Tarifverhandlungen mit Verdi

Wie weit ein Busfahrer der BVG mit seinem Gehalt wirklich kommt

Ein Ehepaar rechnet uns vor: BVG-Fahrer verdienen zwar durchschnittlich, aber nach Miete und Nebenkosten bleiben nur 300 Euro zum Leben.

Author - Sharone Treskow
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(Symbolfoto) Ein Busfahrer der BVG verdient so viel wie der Berliner Durchschnitt. Ist man damit schon ein Gutverdiener?
(Symbolfoto) Ein Busfahrer der BVG verdient so viel wie der Berliner Durchschnitt. Ist man damit schon ein Gutverdiener?Imago

Ist ein Busfahrer der BVG ein Gutverdiener? Diese zentrale Frage beschäftigt aktuell viele Berliner. Denn Verdi steckt tief in hartnäckigen Verhandlungen mit den Verkehrsbetrieben – für bessere Arbeitsbedingungen und auch etwas mehr Geld. Der KURIER hat in einem großen Report aufgeschlüsselt, wie viel die BVG-Mitarbeiter aktuell verdienen: Die Fahrer liegen genau im Berliner Durchschnitt. Doch wie eine Leserin nun für uns aufschlüsselt, bleibt einem Busfahrer in der Hauptstadt am Ende des Monats trotzdem kaum Geld übrig.

Nur 300 Euro zum Leben mit Busfahrer-Einkommen

Iris Schwarte ist mit einem Busfahrer der BVG verheiratet. Sie arbeitet als Selbstständige. „Wenn mein Mann als Busfahrer und mit 60 Jahren mit 2600 Euro netto im Monat nach Hause kommt, dann hört sich das gut an“, so die KURIER-Leserin. Aber die Realität, was am Ende davon übrig bleibt, sieht nicht mehr so rosig aus.

(Symbolbild) Eine KURIER-Leserin, die mit einem Busfahrer der BVG verheiratet ist, schlüsselt auf, wie weit man mit diesem Gehalt kommt.
(Symbolbild) Eine KURIER-Leserin, die mit einem Busfahrer der BVG verheiratet ist, schlüsselt auf, wie weit man mit diesem Gehalt kommt.Rolf Kremming / Imago

„Die Hälfte des Gehalts geht schon für die Miete in einer ehemaligen Sozialwohnung mit 75 Quadratmetern in Buchholz drauf. Dazu kommen alle normalen Nebenkosten“, schildert die Pankowerin. Sie legt für den KURIER offen: Neben 1246 Euro Miete und 72 Euro für zwei Tiefgaragenstellplätze, fallen bei dem Ehepaar im Monat noch 700 Euro für Versicherungen, Strom, Internet und Telefon an. Weitere diverse Fixkosten lägen bei rund 200 Euro.

„Eigentlich blieben uns da mit einem BVG-Einkommen nur noch circa 300 Euro zum Leben“, fasst Schwarte zusammen. Vor allem während der Pandemie wurde es knapp für das Paar, da Iris selbstständig ist. Viele Selbstbeschäftigte verdienten zu Corona-Zeiten so gut wie gar nichts. Mussten Hilfen vom Staat beantragen.

Warum Urlaube für BVG-Fahrer kaum planbar sind

„Mein Mann arbeitet mittlerweile seit 21 Jahren bei der BVG. Es gibt um Jahre voraus feste Urlaubsvorgaben, sodass es uns in den ersten Jahren fast nie vergönnt war, mit unserem Kind in den Ferien gemeinsam Urlaub zu machen“, schildert Schwarte weiter. 30 Urlaubstage hat ein Fahrer bei einer Vollzeitstelle von 37,5 Stunden pro Woche. Einmal jährlich gibt es ein Urlaubsgeld von 500 Euro.

Die Freizeit eines Fahrers bei der BVG ist – zumindest der Erfahrung des Ehepaars Schwarte nach – sehr begrenzt: „Ein ganzes freies Wochenende ist vielleicht alle zwei Monate möglich. Mein Mann hat in der Woche frei und da bin ich arbeiten. Das ist halt so im Schichtdienst“, erklärt die Berlinerin.

An Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, gehört für Fahrer der BVG zum Standard.
An Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, gehört für Fahrer der BVG zum Standard.Imago

„Jetzt hat die BVG ein neues Turnusmodell. Früher hat man bei der ersten Schicht spät angefangen und sich ‚nach früh‘ gearbeitet. Jetzt hat man nur noch Spät-, Mittel- oder Frühschichten. Das ist dem normalen Leben auch nicht zuträglich“, ärgert sich Schwarte.

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Joerg Krauthoefer / Imago
BVG zahlt Sonderzuschläge
Für Einsätze zu besonderen Zeiten kommen zum Grundgehalt Zuschläge hinzu: 25 Prozent für Nachtarbeit, bis zu 25 Prozent am Wochenende und 135 Prozent an Feiertagen.

Ist die Bezahlung wirklich fair, wenn man den ganzen Fahrgast-Ärger bedenkt?

Aber Gehalt und Freizeitgestaltung sind gar nicht die Punkte, die Iris Schwarte und ihren Mann am meisten stören. „Hier geht es darum, dass gerade Berlin so aggressiv geworden ist“, beteuert die Pankowerin. BVG-Mitarbeiter bekommen viel Ärger ab, auch wegen der immer teurer werdenden Fahrscheine. Dabei ist diese Wut deplatziert: „Die Fahrpreiserhöhung kommt sicherlich nicht durch die besseren Löhne, sondern durch Missmanagement und erhöhte Kosten – gerade für Treibstoff – zustande.“

Busfahrer müssen sich oft mit pöbelnden Fahrgästen herumstreiten.
Busfahrer müssen sich oft mit pöbelnden Fahrgästen herumstreiten.Karsten Thielker/IMAGO/imageBROKER

Ein weiteres Problem, das wohl viele BVG-Fahrer beschäftigt: „Es wird nur noch wegen Unpünktlichkeit gepöbelt und dies auch persönlich.“ Zum Thema Geruchsbelästigung und Fehlverhalten ergänzt Schwarte: „Da der Konsum von Cannabis legal ist, dürfen auch Menschen, die diesen vorher konsumiert haben, einsteigen, was für einen Fahrer absolut nicht akzeptabel ist.“ Es gebe noch viele weitere Beispiele dafür, „wie weit die Schamgrenze der Bürger gefallen“ sei.

Was sich ein Busfahrer von der BVG wünschen würde

Zusammenfassend wünschen sich Iris Schwarte und ihr Mann: „Mehr Busspuren und nicht nur alles für die Radfahrer geben. Auch abends ausreichend Fahrzeiten (da werden Fahrzeiten so gekürzt, dass der Fahrer eigentlich an keiner Haltestelle mehr anhalten dürfte).“ Außerdem sei die aktuelle „Designer“-Dienstkleidung unpraktisch und teuer. Die BVG zahlt eine Dienstkleidungspauschale von bis zu 80 Euro.

„Die Menschen, die im Fahrdienst arbeiten, sind das Kapital der BVG. Und ist das Kapital weg, dann gibt es keine Zukunft“, betont das Busfahrer-Ehepaar abschließend. Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.