Finger weg!

Schneeglöckchen pflücken: So hoch sind die Bußgelder in Berlin!

Wer freut sich nicht über den Anblick von Schneeglöckchen? Doch man sollte sie unbedingt im Boden lassen. Sonst wird es teuer.

Author - Sharone Treskow
Teilen
Schneeglöckchen-Diebstahl kann teuer werden.
Schneeglöckchen-Diebstahl kann teuer werden.KI-generiertes Bild

Kaum recken sich in Berlin die ersten Schneeglöckchen (Galanthus) aus dem Boden, beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres. Die zarten weißen Blüten sind seit jeher ein Zeichen dafür, dass der Winter seinen Rückzug antritt. Doch mit ihnen steigt auch jedes Jahr die Versuchung: ein kleines Sträußchen schneiden, eine Handvoll ausgraben, um sie im eigenen Garten weiterblühen zu lassen. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Genau das ist streng verboten und kann extrem teuer werden.

Warum die kleinen Frühblüher so streng geschützt werden

Schneeglöckchen stehen unter Naturschutz – und zwar bundesweit. Wer sie in der Natur pflückt, ausgräbt oder auch nur an einen anderen Standort bringt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Strafen fallen je nach Bundesland unterschiedlich hoch aus, können aber bis zu 50.000 Euro erreichen. Auch scheinbar harmlose Aktionen wie das Umsetzen eines einzelnen wild wachsenden Schneeglöckchens sind vom Verbot erfasst. Erlaubt sind nur Pflanzen aus dem Fachhandel, da sie aus kontrollierter Zucht stammen.

Krokusse und Schneeglöckchen sprießen gerade überall in Berlin aus dem Boden.
Krokusse und Schneeglöckchen sprießen gerade überall in Berlin aus dem Boden.Imago

Der Hintergrund: Wilde Schneeglöckchen gehören zu den Arten, deren Bestände vielerorts unter Druck geraten sind. Besonders in Regionen wie der Türkei oder dem Kaukasus nimmt die Zahl natürlicher Vorkommen stetig ab. Hinzu kommt, dass ihre empfindlichen Standorte schnell verloren gehen, etwa wenn Nadelgehölze angepflanzt werden und den Pflanzen das nötige Licht entziehen. Fachbehörden verweisen darauf, dass genau diese Veränderungen ihre natürlichen Wachstumsbedingungen erheblich beeinträchtigen.

Um den Bestand zu sichern, gelten strenge Regeln für Einfuhr, Handel und Zucht. Das Gleiche gilt übrigens für Krokusse und Blausternchen. Gartenfachbetriebe müssen diese Vorgaben befolgen, wenn sie Schneeglöckchen anbieten. Wer also ein paar Frühblüher in den eigenen Garten holen möchte, kann sie problemlos dort erwerben und schützt damit gleichzeitig die wild lebenden Bestände.

Schneeglöckchen haben eine weite Reise hinter sich

Die Herkunft der Schneeglöckchen reicht weit über Mitteleuropa hinaus. Ursprünglich stammen sie aus Südwestasien, vom Kaukasus bis hin zur Region um das Kaspische Meer. Heute wachsen sie von Frankreich und Nordspanien bis zur Ukraine und zum Schwarzen Meer. Sogar in Griechenland und auf Sizilien sind sie zu finden, teils seit Jahrhunderten eingebürgert. In Nordamerika haben sie sich ebenfalls verbreitet, dort jedoch meist verwildert.

Schneeglöckchen stammen aus Südwestasien.
Schneeglöckchen stammen aus Südwestasien.Konstantin Mihalchevskiy/Imago

In Europa begann ihre Karriere vermutlich im 18. Jahrhundert. Aus alten Aufzeichnungen geht hervor, dass sie in England ab etwa 1770 zunächst in Klostergärten gepflegt wurden. Von dort fanden sie ihren Weg in Parks und später in die freie Landschaft. Über die Zeit haben sich zahlreiche Varianten entwickelt, sodass heute mindestens 20 Arten bekannt sind.

Wenn eine Blume zur Rarität wird

Mit der wachsenden Vielfalt entstand ein unerwarteter Trend: Sammlerinnen und Sammler konkurrieren um seltene Formen des Schneeglöckchens. Für außergewöhnliche Exemplare, die sich in Blütenform, Farbnuancen oder Blattstruktur unterscheiden, werden hohe Summen bezahlt. Laut einem WDR-Bericht wechseln besonders begehrte Varianten für bis zu 675 Euro den Besitzer. Manche Sorten zeigen gelbliche Akzente, andere grüne Zeichnungen – und es gibt sogar eine fast vollständig weiße Zuchtform, die ohne den üblichen Farbstreifen auskommt.

So faszinierend diese Vielfalt ist, so klar bleibt die Regel: Wilde Schneeglöckchen gehören in ihre natürlichen Bestände. Wer sie bewundern möchte, findet sie am schönsten dort – als untrügliche Vorboten eines neuen Frühlings.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.