Was darf in die Biotonne

Biomüll neu gedacht: Alte Bäckertüten sinnvoll nutzen!

Wie Sie mit alten Papiertüten ihren Biomüll clever in der Biotonne entsorgen.

Author - Stefanie Hildebrandt
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In Baden-Württemberg sind der Verbraucherzentrale zufolge die am häufigsten von Abfallentsorgern aus dem Biomüll aussortierten Materialien herkömmliche Kunststoffe, direkt gefolgt von kompostierbaren oder biologisch abbaubaren Kunststoffen.
In Baden-Württemberg sind der Verbraucherzentrale zufolge die am häufigsten von Abfallentsorgern aus dem Biomüll aussortierten Materialien herkömmliche Kunststoffe, direkt gefolgt von kompostierbaren oder biologisch abbaubaren Kunststoffen.Jan Woitas /dpa

Seit einiger Zeit gilt in Deutschland eine strengere Abfallverordnung: Biotonnen dürfen demnach nicht mehr als drei Prozent Fremdstoffe enthalten, darunter ein Prozent Kunststoffe. Dazu zählt auch Bioplastik, aus dem unter anderem Abfalltüten für Biomüll hergestellt werden. Eine bessere Alternative sind Papiertüten. Doch ist es überhaupt okay, auch alte Bäckertüten in die Biotonne zu werfen?

Biomüll in Bäckertüten

In unserem vierköpfigen Haushalt kaufen wir regelmäßig Brot und Backwaren beim Bäcker. In manchen Läden und auch beim Bäckerwagen, der über die Dörfer fährt, ist es üblich einen Stoffbeutel über die Theke zu reichen.  Meist aber landen Brötchen, Croissants und Brot in einer Papiertüte. Viele dieser Tüten sammeln sich bei uns, sodass ich angefangen habe, den Biomüll, der ebenfalls in Mengen anfällt, in den Bäckertüten zu sammeln. Das fühlt sich gut und nachhaltig an, besser als extra Papiertütenzu kaufen.

Darf man den Biomüll in Bäckertüten entsorgen, oder schadet das bedruckte Papier in der Biotonne?

Viele Bekannte legen ein Stück Zeitung in den Biomüll-Behälter, um Feuchtigkeit aufzufangen, die unweigerlich entsteht. Das scheint gängige Praxis zu sein. Und tatsächlich antwortet auf die besorgte Frage eines Biomüll-Sammlers, wie ich einer bin, die Stadtverwaltung in Ludwigshafen so:

„Solange sich kein Kunststoffeinsatz in den Papiertüten befindet, können Sie diese gerne in den Bioabfall geben. Bäckereitüten eignen sich sehr gut zum Sammeln von Küchenabfällen. Auch die Druckerschwärze auf Zeitungen hat heutzutage keine schädlichen Auswirkungen mehr auf die Umwelt und sie stören den Verarbeitungsprozess des Bioabfalls zu Kompost nicht. Das gilt auch für starkes Küchenkrepp. Daher dürfen beide gerne den Weg in die Biotonne antreten.“

Extra Krepp zubesorgen widerspricht meinen Streben, vorhandene Ressorcen zu nutzen und nicht extra eine Rolle des meist gebleichten Zellstoffs zu besorgen um ihn dann wegzuwerfen. Gebrauchte Bäckertüten sind also die erste Wahl, wenn es um die Entsorgung von Biomüll geht.

Aufpassen: Plastik darf nicht in die Biotonne

Was aber gar nichts in der Biotonne zu suchen hat, ist Plastik. Besonders Plastikbeutel, die als „biologisch abbaubar“ verkauft werden, sind oftmals keine gute Wahl. Gibt man diese zum Kompostieren mit in die Tonne, bleiben am Ende bleiben oft größere Plastikstücke übrig. Selbst wenn der Abbau weitergeht, heißt das oft nur, dass die Partikelgröße reduziert wird.

„Die Norm verlangt, dass 90 Prozent des Materials kleiner als zwei Millimeter sind“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Torsten Müller in einem Interview mit der Zeit.

Der Begriff „biologisch abbaubar“ bezeichnet zwar tatsächlich die völlige Zersetzung eines Stoffs durch Mikroorganismen, wie es etwa das Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover erklärt. Allerdings ist nicht definiert, wie lang dieser Prozess dauert. Oft ist das viel zu lange.

Die Entsorgungsunternehmen appellieren: Auch wenn auf Mülltüten steht, sie seien kompostierbar, sollte man sie nicht in den Bioabfall geben. Die Beutel verrotten in den Kompostieranlagen viel zu langsam und müssen als Störstoffe aufwendig und teuer aussortiert werden. Wenn Reste im Kompost bleiben, gelangen sie im ungünstigsten Fall sogar als Plastik auf den Acker.

Mogelpackung biologischer Kunststoff

„Der Bioabfall liegt in industriellen Kompostieranlagen in der Regel nur wenige Wochen und damit oft zu kurz für einen ausreichenden Abbau von biologisch abbaubaren Kunststoffen“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Daher werden Kunststoffe – zumal optisch nicht unterscheidbar – meist aussortiert statt kompostiert. Dann wird sogar der am Plastik hängende Biomüll ebenfalls nicht weiterverwertet.

Auch in anderen Verwaltungen setzt man daher auf Papier, am besten solches, das eh schon vorhanden ist und schon öfter genutzt wurde.

