Krieg an der Zapfsäule

Heimlich Preis rauf: So reagieren jetzt Amazon, BVG und Taxi auf hohe Spritpreise

Explodierende Dieselpreise treffen Amazon, BVG und Taxis hart. Steigen jetzt Liefer- und Ticketkosten? Der KURIER erklärt die Folgen.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Die hohen Spritpreise: Für Onlinehändler, Verkehrsbetriebe und Taxi-Firmen haben sie ungeahnte Folgen.
Die hohen Spritpreise: Für Onlinehändler, Verkehrsbetriebe und Taxi-Firmen haben sie ungeahnte Folgen.KURIER-Illustration, von KI erstellt

Seit einem Monat tobt der Iran-Krieg. Seit einem Monat herrscht auch der Krieg an den Zapfsäulen in Deutschland. Die Spritpreise schießen durch die Decke. Um bis zu 50 Cent pro Liter stieg allein der Preis bei Diesel. Dem Kraftstoff, mit dem vor allem die Lieferdienste, die Öffis und die Taxis fahren. Wie werden diese Unternehmen darauf reagieren?

Hohe Spritpreise: Spediteure geben Mehrkosten weiter

Bei den Spediteuren kann man derzeit deutlich sehen, wie sehr sie die Folgen des Iran-Kriegs belasten. Bei einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern und einem Verbrauch von 30 Litern pro 100 Kilometer ergeben sich für einen Lkw Mehrkosten von rund 1200 Euro pro Monat.

Bei einer Flotte von 50 Fahrzeugen summiert sich dies auf mehr als 700.000 Euro im Jahr. „Die hohen Spritpreise setzen die Speditionen in Deutschland unter großen Druck“, sagt Dirk Engelhardt, Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung.

Ein Lkw tankt an einer Zapfsäule: Bei den drastischen Spritpreisen bedeutet das bis zu 1200 Euro Mehrkosten monatlich.
Ein Lkw tankt an einer Zapfsäule: Bei den drastischen Spritpreisen bedeutet das bis zu 1200 Euro Mehrkosten monatlich.Thorsten Lindekamp/imago

Spediteure erklären, dass sie die hohen Kosten weitergeben – an den Kunden. Und so fragte der KURIER bei einem der großen Onlinehändler und Warenlieferanten an, wie dieser denn mit den hohen Spritkosten umgeht. Die Rede ist von Amazon.

In seinem Transportnetzwerk will das Unternehmen zwar immer mehr Elektro-Fahrzeuge einsetzen. Dennoch sind noch immer Zustellerfahrzeuge mit Verbrenner-Motoren für Amazon im Einsatz. Wie viele? Dazu erhalten wir keine Antwort. Auch nicht darüber, wie man mit den hohen Spritpreisen umgehen wird.

Amazon dreht an der Preisschraube

Wer bei Amazon privat Waren bestellt, kann das über zwei Wege machen. Er ist Prime-Mitglied, zahlt eine derzeitige Monatsgebühr von 8,99 Euro oder eine Jahresgebühr von 89,90 Euro, kann unter anderem den Streamingdienst (mit Werbung) nutzen und sich kostenlos die Waren-Bestellungen zuschicken lassen. Gilt bei Produkten, die mit Prime und mit kostenlosem Versand gekennzeichnet sind.

Der andere Weg: Man ist kein Prime-Mitglied, bestellt dennoch Waren bei Amazon. Bei einem Mindestbestellwert von 39 Euro war bisher die Lieferung gratis. Doch nun hat Amazon hier offenbar ohne große Vorankündigung an der Preisschraube gedreht.

Mittlerweile steht im Internet unter den Versandinformationen, dass der Mindestbestellwert für eine versandkostenfreie Standardlieferung ohne Prime-Abonnement jetzt bei 49 Euro liegt – also zehn Euro mehr.

Ein Amazon-Zusteller bringt Ware.
Ein Amazon-Zusteller bringt Ware.Michael Bihlmayer/imago

Wer Bestellungen unter diesem Betrag tätigt, muss mit Versandkosten zwischen 1,99 Euro und 3,99 Euro pro Lieferung zahlen. Zu der Erhöhung des Mindestbestellwertes erhält der KURIER von Amazon eine Antwort.

„Wir haben die Entscheidung, die Grenze für den kostenlosen Versand anzuheben, nicht leichtfertig getroffen. Wie jedes Unternehmen überprüfen wir jedoch regelmäßig unsere Preisstruktur und passen diese gegebenenfalls an“, erklärt das Unternehmen.

