Es gibt immer diesen einen Morgen danach. Einen Morgen, an dem in dieser Woche in Berlin Marzahn Eltern die Sonne aufgehen sehen und die quälende Gewissheit spüren: Das hier ist wahr und kein Alptraum.
Junge stürzte aus dem 15. Stock
Am Montag ist ein kleiner Junge aus dem 15. Stock eines Hochhauses in der Ludwig-Renn-Straße in Marzahn gestürzt. Als ein Reporter der Berliner Zeitung am Tag danach am Ort des Geschehens eintrifft, ist es still. Nur wenige Menschen sind unterwegs an diesem sonnigen Vormittag.
Durch die Stille unter dem blauen Himmel hört man nur das Wehklagen einer Frau. Sie kniet auf dem Boden, vor ihr Blumen und Kerzen und all der Schmerz auf dem kalten Gehweg.
Trauernde an der Unfallstelle in Marzahn
„Immer wieder senkt sie ihren Oberkörper zum Boden, um dann ihren Blick gen Himmel zu richten. Sie weint, ruft leise unverständliche Worte“, so beschreibt es der Reporter. Ein Junge und ein Mann sind bei ihr, doch ihr Trost erreicht das gebrochene Herz nicht.
Wie soll man auch fassen, dass von einem Moment auf den anderen ein ganzes Leben voller Pläne, Hoffnugen und Freude ausgelöscht ist.
Tah, so hieß der Junge, sagt der Mann dem Reporter.

Stofftiere und Kerzen vor dem Hochhaus mit Notbalkonen
Vor dem hohen Haus haben Nachbarn Stofftiere abgelegt und Kerzen aufgestellt. Die Polizei ermittelt, spricht von einem tragischen Unfall. „Die hätten mal besser achtgeben sollen“, sagt eine Frau im Vorbeigehen. Doch bisher ist unklar, wie es zu dem Unfall kam.
In dem Hochhaus gibt es zwischen den Wohungen Notbalkone mit einer ungesicherten Brüstung. Gelangte der Junge unbemerkt auf einen der Balkone? Sind die Türen nicht gesichert? Oder stürzte er aus dem Fenster der Wohung im 15. Stock, in dem der Junge lebte? Untersuchungen werden jetzt den genauen Verlauf des Unfalls beleuchten müssen.

Familie soll seit mehr als zehn Jahren im Haus wohnen
Abseits unterhalten sich zwei Männer, sprechen von den zahlreichen Nationalitäten, die in dem Haus in Marzahn „einfach zusammengewürfelt wurden“. Die Familie des verstorbenen Jungen stamme aus Vietnam. „Die wohnen seit mehr als zehn Jahren dort“, erzählt eine Frau. Die Familie habe vier Kinder und würde in einer kleinen Wohnung im 15. Stock wohnen.


