„Polizeiruf“-Legende

Jürgen Frohriep: Der tragische Absturz eines DDR‑Stars

Vom gefeierten DEFA‑Star zum „Polizeiruf“-Ermittler: Der Berliner wurde auf eine Rolle reduziert und zerbrach nach der Wende an fehlenden Angeboten.

Author - Stefan Henseke
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Kurz nach der Wende: Schauspieler Jürgen Frohriep im Arbeitszimmer seines Hauses in Berlin-Karolinenhof
Kurz nach der Wende: Schauspieler Jürgen Frohriep im Arbeitszimmer seines Hauses in Berlin-KarolinenhofGueffroy/imago

Er galt als Frauenschwarm und war in der DDR ein gefeierter Charakterdarsteller: Jürgen Frohriep. Zum Ende allerdings wurde er auf eine Rolle reduziert – die des Oberleutnants Jürgen Hübner in der Krimireihe „Polizeiruf 110“. Als nach der Wende die Angebote ausblieben, verlor der Schauspieler den Lebensmut. Schon 1993, gerade mal 65 Jahre alt, starb er.

Ab 1972 ermittelte Jürgen Frohriep im „Polizeiruf 110“

Jürgen Frohriep wohnte damals in Berlin-Karolinenhof, im Lübbenauer Weg. Ich ging mit seinem Sohn David zwei Jahre in die gleiche Schulklasse, meine Schwester später mit seiner.

Für die Nachbarn war er damals schon der Kommissar aus dem Polizeiruf. Am Montagabend läuft wieder mal eine der alten Folgen im MDR (22.10 Uhr): „Polizeiruf 110: Treibnetz“ von 1985. Frohriep als der  charmante Gegenpart zu Hauptmann Fuchs (Peter Borgelt).

Jürgen Frohriep (Oberleutnant Hübner, l.), Peter Groeger (Apotheker) und Peter Borgelt (Oberleutnant Fuchs) in der Polizeiruf-Folge „Blütenstaub“.
Jürgen Frohriep (Oberleutnant Hübner, l.), Peter Groeger (Apotheker) und Peter Borgelt (Oberleutnant Fuchs) in der Polizeiruf-Folge „Blütenstaub“.Siegfried Rieck/mdr/rbb/DRA

Seine Frau, die Schauspielerin Kati Székely, sagte später: „Vor dieser Rolle habe ich ihn sehr gewarnt, weil Jürgen zu sehr auf diese reduziert wurde.“ Dass das stimmt, sieht man gleich, wenn man sich seine Filmografie auf Wikipedia anschaut.

Ab 1972 ermittelte Jürgen Frohriep in der Krimireihe. Vorher vielfach engagiert, nahmen seine Engaments Ende der 70er ab. Für die 80er Jahre sind gerade mal noch vier weitere Rollen („Oben geblieben ist noch keiner“) vermerkt, darunter keine Hauptrolle.

Der Polizeiruf teilte die Karriere in davor und danach. Sechs Produktionen im Jahr 1962, fünf im Jahr 1969, vier im Jahr 1967. Frohriep spielte in legendären DEFA- und DFF-Filmen mit. In „Wolf unter Wölfen“, in „Chingachgook, die große Schlange“ mit Gojko Mitic, in „Berlin um die Ecke“ mit Dieter Mann und Erwin Geschonneck.

„Das grüne Ungeheuer“ machte Frohriep zum Star

Frohriep wurde am 28. April 1928 in Rostock geboren, im Krieg noch als Flakhelfer eingezogen, nach 1945 jobbte er als Erntehelfer und Bootsbauer. Ab 1948 studierte er an der Staatlichen Schauspielschule in Schwerin und stand dort auch auf der Bühne. Später ging er an das Theater der Freundschaft in Berlin.

1959 die erste große Filmrolle – als Unteroffizier Walter im Konrad-Wolf-Film „Sterne“. Der große Durchbruch kam drei Jahre später. Beruflich und privat. Mit der Hauptrolle in dem TV-Mehrteiler „Das grüne Ungeheuer“ (1962). An seiner Seite: Kati Székely. Aus der gespielten Liebe im Film wurde wahre Liebe im echten Leben.

Im Januar 1963: Ein bisschen Winterspaß mit Kati Szekely und Jürgen Frohriep. Die beiden Schauspieler posieren für Fotos auf dem zugefrorenen Müggelsee.
Im Januar 1963: Ein bisschen Winterspaß mit Kati Szekely und Jürgen Frohriep. Die beiden Schauspieler posieren für Fotos auf dem zugefrorenen Müggelsee.Frank Sorge/imago

Sie heirateten, bekamen vier Kinder. Kati Székely zog sich vom Film zurück und studierte Psychologie. Die Frohrieps waren in der DDR eine privilegierte Familie. „Wir hatten dank meiner Mutter die ungarische Staatsbürgerschaft, dadurch konnten wir reisen. Ich habe das nie aufs Brot geschmiert und besser darüber geschwiegen“, erzählte David Frohriep vor Jahren in einem Interview mit der Berliner Zeitung.

Kati Székely ging Anfang der 80er-Jahre sogar mit den Kindern in die USA. Sie versuchte, dort beruflich Fuß zu fassen. Vergeblich. Nach ein paar Wochen ging es wieder zurück in die DDR.

Jürgen Frohriep: Ein letzter „Polizeiruf“

Eine Zeit, in der Jürgen Frohriep mit seinem Leben und seiner Karriere zu hadern begann. Die Rollen wurden weniger. Schon damals wurde in Karolinenhof getuschelt, dass der Schauspieler zu viel trinken würde. Der Alkohol war für ihn Zuflucht und Stütze abseits der Dreharbeiten. Als Familienmensch aber „war er bis auf wenige Ausnahmen präsent und liebevoll“, sagten später David und sein Bruder Daniel.

Jürgen Frohriep mit Sohn David Ende der 60er-Jahre im Garten seines Hauses in Berlin-Karolinenhof
Jürgen Frohriep mit Sohn David Ende der 60er-Jahre im Garten seines Hauses in Berlin-KarolinenhofArchiv Frohriep

Doch noch zu DDR-Zeiten ging die Ehe in die Brüche. Im Jahre 1987 zog Kati Székely mit der jüngsten Tochter Deborah in die Schweiz. Die gescheiterte Ehe, nach der Wende gar keine Rollenangebote mehr: Jürgen Frohriep geriet in eine Krise, litt an Depressionen.

Einmal sah man ihn dann doch noch auf dem Bildschirm. Die ARD beschloss, die Krimiserie „Polizeiruf 110“ weiterzuführen. Mit dem Fall „Keine Liebe, kein Leben“ feierte der Schauspieler ein Comeback als Oberkommissar Hübner. Doch kurz nach Ende der Dreharbeiten starb Frohriep am 13. Juli 1993 in seinem Haus in Berlin-Karolinenhof.

Am Montagabend (2. März) läuft ab 22.10 Uhr die „Polizeiruf“-Folge „Treibnetz“ im MDR. In der ARD-Mediathek ist außerdem die Folge „Katharina“ (1989) zu sehen.