Weiter heißt es: „Wir setzen diese Änderungen unserer Versandgebührenstruktur wegen des allgemeinen Anstiegs von Lieferkosten um. Dadurch stellen wir sicher, dass wir Kunden eine schnelle und qualitativ hochwertige Lieferung anbieten können.“

Eine Sprecherin stellt allerdimgs im Nachgang klar: „Die Anpassung des Mindestbestellwerts steht in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Kraftstoffpreisen.“ Unsere Frage, wie Amazon als Online-Händler mit den  derzeitigen hohen Spritpreisen umgeht, bleibt weiter unbeantwortet.

So reagieren andere Online-Shops

Andere Online-Shops versuchen auch, die explodierenden Spritpreise auf die Kunden umzulegen. So werden temporäre Zuschläge erhoben, um die Kraftstoffmehrkosten zu decken.

Auch die Kosten für Rücksendungen werden zunehmend von den Händlern auf die Kunden umgelegt.  Händler prüfen Lieferrouten und bündeln Pakete stärker, um Leerfahrten zu vermeiden und damit Treibstoff zu sparen.

Hohe Spritpreise: Das macht die BVG

Wie gehen Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs mit den explodierenden Dieselpreisen um? Der KURIER fragte bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) nach. Täglich sind rund 1630 Busse im Einsatz. Der Großteil der Flotte, etwa 1300 Busse, fährt noch mit Diesel.

Theoretisch müsste der Preiskrieg an der Zapfsäule auch der BVG zu schaffen machen. Ein BVG-Sprecher erklärt dem KURIER: „Die BVG hat seit Jahren eine Dieselpreisstrategie, die für größtmögliche Planungssicherheit sorgt. In der momentanen Situation beobachtet die BVG den Markt genau.“

Busse der BVG auf dem Betriebshof in Lichtenberg. 1600 Busse sind in Berlin im Einsatz, der Großteil fährt mit Diesel.
Busse der BVG auf dem Betriebshof in Lichtenberg. 1600 Busse sind in Berlin im Einsatz, der Großteil fährt mit Diesel.Bernd von Jutrczenka/dpa

Wie diese Preisstrategie genau aussieht, will die BVG nicht verraten. Fakt aber ist: 2024 lagen die Energiekosten der Berliner Verkehrsbetriebe bei 140,6 Millionen Euro.

Diese Kosten könnten theoretisch wegen der aktuellen Dieselpreise für 2026 höher ausfallen. Droht damit etwa den BVG-Kunden eine Fahrpreiserhöhung für das kommende Jahr? „Dazu sind uns keine aktuellen Überlegungen bekannt“, sagt ein BVG-Sprecher.

Tariferhöhung bei der BVG: Im Herbst wird entschieden

Im Übrigen ist der Verkehrsverbund VBB für die Ticketpreise und deren Festlegung zuständig. Ein Einzelfahrschein kostet jetzt schon 4 Euro. Soll er wegen der jetzigen Spritpreis-Explosion dann 4,20 Euro ab Januar 2027 kosten? Der Verband wird sich dazu traditionell erst im Herbst treffen und über eine Fahrpreiserhöhung entscheiden.

Und wie sieht es beim Taxigewerbe aus? Knapp 6000 Taxis sind in Berlin unterwegs. Etwa 500 Autos fahren davon elektrisch. Der Großteil tankt Diesel.

Hohe Spritpreise: So teuer sind Taxi-Fahrten in Berlin

Kraftstoffkosten machten einen erheblichen Anteil der Betriebskosten der Unternehmen aus, erklärt die Berliner Taxi-Innung. Die drastische Entwicklung der Spritpreise würde die wirtschaftliche Existenz vieler Unternehmen gefährden. Wenn sich an der Lage nichts ändert und keine Hilfe von der Politik kommt, könnten Insolvenzen drohen.

Hohe Spritpreise: Der Senat entscheidet, ob die Taxi-Fahrten in Berlin teurer werden oder nicht.
Hohe Spritpreise: Der Senat entscheidet, ob die Taxi-Fahrten in Berlin teurer werden oder nicht.Joko/imago

Im Gegensatz zu Logistik-Unternehmen können die Taxifahrer die höheren Preise nicht so einfach an ihre Kunden weitergeben. Der Senat muss die Preise am Ende genehmigen. Zuvor ist viel Bürokratie im Spiel. Die Taxi-Verbände müssen die Preiserhöhung bei der Senatsverkehrsverwaltung beantragen.

Ein langes Prozedere folgt. Die letzte Tariferhöhung war 2022. Die Grundgebühr einer Fahrt kostet seitdem in Berlin 4,30 Euro. Der Kilometerpreis variiert je nach Distanz zwischen 2,10 Euro und 2,80 Euro. Für Kurzstrecken (bis zwei Kilometer, nur bei Heranwinken) gilt ein Pauschaltarif von 6 Euro.

Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung? Schreiben Sie uns an: leser-bk@berlinerverlag.com