Am Montagmorgen lief der Öffi-Verkehr in Berlin wieder wie gewohnt. Nach 48 Stunden Stillstand rollen Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seit Sonntagmorgen wieder nach Fahrplan. „Weitgehend stabil“, wie die BVG schon am Sonntag sagte. Doch die Ruhe könnte trügerisch sein, denn nach dem Streik ist vor dem Streik!
Verdi will bessere Arbeitsbedingungen bei der BVG
Denn der Konflikt mit der Gewerkschaft Verdi ist alles andere als gelöst. Der zweitägige Warnstreik am Freitag und Samstag hatte den Verkehr in Berlin nahezu lahmgelegt. Und das schon zum zweiten Mal in dieser Tarifrunde. Anfang Februar stand die Stadt beim ersten Warnstreik für 24 Stunden still.
Diesmal verschärfte Verdi den Ausstand, und es könnte nicht der letzte gewesen sein. Im Kern geht es diesmal nicht um Lohnerhöhungen für die 16.500 Mitarbeiter der BVG, sondern um bessere Arbeitsbedingungen. Es geht um mehr Urlaub, mehr Urlaubsgeld, eine verbindliche Mindestruhezeit.
Laut BVG fordert Verdi inzwischen 17 Punkte. Dazu gehören 33 Urlaubstage für alle, 500 Euro mehr Urlaubsgeld und kürzere Schichten maximal zwölf Stunden) und Ruhezeiten von elf Stunden. Außerdem verlangt die Gewerkschaft, dass die Arbeitszeit der BVG-Mitarbeiter von 37,5 auf 35 Stunden pro Woche sinken soll – ab Januar 2027.

Und es geht der Gewerkschaft um klare Regeln für die sogenannte Wendezeit. So heißen die Minuten am Ende einer Strecke, in denen Fahrerinnen und Fahrer durchatmen können, bevor es zurückgeht. Mindestens sechs Minuten Pause verlangt die Gewerkschaft. Für viele Beschäftigte ist die Pause wegen Verspätungen bislang oft kürzer.
Für die BVG hätte das einen hohen Preis: rund 150 Millionen Euro zusätzliche Personalkosten pro Jahr. Außerdem bräuchte das Unternehmen 1330 neue Mitarbeiter, heißt es. Und damit steigt natürlich auch die Gefahr, dass die Ticket-Preise in Berlin im kommenden Jahr erneut steigen werden.
Die Fronten bleiben verhärtet. Bisher gab es kein Einlenken vonseiten der BVG, die Berliner Fahrgäste sind genervt. Drei Verhandlungsrunden brachten keine Annäherung, die nächsten sind für den 4. und 5. März angesetzt. Doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen für den möglichen nächsten Ausstand.
„Wir fragen die Kollegen, ob sie uns ihr Okay dafür geben, dass wir wieder in den Warnstreik gehen“, sagte Sven Globig von der Verdi-Tarifkommission laut Berliner Zeitung während der Streikkundgebung am Freitag im Invalidenpark in Berlin-Mitte. Die Rückmeldungen aus den Betriebshöfen würden bereits eingeholt. Sollten auch die kommenden Gespräche scheitern, droht Berlin also schon bald der nächste Verkehrskollaps.
Das sind die langfristigen Auswirkungen eines Streiks auf die Berliner Wirtschaft?
Ein erneuter Streik der Gewerkschaft Verdi im öffentlichen Dienst im Berliner Nahverkehr könnte zu mittel- und langfristigen Folgen für die Wirtschaft führen. Ein erneuter Ausfall von Bus, Tram und U-Bahn könnte bedeuten, dass viele Beschäftigte nicht pünktlich oder gar nicht zur Arbeit kommen, was zu Produktivitätsverlusten führen würde.
Besonders betroffen sind Dienstleistungsbranchen, Handel, Gastronomie und Tourismus. Kunden und Beschäftigte sind schlechter erreichbar, was Umsatzverluste verursachen kann. Unternehmen wiederum müssen kurzfristig alternative Mobilität organisieren, was Zusatzkosten verursacht. Kleinere Betriebe haben oft weniger Spielraum, um solche Mehrkosten abzufedern.





