Rekordwärme

Polarwirbel abgestorben: Der März wird zu warm und viel zu trocken

Meteorologe Dominik Jung erwartet Rekordwärme und Trockenheit im März. Frühling statt Winter – in Deutschland ist es ungewöhnlich mild.

Author - Stefan Henseke
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Sogar die ersten Bienen sind schon wieder unterwegs. Wie hier in der Region Hannover. Überall in Deutschland gibt es ungewöhnliche Frühlingswärme. Und das milde Wetter bleibt.
Sogar die ersten Bienen sind schon wieder unterwegs. Wie hier in der Region Hannover. Überall in Deutschland gibt es ungewöhnliche Frühlingswärme. Und das milde Wetter bleibt.Julian Stratenschulte/dpa

Meteorologe Dominik Jung von wetter.net moderiert den Winter ab. Bis  Mitte März sei ein Kaltlufteinbruch unwahrscheinlich. Es wird viel wärmer als normal. Er sagt: „Die erste Märzhälfte ist ganz klar auf Rekordkurs.“ Regnen solle es ebenfalls kaum.

März-Hitze: Es ist zehn Grad zu warm

Von 0 auf Frühling in wenigen Tagen. Noch vor einer Woche sagten viele Meteorologen einen erneuten Kälteeinbruch voraus. Den sieht Dominik Jung jetzt nicht mehr: „Ein Wintereinbruch ist weit und breit nicht in Sicht.“ Es bleibe deutlich zu warm. Nicht nur in Deutschland, West- und Mitteleuropa. Auch in Osteuropa werden die Temperaturen merklich über den Normalwerten für die aktuelle Jahreszeit liegen.

Der Meteorologe erklärt, dass wir am heutigen Montag Temperaturen messen werden, die etwa zehn Grad über den Werten liegen, die zu dieser Jahreszeit normal sind.

Die ungewöhnliche Wärme geht einher mit auffälliger Trockenheit. Die Situation sei über das Wochenende komplett gekippt. Das europäische Wettermodell CFS sagt jetzt einen extrem trockenen März voraus.

Es sei schon sehr ungewöhnlich, dass es so lange, so stabil, so warm und so trocken bleibt. In einem März. „Das Hoch scheint offenbar eine ganz schöne Ausdauer zu haben“, erklärt der Experte von wetter.net.

In Berlin wird es Mitte des Monats bis zu 12 Grad warm sein. Auch hier bleibt es viel zu trocken. „In Berlin gibt es frühestens in der zweiten Monatshälfte ein paar Niederschlagssignale“, erklärt der Meteorologe.

Viel Sonne und kaum Regen in den nächsten Tagen

Trocknet Deutschland wieder mal aus? Hier sind sich die Wetterexperten noch nicht so richtig einig. Nur das Wettermodell des Deutschen Wetterdienstes sieht für den Freitag Regen im Westen des Landes heraufziehen. Laut dieser Prognose wären zum Beispiel bis zu zwölf Liter im Norden von Rheinland-Pfalz möglich.

Laut amerikanischem Wettermodell aber bleiben weite Landesteile trocken, nur im Westen könnten minimale Niederschläge „reinsuppen“. Auch das britische und das kanadische Wettermodell sehen für Deutschland maximal etwas „Getröpfel“, wie Jung sagt.

So wird das Wetter bis zum Wochenende

Man sieht es beim Blick aus dem Fenster: Der Frühling ist wohl gekommen, um zu bleiben. Die Vögel zwitschern, die Sonne wärmt. Auch am heutigen Montag kommen weiter warme Luftmassen aus Südeuropa zu uns nach Deutschland geströmt. Mal ein paar dichtere Wolken, mal Sonnenschein. Am Nachmittag klettern die Temperaturen auf 12 bis 18 Grad, in Berlin und Brandenburg werden es 15 Grad.

In der Nacht zu Dienstag rauschen die Temperaturen noch mal runter. Auf minus 1  bis plus 6 Grad, im Osten bei 0 bis 1 Grad. Doch tagsüber ist die Wärme wieder da. Bei viel Sonnenschein geht es hoch auf 14 bis teilweise 19 Grad. „Das Vollfrühlingswetter geht also weiter“, sagt Dominik Jung. Das heißt aber auch: Pollenalarm! Zurzeit sind Erlen- und Haselpollen unterwegs.

Auch am Mittwoch bleibt uns das stabile Frühlingshoch erhalten. Mit Temperaturen von 12 bis 19 Grad. Etwas kühler (9 Grad) wird es nur an der Ostsee. Ähnlich am Donnerstag mit 10 bis 15 Grad in der Nordhälfte. Im Südwesten fühlt es sich mit bis zu 20 Grad schon nach Sommer an.

Der Meteorologe Dominik Jung von wetter.net erklärt auf der Wetterkarte, dass das amerikanische Wettermodell für den 16. März in Deutschland frühlingshafte Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad voraussagt.
Der Meteorologe Dominik Jung von wetter.net erklärt auf der Wetterkarte, dass das amerikanische Wettermodell für den 16. März in Deutschland frühlingshafte Temperaturen zwischen 14 und 17 Grad voraussagt.wetter.net/youtube

Der Freitag ist noch eine Überraschungstüte. Die einen Meteorologen sagen so, die anderen so. Laut amerikanischem GFS-Modell bleibt es trocken. Doch das Icon-Modell des Deutschen Wetterdienstes sieht vom Westen her Regen hereinziehen. Einig sind sich alle: Es bleibt mild. Bei 14 bis 18 Grad.

Das Wochenende bringt auch kaum Wetteränderung. Am Samstag ein paar mehr Wolken im Westen, bei 11 bis 19 Grad. „Am Sonntag gibt es schon wieder Sonne satt“, sagt Dominik Jung. Bei 13 bis 17 Grad.

Der Polarwirbel ist verschwunden

Und der nächste Wintereinbruch? „Ich sehe da bis Mitte März überhaupt nichts“, sagt Dominik Jung. Weder das amerikanische noch das europäische Wettermodell kündigen ein Comeback der Kälte an. „Der Polarwirbel scheint irgendwie abgestorben zu sein“, sagt der Meteorologe. „Keine Ahnung, wo er hin ist.“ Trotz möglicher Kaltlufteinbrüche in der zweiten Märzhälfte, im April oder an den Eisheiligen: „Der dicke Winter ist definitiv gelaufen“, verkündet Dominik Jung.