Ein großes Energieunternehmen hat jetzt einer Kundin eine Rechnung gestellt. Eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches. Aber: Die Frau, der man die Stromrechnung schrieb und die diese jetzt bezahlen soll, ist bereits seit fast einem Jahr tot. Klingt alles wie ein böser Scherz, ist aber keiner. Der Fall ist tatsächlich in Berlin passiert.
Tote Kundin: Mit einem neuen Stromvertrag fing alles an
Die ganze Geschichte fängt mit einem Brief des Energiekonzerns Vattenfall an, den Manuela Cink (57) erhält. In dem Schreiben vom 10. März 2026 geht es um das Stromkonto ihrer Mutter Monika Ebert, die in einem Neubaublock in Berlin-Mitte lebte.
Manuela Cink ist sehr erstaunt, was sie da in dem Brief lesen muss. Denn in dem Schreiben bestätigt das Unternehmen, dass zwischen Frau Ebert und Vattenfall am 25. Juli 2025 ein neuer Stromliefervertrag für den Tarif Berlin Basis Privat Strom zustande gekommen ist. Dazu kommt eine Bitte: Das Unternehmen möchte gerne „den Zählerstand vom Tag des Vertragsbeginns“ mitgeteilt bekommen.

„Wie kann das sein?“, fragt sich Manuela Cink nach dem Lesen des Schreibens immer wieder. „Meine Mutti ist doch tot! Wie soll denn am 25. Juli 2025 zwischen meiner verstorbenen Mutter und Vattenfall ein neuer Vertrag zustande gekommen sein? Zu diesem Zeitpunkt war sie doch schon einen Monat lang nicht mehr am Leben.“
Mit dem zweiten Brief kam die Stromrechnung
An Krebs ist ihre Mutter am 24. Juni 2025 mit 83 Jahren gestorben, hat auf dem Friedhof in der Friedenstraße in Friedrichshain ihre letzte Ruhestätte gefunden, erzählt die Frau, die als Reinigungskraft beim Berliner Verlag (zu dem der KURIER gehört) arbeitet. Manuela Cink denkt zunächst, dass das Schreiben nur ein Versehen sein kann. Aber Vattenfall schickt weiter Post.
Einige Tage später folgt der nächste Brief. In dem Schreiben vom 16. März 2026 wird nun der Energiekonzern konkret. Vattenfall will Geld sehen und schickt daher eine Rechnung für das Vertragskonto, das der Energie-Konzern am 25. Juli 2025 mit der verstorbenen Mutter von Manuela Cink abgeschlossen haben will.
In dem Schreiben wird ein Rechnungsbetrag von 83,87 Euro gefordert, der bis Monatsende zu zahlen ist. Die Summe bezieht sich auf den Zeitraum vom 25. Juli 2025 bis zum 26. Januar 2026. Laut der Rechnung wurden innerhalb eines halben Jahres nur 24 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht.
Im halben Jahr nur 24 Kilowattstunden verbraucht
Diese ungewöhnliche Menge machte offenbar niemanden im Vattenfall-Kundenteam stutzig. Zur Einordnung: Laut Gasag lag 2024 der durchschnittliche Tagesverbrauch bei einem Berliner Drei-Personen-Haushalt bei etwa 9,9 kWh pro Tag. In einem Einpersonenhaushalt, so wie ihn Monika Ebert zu Lebzeiten führte, liegt der durchschnittliche Tagesverbrauch bei 3,9 kWh.
Wenn aber in einem halben Jahr in einer Wohnung nur 24 kWh anfielen, bedeutet das, dass in diesem Haushalt kaum Strom verbraucht wurde. Im Prinzip lief nur ein Kühlschrank, der in diesem Zeitraum so eine Strommenge verbraucht haben könnte.
„Wie auch immer dieser Verbrauch zustande kam, meine Mutter kann es nicht gewesen sein“, sagt Manuela Cink. „Dazu kommt, dass das zuständige Bestattungsinstitut den Stromanschluss in der Wohnung meiner Mutter am 10. Juli 2025 bei Vattenfall gekündigt hat. Ein Nachweis liegt vor.“

Manuela Cink versuchte die Sache bei Vattenfall zu klären. Sie rief am 19. März 2026 an. Eine Mitarbeiterin von Vattenfall habe ihr erklärt, dass sie nicht weiterhelfen könne – aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfe sie keine Auskünfte über einen Stromkunden geben, auch wenn es sich dabei um die Mutter handle.
„Die Mitarbeiterin versprach jedoch, den Fall weiterzureichen und deutete an, dass man mich zurückrufen würde“, sagt Manuela Cink. Doch nichts geschah.
Stromrechnung an Tote: Vattenfall entschuldigt sich
Der KURIER fragte bei Vattenfall nach und bekam Antwort. Offenbar ist der neue Vertrag am 25. Juli 2025 „durch eine irrtümliche Anmeldung zustande gekommen“.
Der Vattenfall-Kundenservice teilt per Mail mit: „Leider wurde die Wohnung unserer verstorbenen Vertragspartnerin nicht gekündigt, daher wurde uns durch die Hausverwaltung mitgeteilt, dass die Wohnung weiterhin vermietet ist.“



