Gefeierter DDR-Star

Die bewegende Geschichte von „Polizeiruf“-Legende Peter Borgelt

Peter Borgelt und Jürgen Frohriep prägten den „Polizeiruf 110“. Beide DDR-Stars starben kurz nach der Wende tragisch. MDR zeigt einen der Krimi-Klassiker.

Author - Stefan Henseke
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Schauspieler Peter Borgelt bei der morgendlichen Zeitungslektüre. Ein Foto aus dem November 1990.
Schauspieler Peter Borgelt bei der morgendlichen Zeitungslektüre. Ein Foto aus dem November 1990.Gueffroy/imago

Peter Borgelt und Jürgen Frohriep prägten für viele Jahren die Krimi-Serie „Polizeiruf 110“ im DDR-Fernsehen. Borgelt war ab 1971 dabei, Frohriep kam ein Jahr später dazu. Auch das Ende der beiden legendären Schauspieler kam kurz nacheinander. Sie starben bald nach der Wende  unter tragischen Umständen. Innerhalb eines Jahres. Am Montag zeigt der MDR den Klassiker „Polizeiruf 110: Kein Paradies für Elstern“.

Polizeiruf 110: Überfall auf ein Centrum Warenhaus

Der Fall aus „Polizeiruf 110: Kein Paradies für Elstern“ (1974) erinnert ein wenig an heutige Überfälle auf Berliner Juweliere. Hier wird in einem Centrum-Warenhaus ein Wächter niedergeschlagen und eine Schmuckvitrine leer geräumt. Der Schaden beläuft sich auf 80.000 DDR-Mark. Viel Geld für damalige Zeiten.

Verdächtigt werden schnell Mitarbeiter des Kaufhauses, denn der Täter muss Insiderwissen gehabt haben und mit den Örtlichkeiten des Hauses bestens vertraut gewesen sein. Doch die Ermittler folgen falschen Spuren, Oberleutnant Fuchs (Peter Borgelt) und seine Kollegen müssen den Fall noch mal neu aufrollen.

Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) und Oberleutnant Fuchs (Peter Borgelt, re.) sprechen im Polizeiruf 110: Kein Paradies für Elstern mit Warenhaus-Nachtwächter Walter Fritsche (Kurt Radeke).
Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler) und Oberleutnant Fuchs (Peter Borgelt, re.) sprechen im Polizeiruf 110: Kein Paradies für Elstern mit Warenhaus-Nachtwächter Walter Fritsche (Kurt Radeke).Siegfried Rieck/MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/

Peter Borgelt spielte den etwas anderen Ermittler. Nichts lag seinem Oberleutnant Fuchs ferner als als ruppige Action und wilde Verfolgungsjagden. Fuchs war eher sowas wie der „ostdeutsche Maigret“, wie ihn eine Zeitschrift damals nannte.

Typ: väterlicher Polizist. Klug, zurückhaltend, meist freundlich, ein guter Beobachter. Nicht Bewegung trieb die Krimis, in denen Borgelt mitspielte, vorwärts, sondern stete, gründliche Ermittlungsarbeit.

Der 1927 in Rostock geborene Schauspieler war ein Mann der leisen Töne. Zuerst wollte er auch Komponist werden und studierte am Konservatorium in Kamenz. Doch nebenbei jobbte er am Kreistheater in Burgstädt (Sachsen) – und fand Gefallen am Schauspielerberuf.

Die Bühnen, an ihn engagierten, wurden immer größer. Burgstädt, Meiningen, Halberstadt, Magdeburg, Leipzig, Schwerin – und dann das Deutsche Theater in Berlin, dem er bis zu seinem Tod treu blieb.

89-mal spielte Peter Borgelt im „Polizeiruf“ mit

Anfang der 60er Jahren kamen die ersten Filmrollen, darunter große Kinohits wie „Die Abenteuer des Werner Holt“ und der in der DDR verbotene Spielfilm „Das Kaninchen bin ich“ (beide 1965).

Doch erst seine Rolle als Oberleutnant Hübner machte Peter Borgelt zum TV-Star. 89-mal spielte er im „Polizeiruf“ mit. Aber anders als bei seinem Kollegen Jürgen Frohriep gingen ihm auch nach seinem Engagement bei „Polizeiruf 110“ die Rollen nicht aus. Dabei half das Deutsche Theater.

Die Folge „Unter Brüdern“ führte „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ im Oktober 1990 zusammen. Thanner (Eberhard Feik, r.) und Schimanski (Götz George, 3.v.l.) nehmen die Kollegen Grawe ( Andreas Schmidt-Schaller, l.) und Fuchs (Peter Borgelt, 2.v.l.) aus Berlin-Ost am Duisburger Bahnhof in Empfang.
Die Folge „Unter Brüdern“ führte „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ im Oktober 1990 zusammen. Thanner (Eberhard Feik, r.) und Schimanski (Götz George, 3.v.l.) nehmen die Kollegen Grawe ( Andreas Schmidt-Schaller, l.) und Fuchs (Peter Borgelt, 2.v.l.) aus Berlin-Ost am Duisburger Bahnhof in Empfang.MDR/WDR/Lange

Gerade in den 80er Jahren. Pro Jahr tauchte Peter Borgelt in zwei, drei anderen Produktionen für Film und Fernsehen auf: von der Serie „Familie Neumann“ (1984) bis zu den fürs Fernsehen aufgezeichneten Inszenierungen aus dem Deutschen Theater („Wallenstein“, 1987).

Auch nach der Wende fand Peter Borgelt, anders als viele DDR-Kollegen, seine Rollen. Er spielte in Kinder- und Jugendserien („Spreepiraten“) mit – und auch in zwei heute schon legendären Tatort- und Polizeiruf-Folgen, die Krimi Ost mit Krimi West zusammenführten.

In der Folge „Unter Brüdern“ ermittelten die Kommmissare aus „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ (Oktober 1990) gemeinsam – Eberhard Feik, Götz George, Andreas Schmidt-Schaller und natürlich Peter Borgelt. Gefolgt von der Polizeiruf-Folge „Thanners neuer Job“ (1991) mit Eberhard Feik. TV-Krimis, in denen aus Oberleutnant Peter Fuchs längst ein Kriminalhauptkommissar geworden ist.

Peter Borgelt: Die Angst vor dem langen Leiden

Doch trotz dieser Erfolge meinte es das Schicksal nicht gut mit Peter Borgelt. In einem Interview sagte der Schauspieler mal, was für ihn das größte Unglück wäre: „Ein langes, unheilbares Leiden.“

Und genau dieses Schicksal ereilte Borgelt. 1994 starb er im Alter von 66 Jahren nach mehreren Operationen an Krebs– nur acht Monate nach dem Tod von Kollege Jürgen Frohriep. Als nach der Wende die Angebote ausblieben, verlor Borgelts Kollege den Lebensmut. Frohriep starb im Juni 1993, gerade mal 65 Jahre alt.

Am Montagabend (9. März) läuft ab 22.10 Uhr die „Polizeiruf“-Folge „Kein Paradies für Elstern“ im MDR. In der ARD-Mediathek ist außerdem sind außerdem die Folgen  „Die alte Frau im Lehnstuhl“ (1987, bis 11. März abrufbar) und  „Katharina“ (1989) zu sehen.