibt es eine schöne Geschichte: Er soll ihr einen Antrag gemacht haben, doch sie antwortete, sie brauche keinen Mann mehr. Daraufhin soll Georgi Milljar geantwortet haben: „Ich bin kein Mann, ich bin Baba Jaga.“
Seine Angebetete lachte daraufhin – und sagte „Ja“. Allerdings wurde auch darüber spekuliert, ob Milljar in Wirklichkeit homosexuell war – und die Ehe helfen sollte, seine Neigung zu verbergen. Dieses Rätsel um Hexe Baba Jaga ist bis heute nicht vollends geklärt. Georgi Milljar starb im Juni 1993 und wurde in Moskau beigesetzt.
Böse Hexe Baba Jaga hatte ein viel zu weiches Herz
Was bleibt, sind viele Erinnerungen an den Schauspiel-Star, der auch in der DDR so viele Fans hatte. Sehr bescheiden soll er gewesen sein, heißt es. „Er besaß nur einen einzigen Anzug für öffentliche Auftritte, einen Mantel, ein Barett“, erzählte eine langjährige Freundin später in einem Interview.



