Berlin hat eine seiner markantesten Stimmen verloren. Rik De Lisle, Radiomacher, Rock ’n’ Roll‑Fan, Berliner Original – ist im Alter von 79 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben. Die Nachricht trifft viele Berliner Radiohörer mitten ins Herz. Denn „Der alte Ami“ hat das Berliner Radio 48 Jahre lang geprägt wie kein anderer.
Der alte Ami war ein Radiopionier, der Generationen prägte
Rik war bis Ende 2025 noch täglich beim Berliner Rundfunk 91.4 zu hören. Seine Show war Kult: dieser lässige Mix aus Deutsch und Ami‑Slang, seine Geschichten aus wilden West‑Berlin‑Zeiten, Backstage‑Anekdoten mit Rockgrößen, Newcomern und Legenden. Rik war einer, der nicht nur Musik spielte – er lebte sie.
Er selbst hätte nie behauptet, eine Legende zu sein. Aber genau das war er. Ein Radiopionier, der Generationen geprägt hat. Ein Kollege, der Türen öffnete, Talente entdeckte, junge Stimmen groß machte. Ein Typ, der immer neugierig blieb, immer nahbar, immer mit Herz und Humor. Wer mit Rik arbeitete, wusste: Der Mann brannte für Radio.
Seit 1978 war er in Berlin auf Sendung. Die US-Army versetzte Sergeant Rik de Lisle in die eingemauerte Stadt und setzte ihn beim Soldatensender AFN hinter das Mikro. „Ich wusste gleich in den ersten Tagen, Berlin ist eine geile Stadt, hier bleibe ich“, sagte er vor vier Jahren in einem Interview mit dem Berliner KURIER.

Und er blieb. Sagte der US-Army bye-bye und heuerte 1984 bei Rias 2 an. Ohne damals ein Wort Deutsch zu sprechen. Seine ersten Moderationen schrieb er phonetisch auf einen Zettel: Es ist „fear oor swanzig“ (vier Uhr zwanzig).
Mit seinem Amerika-Deutsch wurde Rik de Lisle Kult. Im Westen – und natürlich auch im Osten. Die Mauer verhinderte vieles, aber Radiowellen konnte sie auch nicht stoppen. Der Spruch „Icke bin’s, der alte Ami“ war sein Markenzeichen.
Sein Deutsch lernte Rik de Lisle beim Gemüsehändler
Und natürlich war Rik auch beim Deutschlernen ein echtes Original. Einen Kurs? „Niemals!“, erzählte er gern. Stattdessen brachte ihm sein Gemüsehändler die Sprache bei – jeden Tag eine neue Aufgabe. „Ich hätte gern ein Kilo Möhren“, musste Rik sagen, sonst gab’s keine Ware. Den Ami‑Akzent aber? Den pflegte er mit voller Absicht. „Die Leute sollen hören, wer ich bin“, sagte er.
Als Rias 2 sich nach der Wende in das Privatradio rs2 transformierte, wurde Rik de Lisle Programmdirektor. Später wurde er der Hauptstadt ein paar Jahre untreu, moderierte in Hessen und Sachsen. Doch ohne die Hauptstadt konnte er nicht. 2014 war er zurück – als Programmdirektor bei 94,3 rs2. Später moderierte er beim Berliner Rundfunk.

Die Region Berlin-Brandenburg hat ihn nie losgelassen. Nach der Wende kaufte er in Brandenburg ein altes Haus, sanierte es selbst und wurde sofort Teil der Dorfgemeinschaft. Freiwillige Feuerwehr? Klar, da machte er mit. Beim großen Oder-Hochwasser holte er Nachbarn ins Haus, als wäre es das Normalste der Welt.
Und weil Rik eben Rik war, stellte er sich auch beim Bürgermeister persönlich vor. Der antwortete trocken: „Die Russen gehen, die Amis kommen.“ Genauso wurde Rik im Ort aufgenommen – als der neue Ami, der sofort dazugehörte.
Rik de Lisle vermisste das Lebensgefühl von West-Berlin
Im Interview mit dem Berliner KURIER sagte er vor vier Jahren: „Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin der letzte Berliner.“ Heute vermisse er etwas, erklärte er. „Das ganz spezielle Zusammengehörigkeitsgefühl von damals, das gibt es nicht mehr.“ In US-Uniform mit Punks und Hausbesetzern trinken – das ging nur in West-Berlin, auf der Insel, auf der alle miteinander klarkommen mussten.



