Öffentlicher Dienst

Verdi hat Berlins Landesbeschäftigten mehr Gehalt erkämpft

Berlins öffentliche Dienstbeschäftigte freuen sich über eine Gehaltserhöhung von 5,8 Prozent bis 2028. Schon ab April gibt es mindestens 100 Euro mehr.

Author - Sharone Treskow
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Beschäftigte des Landes Berlin freuen sich über mehr Gehalt.
Beschäftigte des Landes Berlin freuen sich über mehr Gehalt.KI-generiertes Bild

Jubel bei den Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Berlin: Es gibt mehr Kohle! Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hat in der Tarifrunde 2025/2026 hauptsächlich mit Verdi (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) als Verhandlungsführerin, dem dbb beamtenbund und tarifunion sowie der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) verhandelt.

Mehr Geld für Landesbeschäftigte

Für rund 130.000 Beschäftigte im Berliner Landesdienst deutet sich ein finanziell erfreuliches Jahr an. Nach der Einigung im Tarifstreit der Länder stehen ab Frühjahr 2026 spürbare Gehaltssteigerungen an. Der neue Tarifvertrag für die Länder (TV-L) sieht insgesamt 5,8 Prozent mehr Einkommen vor – verteilt auf drei Schritte bis Anfang 2028.

Schon ab dem 1. April 2026 steigen die Tabellenentgelte um 2,8 Prozent, mindestens jedoch um 100 Euro. Danach folgen weitere Anpassungen im März 2027 und Januar 2028. Noch ist das Paket allerdings nicht endgültig eingetütet: Bis Mitte März läuft der sogenannte „Erklärungs- und Widerrufsvorbehalt“. Die Arbeitgeberseite hat bereits grünes Licht gegeben, die Gewerkschaft Verdi lässt ihre Mitglieder darüber abstimmen.

Sie halten unsere Stadt sauber. Auch Mitarbeiter der BSR dürfen sich über mehr Gehalt freuen.
Sie halten unsere Stadt sauber. Auch Mitarbeiter der BSR dürfen sich über mehr Gehalt freuen.Maurizio Gambarini /Imago

Während Tarifbeschäftigte also schon einen Zeitplan vor Augen haben, bleiben Beamte und Richter zunächst im Wartezimmer der Gesetzgebung. Die Finanzverwaltung kündigt zwar an, das Tarifergebnis auf die Besoldung zu übertragen, doch ein Gesetzentwurf liegt bislang nicht vor. Ein entsprechendes Anpassungsgesetz soll noch in dieser Legislatur kommen – wann genau, ist offen. Auch Vorauszahlungen sind nicht geplant. Betroffene müssen sich also noch in Geduld üben.

Urteil mit Sprengkraft: Besoldung über Jahre verfassungswidrig

Parallel zur Tarifrunde wächst der Druck durch ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Richter stellten im November 2025 klar, dass die Berliner A‑Besoldung zwischen 2008 und 2020 zu niedrig war. Und zwar in einem Ausmaß, das eine grundlegende Neuordnung erforderlich macht. Das Gericht hat neue Maßstäbe für Mindestbesoldung und Besoldungsabstände definiert – ein komplexes Rechenwerk, das Berlin nun in die Realität überführen muss.

Angestellte der BVG fallen ebenfalls in den öffentlichen Dienst Berlins.
Angestellte der BVG fallen ebenfalls in den öffentlichen Dienst Berlins.Political-Moments / Imago

Finanzsenator Stefan Evers betont, wie gewaltig die Aufgabe ist. „Zehntausende Erwerbsbiografien müssen detailliert nachvollzogen werden. Teilweise geht es sogar um Ansprüche der Erben. Das ist extrem komplex. So etwas hat es noch nie gegeben”, sagt er dem Tagesspiegel. Das Reparaturgesetz muss spätestens im März 2027 stehen. Doch bis die individuellen Nachzahlungen berechnet und ausgezahlt sind, dürften laut Evers „Jahre“ vergehen.

Fast 40.000 Beamtinnen und Beamte hatten seit 2008 Widerspruch eingelegt – jährlich erneuert, wodurch inzwischen über 100.000 Aktenvorgänge entstanden sind. Die Kosten könnten in den hohen dreistelligen Millionenbereich steigen, genaue Zahlen gibt es aber erst, wenn die neuen Berechnungsmodelle feststehen.

Weitere Erhöhungen im Kommunalbereich

Für diejenigen, die keinen Widerspruch eingelegt haben, macht der Finanzsenator wenig Hoffnung. Die Idee freiwilliger Zahlungen lehnt er klar ab: „Wer das will, muss aber zwingend die Frage beantworten, wo er die Milliarden hernehmen möchte, die ein solches Vorgehen das Land kosten würde. Mir persönlich fehlt dafür die Fantasie.” Im Doppelhaushalt 2026/2027 sind bereits 280 Millionen Euro als Risikovorsorge reserviert. Ob das ausreicht, bleibt offen.

Das Vivantes Humboldt-Klinikum in Reinickendorf. Etwa 2.000 Angestellte von Tochterfirmen der Vivantes-Kliniken in Berlin haben vergangene Woche gestreikt.
Das Vivantes Humboldt-Klinikum in Reinickendorf. Etwa 2.000 Angestellte von Tochterfirmen der Vivantes-Kliniken in Berlin haben vergangene Woche gestreikt.Sabine Gudath / Imago

Auch kommunale Beschäftigte in Berlin stehen vor Gehaltssteigerungen, allerdings nach dem TVöD. Der Tarifvertrag gilt etwa bei Vivantes, der BSR, der Charité oder den Berliner Bäderbetrieben. Dort läuft bereits ein eigener Tarifabschluss aus 2025. Die erste Erhöhung von 3,0 Prozent wurde im April 2025 wirksam. Am 1. Mai 2026 folgt die zweite Stufe: plus 2,8 Prozent für tausende Angestellte in den landeseigenen Unternehmen.

Welche Berufe fallen in den Bereich öffentlicher Dienst?

Im öffentlichen Dienst in Berlin arbeiten Menschen in einer sehr breiten Palette von Berufen. Dazu gehören Verwaltungsangestellte in Bezirks- und Senatsverwaltungen, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Polizei, Feuerwehr, Justizvollzug, Mitarbeitende an Gerichten und Staatsanwaltschaften sowie Beschäftigte im Gesundheitsbereich der landeseigenen Einrichtungen wie Charité und Vivantes.

Auch manche Erzieher dürfen sich bald über mehr Geld freuen.
Auch manche Erzieher dürfen sich bald über mehr Geld freuen.Liliya Solopova/Imago

Außerdem Angestellte bei der BSR, der BVG oder den Berliner Bäderbetrieben sowie Fachkräfte in Technik, IT, Bau- und Stadtplanung. Auch Sozialarbeit, Kultur- und Museumsbetrieb, Umwelt- und Ordnungsdienste sowie zahlreiche wissenschaftliche und technische Tätigkeiten in Hochschulen und Forschungseinrichtungen zählen dazu.

Insgesamt umfasst der Berliner öffentliche Dienst damit mehrere tausend Jobprofile vom klassischen Büroraum bis hin zu hochspezialisierten Einsatzdiensten.

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