Mögliche Bewerbung

Berlin und Olympia: Schafft die BVG so ein Mega-Event überhaupt?

Berlin will die Olympischen Spiele ausrichten. Doch der überlastete ÖPNV wirft Fragen auf. Ist die Infrastruktur bereit für das größte Sportereignis der Welt?

Author - Sebastian Krause
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Berlin will sich um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben.
Berlin will sich um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben.Mehrdad Samak-Abedi/imago

Berlin will Olympia! Die Hauptstadt ist neben Hamburg, München und der Metropolregion Rhein-Ruhr einer der deutschen Kandidaten, um eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Im Herbst dieses Jahres will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheiden, mit welcher Stadt er im Rennen um das größte Sportereignis der Welt antreten wird.

Verträgt Berlins ÖPNV Olympia überhaupt?

Aber: Kann Berlin Olympia überhaupt? Verträgt die Stadt mit all ihren Irrungen und Wirrungen das Mega-Ereignis? Zweifel sind angebracht. Zuletzt zeigten schließlich die Wintermonate deutlich, wie schnell das öffentliche Leben in der Stadt zum Erliegen kommt.

ÖPNV steht für 16 Tage unter Dauerstress

Fraglich ist vor allem, ob der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit der zusätzlichen Menschenmenge zurechtkommt. Schließlich müsste er nicht nur die Bewohner der Stadt, sondern auch die Massen der Zuschauer und die Tausenden Sportlerinnen und Sportler von A nach B bringen – und das 16 Tage lang.

Entscheidend dabei sind vor allem die Deutsche Bahn, die Berliner S-Bahn und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die indes sehen sich für eine eventuelle Olympia-Bewerbung gerüstet.

Berlin verfügt im nationalen und internationalen Vergleich über ein sehr dichtes und leistungsstarkes ÖPNV-Netz.

Markus Falkner, Pressesprecher der BVG

BVG sieht sich für Olympia in Berlin gerüstet

„Berlin verfügt im nationalen und internationalen Vergleich über ein sehr dichtes und leistungsstarkes ÖPNV-Netz“, sagt BVG-Pressesprecher Markus Falkner auf KURIER-Nachfrage. 

Und weiter: „Im Rahmen einer möglichen Bewerbung steht die BVG selbstverständlich als verlässliche Mobilitätspartnerin Berlins bereit und unterstützt dann entsprechende Planungen mit ihrer großen Expertise im verkehrlichen Management bei Großevents wie Fußball-WM, Kirchentag oder diversen anderen Anlässen.“

Berlin macht derzeit viel Werbung, um Zustimmung für das Projekt Olympia zu bekommen.
Berlin macht derzeit viel Werbung, um Zustimmung für das Projekt Olympia zu bekommen.Fabian Sommer/dpa

Schon jetzt viele Verkehrsprobleme in der Stadt

Ganz so rosig, wie es Falkner formuliert, ist es natürlich nicht. Bei Konzerten und größeren Veranstaltungen staut es sich auf den öffentlichen Wegen ständig. Material und Personal wirken überlastet. Wer aus der Innenstadt raus will, sollte viel Zeit einplanen.

Anderes Beispiel: Seit Jahren kämpft Fußball-Bundesligist Union Berlin um den Ausbau seines Stadions An der Alten Försterei. Ursprünglich wollte der Verein die Stätte auf 40.500 Zuschauer erweitern. Daraus wird nichts, stattdessen soll das Stadion auf nur noch 34.500 Zuschauer ausgebaut werden.

Hertha und Union Berlin kämpfen um ihre Stadien

Begründung: Es gab Probleme mit der Erarbeitung eines Verkehrskonzepts an Spieltagen. Im Stadtteil Köpenick ist die Verkehrssituation regelmäßig angespannt, sodass ein noch größerer Ausbau des Stadions zu weiteren Problemen führen würde. 

Ähnlich sieht es beim Stadtrivalen Hertha BSC aus, der in der Nähe des Olympiastadions sogar eine völlig neue Arena für rund 50.000 Zuschauer bauen will. Ein Thema dabei: das Verkehrskonzept.

Die BVG sieht sich für eine Bewerbung von Berlin für die Olympischen Spiele gerüstet.
Die BVG sieht sich für eine Bewerbung von Berlin für die Olympischen Spiele gerüstet.Christian Spicker/imago

NABU Berlin: Stadt „kapituliert tagtäglich“

Zweifel an der Tauglichkeit des ÖPNV-Netzes in Berlin gibt es auch vom NABU Berlin. „Berlin kapituliert tagtäglich bereits bei der Abwicklung des normalen Verkehrs“, sagt NABU-Geschäftsleiterin Melanie von Orlow dem KURIER. 

Außerdem seien die Sportstätten zu klein, sodass weitere Baumaßnahmen „schwere und nicht-nachhaltige Eingriffe in Natur und Landschaft“ darstellen würden. Ihr Fazit: Berlin sollte erst gar keine Bewerbung einreichen.

Berlin kapituliert tagtäglich bereits bei der Abwicklung des normalen Verkehrs.

Melanie von Orlow, Geschäftsleiterin des NABU Berlin

LSB Berlin glaubt an positive Wirkung von Olympia

Der Landessportbund (LSB) Berlin hält die Stadt hingegen für Olympia geeignet. „Berlin ist in der Lage, dank der vorhandenen Sportflächen und Sportstätten Spiele der kurzen Wege zu gestalten“, sagt LSB-Pressesprecher Gerd Graus.

Er verweist darauf, dass auch der ÖPNV von den Investitionen profitieren werde. „Diese sind auch Investitionen in die Entwicklung der Ausrichterstädte und fördern Maßnahmen, die die Lebensqualität der Bürger*innen der Ausrichterstädte fördern, wie zum Beispiel Sportstätten zur Allgemeinnutzung, inklusive Sportstätten und inklusiver Nahverkehr und Wohnungsbau.“

In Berlin wird an allen Ecken und Enden gebaut

Dennoch dürfte allen klar sein: Sollte Berlin tatsächlich vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Zusage für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bekommen, werden in den kommenden Jahren massive Einschränkungen auf Bürger zukommen. Brücken, Schienen, Straßen, Fahrzeuge und Technik müssen erneuert werden, damit die Stadt das Mega-Event wuppen kann.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com