BVG und Verdi stecken aktuell in verfahrenen Verhandlungen. Die Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen, der große Arbeitgeber hält die Forderungen für teilweise realitätsfremd. Die Folge: Die BVG wurde in den vergangenen Wochen mehrfach bestreikt. Auch der nächste Streik droht bereits. Viele Berliner fragen sich in diesem Zuge: Was verdienen die Menschen, die Busse, Trams und U-Bahnen durch Berlin steuern, eigentlich? Die Antwort gibt es hier.
Wie bezahlt die BVG eigentlich ihre Mitarbeiter?
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihre Vergütungsstruktur nach dem Tarifvertrag Nahverkehrsunternehmen Berlin (TV-N) festgelegt. Je nach Erfahrung und Position bekommen die Mitarbeiter unterschiedlich viel Gehalt, die veröffentlichten Arbeitnehmervorteile sind jedoch für alle gleich.
Werfen wir zunächst mal einen Blick auf die Sondervergütungen, die für alle gleich sind: Nach Unternehmensangaben erhalten die Beschäftigten zusätzlich zum regulären Gehalt eine Weihnachtszuwendung von 2000 Euro. Mit dem Juni-Gehalt kommt ein Urlaubsgeld von 500 Euro hinzu. Die Mitarbeitenden haben Anspruch auf 30 Urlaubstage im Jahr und arbeiten in Vollzeit 37,5 Stunden pro Woche. Die Probezeit beträgt sechs Monate.

Zum Leistungspaket gehören laut BVG unter anderem ein Mitarbeiterfahrausweis, eine betriebliche Altersvorsorge und vermögenswirksame Leistungen. Darüber hinaus ermöglicht das Unternehmen ein Fahrrad-Leasing, regelmäßige Gesundheitstage, kostenlose Grippeschutzimpfungen sowie, die Nutzung eigener Fitnessstudios.
Das verdienen Fahrer bei der BVG
Schauen wir uns die konkreten Jobs bei der BVG an, gibt es jedoch einige Unterschiede, was das Gehalt angeht. Die Entgeltgruppen für alle Fahrer – egal ob U-Bahn, Bus oder Tram – sind in sechs Stufen aufgebaut, in denen Beschäftigte mit zunehmender Betriebszugehörigkeit automatisch aufsteigen.

Ausgebildete Fahrerinnen und Fahrer starten in der Regel direkt in Entgeltgruppe fünf, Stufe drei, mit einem Monatsbruttogehalt von etwa 3180 Euro. Wer mit längerer Betriebszugehörigkeit auf Stufe 6 aufsteigt, kriegt 3390 Euro brutto im Monat.
Zusätzlich erhalten sie eine Fahrdienstzulage von 225 Euro sowie eine Dienstkleidungspauschale von bis zu 80 Euro. Für Einsätze zu besonderen Zeiten kommen Zuschläge hinzu: 25 Prozent für Nachtarbeit, bis zu 25 Prozent am Wochenende und 135 Prozent an Feiertagen.
Auf ein Jahr gerechnet – inklusive Jahresgrundgehalt, Fahrdienstzulage, Dienstkleidung, Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld – verdient ein U-Bahnfahrer der Entgeltgruppe fünf, in der höchstmöglichen Stufe sechs 47.449,60 Euro brutto im Jahr. Variable Zuschläge für Nachtarbeit, Wochenenden und Feiertage würden sich hier realistisch etwa bei zusätzlichen 5000 Euro im Jahr bewegen.
So werden die Azubis der BVG bezahlt
Die BVG bildet auch fleißig aus. Wer ohne Vorerfahrung U-Bahn, Bus oder Tram fahren will, muss die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb absolvieren. Im ersten Jahr verdient man 1.368,26 Euro brutto, im zweiten Jahr 1.418,20 Euro und im dritten Jahr 1.464,02 Euro.
Neben 30 Tagen Urlaub gibt es zusätzlich den 24.12., vier Tage nach Weihnachten und den Tag nach Himmelfahrt frei. Außerdem erwarten Azubis Weihnachtsgeld und einen persönlichen Fahrausweis.

Insgesamt gibt es 14 Ausbildungsberufe bei der BVG, die unterschiedlich bezahlt werden. Mechatroniker erhalten beispielsweise im vierten Jahr 1.527,59 Euro brutto im Monat.
Die Gutverdiener der BVG
Die höchste Stufe in der TV‑N‑Berlin ist die Entgeltgruppe 13. Mitarbeiter verdienen hier je nach Stufe zwischen 6292 Euro und 7136 Euro brutto im Monat.
Wer in diese höchste Entgeltgruppe (EG) fällt, verrät die BVG nicht direkt. Schaut man sich aber die aktuellen Stellenanzeigen an, fällt ein ausgeschriebener Job ins Auge: Die BVG sucht eine „Fachgebietsleiterin / Fachgebietsleiter Personalcontrolling (w/m/d)“, der tatsächlich in EG 13 in der TV-N fällt.
Ansonsten dürfte die höchste Entgeltgruppe beispielsweise hochqualifizierte technische Experten, Ingenieure mit besonderer Verantwortung und Spezialisten in Leitstellen etc. betreffen.
So viel kassiert der BVG-Boss
Der aktuelle Vorstandsvorsitzende der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe), Henrik Falk, verdient ein Jahresgehalt von 454.000 Euro. Dies entspricht in etwa dem Zehnfachen des Gehalts eines durchschnittlichen BVG-Mitarbeiters.

Diese Vergütung wird in Berlin öffentlich diskutiert, da die BVG trotz dieser Gehaltszahlungen erhebliche finanzielle Verluste verzeichnete: 55 Millionen Euro Miese waren es 2024. Die Auswertung für 2025 liegt bisher nicht vor.
BVG steht im berlinweiten Vergleich gut da
Mal zur Einordnung: Berliner Arbeitnehmer verdienen durchschnittlich etwa 48.000 Euro brutto pro Jahr, alle Berufe eingerechnet. Das berichtet Kununu, eine Online-Plattform für Arbeitgeberbewertungen und Gehaltsvergleiche. Ein U-Bahnfahrer bei der BVG liegt also genau im Mittel.
Genau deswegen steht der aktuelle Kampf zwischen Verdi und BVG auch in der Kritik. Viele Berliner – die schlechter verdienen als beispielsweise ein U-Bahnfahrer – ärgern sich, dass diese trotzdem streiken und mehr wollen.
Verdi will mehr Urlaubstage und Ruhezeiten für die Fahrer
Wobei man fairerweise anmerken muss, dass sich die Verhandlungen dieses Mal hauptsächlich um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen drehen. Die Kernforderungen: 33 Tage Urlaub, doppeltes Urlaubsgeld, elfstündige Ruhezeiten zwischen den Schichten, maximale Schichtlängen von zwölf Stunden (bei geteilten Diensten bis zu 14 Stunden) und mehrere Verbesserungen im Arbeitsalltag.

Auch die Arbeitszeit soll sinken – von 37,5 auf 35 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich. Zusätzlich verlangt Verdi eine Mindestwendezeit von sechs Minuten an den Endhaltestellen für die Fahrerinnen und Fahrer.



