Das lange Warten

Nach Mega-Stromausfall: Erste Berliner erhalten endlich eine Entschädigung

Drei Monate nach dem Stromausfall warten viele Berliner noch auf die versprochene Hotelkostenerstattung. Erst 700 von 2881 Anträgen sind bewilligt.

Author - Sebastian Krause
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Ein Polizist regelte den Verkehr an einer Kreuzung, an der die Ampel ausgefallen war. Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt waren im Januar ohne Strom.
Ein Polizist regelte den Verkehr an einer Kreuzung, an der die Ampel ausgefallen war. Zehntausende Menschen im Südwesten der Hauptstadt waren im Januar ohne Strom.Britta Pedersen/dpa

Drei Monate nach dem verheerenden Stromausfall im Berliner Südwesten geht es mit der Erstattung der Hotelkosten für Betroffene nur schleppend vorwärts. Von 2881 gestellten Anträgen seien bisher etwa 700 ausgezahlt oder positiv beschieden, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Tim Richter (CDU). Weitere 780 Anträge werden derzeit bearbeitet.

780 Anträge werden derzeit bearbeitet

Der bürokratische Aufwand ist groß. Antragsteller müssen zum Beispiel bestimmte Angaben oder Unterlagen zu ihrem Hotelaufenthalt nachreichen. „Wir kommen langsam vor die Lage“, sagt aber der CDU-Bürgermeister.

Der Aufbau eines rechtssicheren wie auch möglichst unkomplizierten Verfahrens zur Bearbeitung der Anträge habe Zeit gebraucht – nicht zuletzt, weil der Bezirk hier Neuland betrete. „Jetzt läuft das Verfahren aus unserer Sicht gut.“ Zur Höhe der beantragten oder bereits ausgezahlten Mittel machte er keine Angaben.

Die Bearbeitungszeit dauert

Bis alle 2881 Anträge abgearbeitet sind und die Menschen ihr Geld bekommen, dürfte es nach Einschätzung Richters noch bis zum Frühsommer dauern. „Alles, was früher geht, wäre gut.“ Für die Abarbeitung seien diverse Mitarbeiter des Bezirksamts extra abgestellt worden, die jeden Einzelfall prüfen müssten. „Ich kann verstehen, dass Leute jetzt fragen: Warum dauert das so lange?“, sagte Richter.

Im Jnauar 2026: Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Tim Richter (Mitte) im Gespräch mit Einsatzkräften vor der Notunterkunft im Cole Sports Center am Hüttenweg.
Im Jnauar 2026: Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Tim Richter (Mitte) im Gespräch mit Einsatzkräften vor der Notunterkunft im Cole Sports Center am Hüttenweg.Michael Ukas/dpa

Die mit der Aufgabe betrauten Beschäftigten versuchten demnach, pragmatisch vorzugehen und zu priorisieren: Wo sie den Eindruck hätten, dass Menschen das Geld dringend benötigten, würden Anträge bevorzugt bearbeitet. Andererseits hätten manche Antragsteller auch signalisiert, dass aus ihrer Sicht keine Eile geboten sei.

Ausgelöst worden war der Stromausfall durch einen mutmaßlich von Linksextremisten begangenen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am 3. Januar. In der Folge waren im Berliner Südwesten 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2000 Gewerbebetriebe vielfach tagelang ohne Strom und damit oft auch ohne Heizung.

Ich kann verstehen, dass Leute jetzt fragen: Warum dauert das so lange?

Tim Richter, Bezirksbürgermeister Steglitz-Zehlendorf

Auszahlung läuft über das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf

Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt. Etliche Menschen verließen ihre kalten Wohnungen oder Häuser, um zeitweise in ein Hotel zu ziehen. Der Senat kündigte während des Stromausfalls an, die Kosten zu übernehmen – die Auszahlung läuft über den Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

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