Für so manchen wird er als der Mann in Erinnerung bleiben, der auf der Kinoleinwand Winnetous Schwester erschoss. Für andere wird er der Weltstar sein, der in legendären Filmen wie „Die Blechtrommel“ mitspielte. Für den ehemaligen Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr (82) ist Mario Adorf vor allem eins: „Ein ganz großer und liebenswerter Mensch, der nun von uns gegangen ist.“
„Mit Mario Adorf zu arbeiten, war eine Ehre“
Die Schauspieler-Legende, die am 8. April im Alter von 95 Jahren starb: Mit Mario Adorf hatten die Puhdys ganz wilde Zeiten erlebt – auf der Rockbühne und im Film. „Mit ihm arbeiten zu dürfen, war eine Ehre“, sagt Maschine dem KURIER.
Diese Ehre wurde den Puhdys zuteil. Die Zusammenarbeit des Weltstars mit der Kultband aus dem Osten ist zwar schon 29 Jahre her. Aber für Maschine ist es so, als wäre es erst gestern gewesen.
„Es war 1997, als Regisseur Matti Geschoneck die Puhdys für einen Fernsehfilm wollte“, sagt Maschine. „Erst waren wir skeptisch. Als wir aber erfuhren, dass Mario Adorf die Hauptrolle spielte, sagten wir ohne zu zögern zu.“

„Comeback für Freddy Baker“ hieß der TV-Streifen, der für die ARD gedreht wurde und in dem Adorf einen alten Schlagerstar spielt. „Peter Meyer, Quaster und ich waren im Film als seine Begleitmusiker zu sehen.“
Und nicht nur das: Mario Adorf sang in dem Film auch den Puhdys-Song „Gigolo“, der mit dem Schauspieler neu aufgenommen wurde. 1999 erschien die Version auf dem Puhdys-Album „Wilder Frieden“.
Im Tonstudio und am Filmset kamen sich die Musiker und der Schauspieler näher. Die Chemie stimmte. „Mario hat nie den Weltstar heraushängen lassen. Wir verstanden uns prima“, sagt Birr. Und die Männer hatten jede Menge Spaß!
„Mario Adorf hat sich über unsere Witze halb tot gelacht“
„Ich erinnere mich noch, wie Mario und ich in der Drehpause einen dieser typischen ,Kommt ein Mann zum Arzt‘-Witze spielten“, sagt Maschine. „Schon beim ersten Mal hat sich Mario Adorf halb tot gelacht. Doch als wir dann die Sache wiederholten und sogar filmten, sind wir fast vor Lachen gestorben. Mario schaffte gerade die Pointe, dann konnte er sich nicht mehr halten.“
Der Film wurde zum Grundstein einer echten Freundschaft zwischen den Kult-Musikern und dem Kult-Schauspieler. Und das konnte jeder sehen, als 1999 die Puhdys ihren 30. Bandgeburtstag in der Berliner Waldbühne feierten.

„Ich werde nie vergessen, wie Mario anrief, er werde extra an diesem Tag aus Mailand nach Berlin kommen, einfach nur, um mit uns auf der Bühne zu stehen und den Song ,Gigolo‘ zu singen. Das war ein Ritterschlag für uns“, sagt Maschine.
Allerdings gab es ein Problem. Mario Adorf landete zwar in Berlin, aber sein Koffer kam nicht mit. „Er wollte sich besonders für den Auftritt kleiden. Adorf ist ein Perfektionist, wollte schon absagen, weil seine Sachen nicht da waren“, erinnert sich Birr. „Dann erklärte ich ihm am Telefon: Mario, komm einfach. Bei einem Rockkonzert kann man ruhig mit einem legeren Outfit auftreten.“