„Nutzen Sie stattdessen Zeitungspapier oder alte Bäckertüten. Wickeln Sie Ihren Biomüll darin ein. Kleiden Sie die Biotonne mit Zeitungspapier aus; Feuchtigkeit in der Tonne bindet man am besten durch Eierkartons auf dem Tonnenboden. So bleiben Tonne und Biomüll sauber. Und: Sie helfen mit, aus dem Biomüll wertvollen Kompost und Energie herzustellen.“

Auch in Berlin rät man Verbrauchern zum Sammeln in altem Papier oder Zeitungspapier: „Zeitungspapier kann auch direkt in die Biotonne gelegt werden, das reduziert Gerüche. In der Küche einfach eine Lage Zeitungspapier ausbreiten, Bioabfall darin sammeln, zusammenknüllen und alles zusammen in die Biotonne werfen. Auch alte Brötchentüten (ohne Plastikeinsatz) eignen sich zum Sammeln.“

Übrigens: In Berlin spart man zwölf Prozent Müllgebühren, wenn man Biomüll abholen, und die Hausmülltonne dadurch nur noch alle vier Wochen leeren lässt.

Was kommt rein in die Biotonne?

Essensreste, auch Gekochtes (ggf. eingewickelt in Zeitungspapier), alte Lebensmittel (ohne Verpackung), Obst-/Gemüsereste, Schalen, auch von Zitrusfrüchten, Kaffeesatz, -filter, Tee, Teebeutel, Eierschalen, Küchenpapier, Grün-/Strauchschnitt, Laub, Blumen dürfen in der Biotonne entsorgt werden.

ILLUSTRATION - 25.12.2013, Niedersachsen, Hannover: Biomüll sollte ohne Plastiktüte in die Biotonne kommen - selbst wenn es sich um kompostierbare Tüten handelt. (zu dpa: «Warum einige Öko-Produkte kein Gewinn für die Umwelt sind») Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ILLUSTRATION - 25.12.2013, Niedersachsen, Hannover: Biomüll sollte ohne Plastiktüte in die Biotonne kommen - selbst wenn es sich um kompostierbare Tüten handelt. (zu dpa: «Warum einige Öko-Produkte kein Gewinn für die Umwelt sind») Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++Peter Steffen

Kunststoffe, Verpackungen, Folien, Tüten, Plastiktüten, kompostierbare Plastiktüten, kompostierbare Kaffeekapseln, kompostierbares Besteck etc., Metalle, Alufolien, Dosen, Hygieneartikel, Windeln, Staubsaugerbeutel, Textilien, Leder, Katzen- und Kleintierstreu, behandeltes Holz, Asche, Erde, Sand, Kies, Steine haben nichts in der Biotonne verloren.

So vermeiden Sie Gerüche in der Biotonne

Übrigens: Die Biotonne in regelmäßigen Abständen reinigen, verhindert den lästigen Geruch und Maden.  Außerdem gibt es wirklich Biotonnen-Deo. Gemahlenes Kaffeepulver oder Essig können als „Geruchskiller“eingesetzt werden.  Einfach zwei kleine Tassen des natürlichen Neutralisators zum Ausschrubben der Tonne nehmen. Die Berliner BSR empfiehlt: Mischen Sie Salz, Essigessenz sowie Wasser und geben Sie die Mischung in die Mülltonne. Nach entsprechender Einwirkzeit lassen Sie die Tonne gut an der Luft trocknen.

Viele Abfallwirtschaftsbetriebe wie auch die BSR bieten zudem den Austausch des Behälters oder auch eine Tonnenreinigung an.

Was passiert mit Bäckertüten wenn sie in der Biotonne landen?

Beschichtete Bäckertüten sollten nicht in der Biotonne landen. Die seit 2025 verschärfte Bioabfallverordnung erlaubt maximal 3 % Fremdstoffe, darunter nur 1 % Kunststoffe. Viele Bäckertüten enthalten Klebstoffe oder Plastikfenster, die sich im Kompost nicht zersetzen und daher aufwendig herausgefiltert werden müssen.

Am besten eignet sich also Papier ohne Beschichtung, ohne Sichtfenster ohne Kunststoffanteile.  Die Tüten die es für Backwaren in Supermärkten gibt, sind nicht zum Entsorgen in der Biomülltonne gedacht.

Für alle gilt, ab demnächst wird noch genauer hingeschaut. Tonnen können, wenn sie falsch befüllt sind, stehen gelassen werden, wenn zu viele Fremdstoffe drin sind, oder es gibt Strafgebühren. Wer falsch trennt, zahlt mehr oder bekommt die Biotonne nicht geleert. Seit Mai 2025 dürfen Tonnen mit Fremdstoffen stehen gelassen werden. Nachsortieren oder Sonderleerungen kosten extra.

Warum richtige Biotonne-Nutzung Geld spart

Generell gilt, von allen Mülltonnen ist der Restmüll die teuerste Tonne. Durch konsequente Trennung von kompostierbarem Abfall sinkt das Restmüllvolumen deutlich. Biotonnen sind oft günstiger oder pauschal abgedeckt. Viele Städte – auch Berlin – erheben niedrigere Gebühren für Bioabfall. Wer es also schafft, die Restmülltonne zu  verkleinern oder seltener leeren zu lassen, kann bares Geld sparen.  Wenn Bioabfall konsequent getrennt wird, schrumpft der Restmüllanteil oft  30 bis 50 Prozent.