Entscheidung fällt im Herbst

Olympiabewerbung von Berlin: Begeisterung wächst, doch kritische Stimmen bleiben

Überraschende Wende: Laut einer neuen Umfrage spricht sich eine Mehrheit für die Ausrichtung aus. Skepsis und Sorgen sind dennoch weiter groß.

Author - Sebastian Krause
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Berlin will sich für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Doch der Widerstand ist groß.
Berlin will sich für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Doch der Widerstand ist groß.Joko/imago

Hat sich die Meinung geändert? Ist die Stimmung gekippt? Laut einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind fast zwei Drittel der Berliner für eine Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in der Hauptstadt. Auf die Frage, ob man grundsätzlich eine Bewerbung Berlins befürworte, antworteten 38 Prozent mit „ja“, 22 Prozent mit „eher ja“.

Andere Umfrage sieht Mehrheit gegen Olympische Spiele

Das kommt insofern überraschend, als im November eine Umfrage zu einem anderen Ergebnis kam. Vor fünf Monaten waren 67 Prozent der Befragten gegen eine Berliner Bewerbung für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Die Umfrage hatte der Tagesspiegel in Auftrag gegeben.

Meinungen zu Olympia in Berlin gehen weit auseinander

Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen: Die Meinungen rund um das Megaprojekt sind gespalten. Die Ablehner sind mindestens genauso zahlreich wie die Befürworter – auch ihre Argumente.

Während die Olympia-Macher unter anderem die positive Werbung für Berlin, die Sportförderung und Investitionen in die Infrastruktur hervorheben, kritisieren die Gegner etwa hohe Kosten, Umweltschäden und fehlende Nachhaltigkeit.

Die Befürworter der Spiele argumentieren mit vielen positiven Effekten für die Stadt.
Die Befürworter der Spiele argumentieren mit vielen positiven Effekten für die Stadt.Michael Kappeler/dpa

Landessportbund sieht „sehr positive Reaktionen“

Dass sich die Meinung laut der DOSB-Umfrage gewandelt hat, kommt für den Landessportbund (LSB) Berlin nicht überraschend. Der Verband habe „sehr positive Reaktionen mit konstruktiven Vorschlägen“ erhalten, sagt der Pressesprecher Gerd Graus auf KURIER-Anfrage.

Die Menschen im Sport seien motiviert und würden die Diskussion um die Bewerbung intensiv führen. „Dabei bringen sie auch Kritikpunkte ein, aber nicht mit ablehnender Haltung, sondern mit klaren Ideen, wie diese Herausforderungen angegangen werden müssen“, erklärt Graus.

Berlin ist bereits mit rund 70 Milliarden Euro verschuldet. Es droht eine Haushaltsnotlage. Olympische Spiele würden Berlin weiter in die Schuldenfalle treiben.

Mario Gartner, Initiative Nolympia Berlin

Gegner sehen weitere Verschuldung von Berlin

Die Initiative Nolympia Berlin sieht das anders. „Die Berlinerinnen und Berliner sind sportbegeistert und Berlin kann große Wettkämpfe ganz ohne Olympia ausrichten. Im Gegenteil: Olympia schadet dem Breitensport“, sagt Mario Gartner vom Aktionsbündnis.

Er verweist etwa auf fehlende Nachhaltigkeit, sieht als einzigen Gewinner der Spiele das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die angespannte finanzielle Lage der Stadt. „Berlin ist bereits mit rund 70 Milliarden Euro verschuldet. Es droht eine Haushaltsnotlage. Olympische Spiele würden Berlin weiter in die Schuldenfalle treiben“, fürchtet Gartner.

Umweltbelastungen bei Olympia sind erheblich

Erhebliche Probleme sehen die Olympiagegner auch in Sachen Naturschutz und Nachhaltigkeit. Der NABU Berlin befürchtet eine weitere Versiegelung der Stadt, Lichtverschmutzung, eine zunehmende Verkehrsbelastung und keine nachhaltige Nutzung der Sportstätten.

„Aus naturschutzfachlicher Sicht sind keinerlei Vorteile erkennbar, da der erforderliche Ausbau und Betrieb der Sportstätten und die Umweltbelastungen bei der Umsetzung erheblich sind“, erklärt die Geschäftsleiterin Melanie von Orlow. Der NABU ist Teil des Nolympia-Bündnisses.

Der Deutsche Olympische Sportbund will im Herbst 2026 entscheiden, mit welcher Stadt er sich für die Olympischen Spiele bewirbt.
Der Deutsche Olympische Sportbund will im Herbst 2026 entscheiden, mit welcher Stadt er sich für die Olympischen Spiele bewirbt.Britta Pedersen/dpa

Berlin könnte Sportstätten problemlos herrichten

Graus vom LSB sieht das anders und verweist auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris. „Es obliegt den Ausrichtern, die Spiele so zu gestalten, dass sowohl bei der Auswahl der Sportstätten und der Durchführung der Spiele – beispielsweise in Konzepten der Abfallbeseitigung, des Transports – sowohl ökologische als auch soziale Nachhaltigkeitskonzepte umgesetzt und entsprechende Projekte mit Langzeitwirkung gefördert werden“, sagt er.

Berlin sei „dank der vorhandenen Sportflächen und Sportstätten“ in der Lage, „Spiele der kurzen Wege zu gestalten“. Der „Großteil der Sportstätten“ wäre „problemlos herzurichten“.

Dabei bringen sie auch Kritikpunkte ein, aber nicht mit ablehnender Haltung, sondern mit klaren Ideen, wie diese Herausforderungen angegangen werden müssen.

Gerd Graus, Landessportbund Berlin

Berlin müsste eine neue Schwimmhalle bauen

Dennoch ist auch den Befürwortern klar, dass an vielen Stellen gebaut werden müsste. Unter anderem fehlt eine Schwimmhalle. „Die wird es im Konzept geben – und damit auch dauerhaft mehr Schwimmfläche in Berlin, was dringend benötigt wird und der Bevölkerung zugutekommt“, argumentiert Graus. 

Um die Pläne zu verhindern, startet Nolympia am 22. April mit einer Unterschriftensammlung für das Volksbegehren „Für Berlin – gegen Olympia. Wir sagen Nein zu einer Bewerbung zu Olympischen Spielen in den Jahren 2036, 2040 und 2044!“. Vor dem Roten Rathaus werden erste Unterschriften gesammelt.

Berliner Volksentscheid frühestens 2027

Welche Konsequenzen die Unterschriften haben werden, ist fraglich. Denn ein möglicher Volksentscheid könnte frühestens 2027 stattfinden. Dann will der DOSB aber längst entschieden haben, mit welcher Stadt er sich um die Olympischen Spiele bewirbt.

Wie ist Ihre Meinung zu einer möglichen Olympia-Bewerbung von Berlin? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com